„Meißner war immer ein Rutschberg“

Der Bergmann. Keiner kennt den hohen Meißner so gut wie Harry Träger. Der inzwischen 85-jährige Bergwerksingenieur hat den Tagebau Kalbe bis zu dessen Stilllegung 1974 geleitet, bemüht sich um die Erhaltung bergbaulicher Relikte auf dem Berg. Er selbst nennt sich „Bergmann aus Passion“. Fotos. Stefanie Salzmann

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Werra-Meißner-Kreis hatte am vergangenen Samstagnachmittag zu einer Wanderung geladen, in der Träger und Günter Groß, der als Förster zuständig ist für den Hohen Meißner, zum einen über die Bergbaugeschichte des Berges, aber auch über den „Bergrutsch“ informierten

Keiner kennt den Hohen Meißner so gut wie Harry Träger. Der inzwischen 85-jährige ist Bergmann aus Passion und war bis zu dessen Stilllegung 1974 Betriebsführer des Tagebaus an der Kalbe. Jedes noch so kleine Detail, jede Anekdote aus der Geschichte des Berges hat er parat, ohne je mit einem Zettel gesehen worden zu sein. Und weil der Bergmann mit seinem Berg verbunden ist, betrachtet Träger die vielen Schreckensmeldungen der letzten Jahre über den „Bergrutsch“ am Meißner auch mit kühler Gelassenheit. „Der Meißner war schon immer ein Rutschberg“, sagt er und weiß von Gutachten und Untersuchungen zu berichten, die das bereits um 1900 bestätigten.

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Der Bergrutsch, der aktuell vor allem das denkmalgeschützte ehemalige Bergbauamt „Haus Schwalbenthal“ und die unterhalb verlaufende Straße bedroht.

Träger führt seine Zuhörer in den Küchentrakt des Hauses, wo die dem Berg zugewandte Seite mit einer starken Holzkonstruktion gestützt wird und sich die geflieste Wand sichtbar dem Druck beugt und nach vorn wölbt. Und hier überrascht der Bergmann seine Gäste. Nicht die Folgen des jahrhundertelangen Bergbaus würden das Gebäude bedrohen. Vielmehr sei beim Bau der oberhalb des Schwalbenthals verlaufenden Straße die Hangböschung unsachgemäß aufgeschüttet worden. Diese Erdmassen würden nun drücken. „Das ergibt möglicherweise im Rechtsstreit um die Folgen der Rutschung eine neue Sachlage“, stellt der Landtagsabgeordnete Lothar Quanz fest. „Für ein kleinräumiges Problem lässt sich vielleicht auch eine kleinräumige Lösung finden“. „Überspitzt interpretiert“, so Förster Groß, „stützt das Haus Schwalbenthal die Straße“.

Eher dann doch großräumig ist die Tatsache, dass das Hauptmassiv des Meißner zwischen den Seesteinen bis zum Frau Holle-Teich ein sogenanntes Rutschgebiet ist. „Das gesamte Hanggeschiebe ist in Bewegung“, sagt Träger. Und „demnächst“, so ergänzt der frühe Meißnerförster Alfred Dilling aus einem Gespräch mit einem Geologen, werde der Berg abrutschen und sich sein natürliches geologisches Bodenprofil von 35 Prozent annehmen. Wann das etwa sein werde? So in den nächsten 15 Millionen Jahren.

Auch das Szenario, dass das Haus Schwalbenthal samt Straße und Mann und Maus lawinenartig ins Tal kracht, hält Träger für schlicht „Quatsch“.

Von Stefanie Salzmann

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