Schwieriges Jubiläumsjahr 2020

50 Jahre Bergwildpark Meißner: Beinahe wäre er ein Freibad geworden

Beliebte Leckereien: Heiß begehrt bei den Tieren im Wildpark sind die Futtertüten, die es am Eingang zu kaufen gibt. Hirsche, Rehe und Ziegen fressen den Besuchern dann sogar aus der Hand.
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Beliebte Leckereien: Heiß begehrt bei den Tieren im Wildpark sind die Futtertüten, die es am Eingang zu kaufen gibt. Hirsche, Rehe und Ziegen fressen den Besuchern dann sogar aus der Hand.

Der Bergwildpark Meißner bei Germerode ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden. Die Idee für den Park ist sogar noch älter. Im Jahr ohne Feier, werfen wir einen Blick zurück.

Germerode – Das Meckern einer Ziege ist schon vom Eingang aus zu hören. Links liegt ein weitläufiger Spielplatz mit Rutsche und Schaukeln, für Kinder, und Sitzgruppen, für Erwachsene. Rechts steht das Waldwichtelhaus hinter dessen Fassade Geschichte zum Anfassen schlummert und am Ende des gepflasterten Fußweges wartet das Tiergehege.

Ein Schritt durch die Tür im Zaun und schon erblicken Besucher Rehe, Ziegen und Hängebauchschweine.

Die Idee entstand Ende der 1960er-Jahre

Fast hätte es den Bergwildpark Meißner nicht gegeben. Beinahe hätten die Germeröder ein Schwimmbad gebaut. Entschieden wurde das Ende der 1960er-Jahre, kurz bevor die Gemeinde Germerode mit der Gemeinde Meißner zusammengelegt wurde.

„1968 wurde überlegt, welches touristische Angebot die Germeröder einbringen können“, erzählt Harald Zindel, Vorsitzender des Fördervereins Bergwildpark Meißner. Schwimmbäder seien beliebt gewesen und Wildtierparks habe es auch schon gegeben – einen in Eschwege, einen in Weißenborn. „Wir sind heilfroh, dass die Entscheidung zugunsten des Wildtierparks gefallen ist“, erzählt Zindel lachend. Beschlossen hatten es die Gemeindevertretung und der Heimat- und Verkehrsverein.

Die wilden Tiere

Zahme Rehe und Hirsche aus nächster Nähe beobachten und füttern, Ziegen und Hasen streicheln. Das zeichnet den Germeröder Wildtierpark aus. „Wir wollen so wenig Zäune wie möglich“, erklärt Zindel.

Deshalb laufen neben Rehen und Hirschen unter anderem auch Hängebauchschweine und Ziegen frei im Park herum. Besonders über die Futterpäckchen in den Händen der Besucher freuen sich die Tiere. „Nur den Mais mussten wir irgendwann rausnehmen, die Tiere sind einfach zu dick geworden“, so der Vorsitzende schmunzelnd. Nun ist in den Tüten ein natürliches Balaststofffutter.

Das Jubiläumswochenende hätte im Juni diesen Jahres stattgefunden.

Doch auch wenn Rehe und Hirsche zahm sind, ist Vorsicht geboten, so der Vorsitzende des Fördervereins: „Es sind immer noch Wildtiere.“ Besonders in der Brunftzeit könne es gefährlich werden. „Hebt ein Tier mit Geweih den Kopf, dann kann das ins Auge gehen“, warnt Zindel.

Der Platz zum Toben

Klettern, schaukeln, rutschen: Vor dem Tiergehege wartet ein großer Spielplatz auf die jüngsten Besucher. Besonders beliebt sind die selbst gebauten Geräte, erzählt Zindel. Wie etwa das Auto. „Wenn es abgebaut und auf Vordermann gebracht werden muss, sind die Kinder traurig.“

Das Haus des Wichtels

Ein Ort des Wissens ist das Waldwichtelhaus. Eröffnet wurde das Museum im Frühjahr 1999. Die Idee geisterte schon länger in den Köpfen der Mitglieder des Fördervereins. Den entscheidenden Impuls mitsamt dem Namen lieferte ein Göttinger Forststudent, der zu dieser Zeit an einem anderen Projekt in Germerode beteiligt war, das geht aus einem Zeitungsartikel von 1999 hervor.

Entspannt: Ihr eigenes Gehege haben die Waschbären.

Seit der Öffnung bietet das Museum Geschichte zum Anfassen an: Bergbau, Jagd, Forst und natürlich zum Wildtierpark. Ursprünglich etwa 120 Quadratmeter und zwei Stockwerke hielt das Wichtelhaus bei der Eröffnung bereit. Aufgrund von Corona ist das Haus geschlossen, so Zindel. Außerdem seien die Spielgeräte veraltet.

„Es steht auf unserer Liste, wir wollen es auf den neuesten Stand bringen“, so der Vorsitzende.

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Die Förderer des Bergwildparks

Als Pioniere des Tierparks gelten der ehemalige Germeröder Bürgermeister Heinrich Bauhan und Fritz Zindel. Zindel, viele Jahre lang in der Funktion des zweiten Vorsitzenden in der Kommission des Wildtierparks, dem Vorläufer des heutigen Fördervereins, ist Harald Zindels Vater.

Bei der Gründung 1970: von links Fritz Zindel, lange zweiter Vorsitzender, und Karl Rimbach, ehemals Revierförster und erster Vorsitzender.

Sein Sohn trat in seine Fußstapfen. Bei der Gründung und Umsetzung waren aber auch viele weitere Germeröder maßgeblich beteiligt, wie etwa Helmut Heckmann. Als sich die Kommission zum Förderverein umwandelte, übernahm Karl Rimbach für fast 20 Jahre den Vorsitz. Der damalige Revierförster habe den Bestand entscheidend ausgebaut und geprägt, so Zindel. (Von Hanna Maiterth)

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Der Bergwildpark Meißner in Zahlen

0 Besucher wird der Wildtierpark Meißner im November haben. Aufgrund der neuen Coronaregelungen muss der Park bis einschließlich 30. November schließen.

4 hauptamtliche Mitarbeiter hat der Wildtierpark Meißner: zwei ausgebildete Tierpfleger und zwei Hilfen.

5 Jahre lang – von 2008 bis 2013 – gab es eine Falknerei im Park. Als der Vertrag mit der Gemeinde Meißner auslief, konnte er aus Kostengründen nicht verlängert werden.

7 Hansis: Inzwischen ist der allseits bekannte Hirsch Hansi mindestens in der siebten Generation. Die verschiedenen Hansis begleiten Besucher seit der Öffnung des Parks und laufen in der Brunftzeit zu Höchstform auf.

13 Jahre alt ist derzeit das jüngste Mitglied des Fördervereins. Insgesamt hat der Förderverein 52 Mitglieder. Ursprünglich kamen sie alle aus Germerode. Inzwischen finden sich im ganzen Werra-Meißner-Kreis Mitglieder, erzählt Zindel stolz.

27 Jahre ist es her, da wurde der Spatenstich für das Waldwichtelhaus gemacht. Die Bauzeit: sechs Jahre. Das liegt daran, dass die Arbeit hauptsächlich von Ehrenamtlichen bewältigt wird.

40 freilaufende Tiere hat der Park. Insgesamt hat der Wildpark aber mehr als 150 Bewohner. Wildschweine und Waschbären leben in einem eingezäunten Gehege. Dazu kommen die Schottischen Hochlandrinder. Die Sommergäste residieren auf einer Weide und betreiben Rasenpflege. mai

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