Tier war von Hand aufgezogen worden

Bambi lebt jetzt im Bergwildpark

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Scheuer Blick: Etwas unsicher blickte Bambi bei seinen ersten Schritten im Bergwildpark Meißner bei Germerode noch drein – verschwand dann aber schnell mit Reh Lisa zwischen den Bäumen.

Germerode. Im Sommer des vergangenen Jahres haben Anja Pahlen und ihr Lebensgefährte Peter Göbel ein halb verhungertes Reh gefunden und es bei sich aufgezogen.  Jetzt hat es ein neues  Zuhause gefunden: den Bergwildpark Meißner bei Germerode.

Gut Ding will Weile haben. Dachte sich wohl Bambi und blieb erst einmal wachsam im Anhänger liegen, mit dem er am Samstag aus dem Raum Darmstadt in den Bergwildpark Meißner bei Germerode gebracht wurde. Da halfen auch die Weintrauben und der eigens für den Rehbock ausgerollte grüne Teppich nichts, die das gut elf Monate alte Tier aus dem Hänger hinein in den Wildpark locken sollten. Selbst die beiden Ricken, die bereits auf dem 25 Hektar großen Areal leben und neugierig vor der geöffneten Hängerklappe herumliefen, vermochten dem jungen Reh nicht herauszuhelfen.

Letztlich aber siegte dann doch die Neugier. Mit einer kleinen Starthilfe von den Zieheltern Anja Pahlen und Peter Göbel wagte Bambi vorsichtig ein paar Schritte auf dem ihm fremden Terrain, schaute sich abwartend um und legte wieder ein paar Meter zurück, bevor er zusammen mit Reh Lisa zwischen den Bäumen verschwand. „Er hat noch Angst und ist deshalb abgehauen“, erklärte Anja Pahlen, während ihr die Stimme stockte. „Ich wünsche ihm, dass er sich hier wohlfühlt und vor allem frisst. Das ist das Wichtigste.“ Vor allem Löwenzahn und Hasenfutter hätten es dem gut 20 Kilo schweren Tier angetan.

Vor einem dreiviertel Jahr hat sie, die im Raum Darmstadt lebt, das damals noch junge Rehkitz halb verhungert im Schlamm feststeckend gefunden, hat es seitdem bei sich zu Hause aufgezogen, weil die Auffangstation für Tiere voll war und befreundete Jäger das Reh, das Pahlen und ihr Lebensgefährte Bambi getauft haben, wohl schnell erlöst hätten. Jetzt aber sollte es raus aus der Wohnung und rein in sein natürliches Lebensumfeld: „Es ist ja immer noch ein Wild- und kein Haustier.“

Im Bergwildpark freut man sich über das Reh. Zwei weibliche gibt es bereits, eines davon, Lisa, wurde auch von Hand aufgezogen und im vergangenen Herbst von Familie Schweinhardt aus der Nähe von Bingen in die Hände von Tierpfleger Willfried Eberhardt gegeben. „Das hat keine acht Tage gedauert, da hat es sich schon eingelebt“, erinnerte er sich, weshalb er zuversichtlich sei, dass auch der jetzige neue Bewohner Anschluss finden wird im Park – und sich hoffentlich schnell fortpflanzt. Vom Deutschen Wildgehege-Verband gibt es auf jeden Fall keine Bedenken: „Das Reh ist Menschen gewöhnt und der Bergwildpark hat den Platz“, sagte Geschäftsführer Karl Görnhardt, „es wird dort gut betreut werden.“

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