Fürsorge, Achtsamkeit, Obhut und Pflege

Gleichstellungsbüro veranstaltet Care-Wochen in Germerode

Ein Teil der Veranstalter der Care-Wochen: Susanne Pfetzing vom Landfrauen-Vorstandsteam (Zweite von links), Gleichstellungsbeauftragte Thekla Rotermund-Capar (Dritte von links) und Germerodes Ortsvorsteherin Ulrike Zindel (Vierte von links) gemeinsam mit Mitgliedern des Landfrauenvereins Germerode. Kreideschilder wie im Vordergrund sind im Zuge der Aktion überall in Germerode zu finden.
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Ein Teil der Veranstalter der Care-Wochen: Susanne Pfetzing vom Landfrauen-Vorstandsteam (Zweite von links), Gleichstellungsbeauftragte Thekla Rotermund-Capar (Dritte von links) und Germerodes Ortsvorsteherin Ulrike Zindel (Vierte von links) gemeinsam mit Mitgliedern des Landfrauenvereins Germerode. Kreideschilder wie im Vordergrund sind im Zuge der Aktion überall in Germerode zu finden.

Das Gleichstellungsbüro Werra-Meißner widmet der Care-Arbeit gleich zwei Wochen in Germerode. Motto: „Die Bedeutung von Care für ein gutes Leben.“ Aber was ist „Care“ eigentlich?

Germerode - Beteiligt an der Aktion sind außerdem die Awo-Männerberatung, der Landfrauenverein Germerode, die evangelischen Kirche Germerode sowie der Ortsvorsteherin Ulrike Zindel. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Veranstaltung in der Gemeinde Meißner.

Was bedeutet „Care“?
Unter dem Stichwort „Care“ werden von Feministen und Feministinnen politische, philosophische und wirtschaftliche Alternativen entwickelt und diskutiert, die das Leben und seine Erhaltung in den Mittelpunkt stellen.„Care“ steht dabei übersetzt nicht nur für Fürsorge, sondern auch für Achtsamkeit, Obhut und Pflege, so Thekla Rotermund-Capar, die Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises. Ein Großteil der Care-Aktivitäten wie im Haushalt oder in der Pflege seien in der vergehenden Ordnung des Patriarchats „unten“ angesiedelt. Sie würden ins Private verbannt, trivialisiert oder als schlecht bezahlte Jobs an vermeintlich schwächere Menschen delegiert, denen ein niedriger sozialer Status zugewiesen werde. Genau in diese Wunde soll laut Thekla Rotermund-Capar der Finger gelegt werden.
Was ist das Ziel der Care-Wochen in Germerode?
In den beiden Wochen sollen die Bedeutung traditioneller Institutionen wie Staat und Familie und deren Beziehung zueinander in ein anderes Licht wie bislang rücken und schlecht entlohnte Tätigkeiten der Fürsorge neue Aufmerksamkeit erlangen. Während der Corona-Krise sei stets die Rede von systemrelevanten Berufen gewesen, so die Gleichstellungsbeauftragte. Es gelte diesen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Die Care-Wochen sind aber auch als eine Art Experiment und Bewegung anzusehen, die auch in weiteren Orten im Kreis stattfinden sollen“, so Rotermund-Capar. Germerodes Ortsvorsteherin Ulrike Zindel ergänzt: „Wir haben im Dorf ein sehr aktives Ehrenamt, das aufgrund der Corona-Pandemie für viele Menschen – auch für Senioren – wegbrach. Wir wollen diese Menschen wissen lassen, dass sich jemand um sie kümmert.“
Wie ist die Aktion in Germerode ersichtlich?
Auf 14 Kreidetafeln an exponierten Versorgungspunkten im Dorf werden den Menschen Fragen wie „Was tut deiner Seele gut?“ oder „Um wen kümmerst du dich?“ gestellt. Außerdem gibt es einen Stand am Dorfladen in Germerode, an dem Beratungseinrichtungen aus dem Kreis Informationen zu täglich wechselnden Themen wie zum Beispiel häusliche Gewalt, Selbsthilfe und Gesundheit bieten.
Was trägt der Landfrauenverein Germerode bei?
Der Verein wird am Mittwoch und kommende Woche Donnerstag am Dorfladen präsent sein. Außerdem unterstützt er den Landfrauenverband Hessen bei der Petition „Neuorienterung im Gesundheitswesen – Zuerst der Mensch“ und sammelt dazu Unterschriften. Kritisiert wird darin, dass im deutschen Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren fast ausschließlich die Wirtschaftlichkeit statt der Gesundheit der Menschen im Vordergrund stand. Unter anderem wird ein neues Finanzierungsmodell für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen gefordert.
Welche Programmpunkte gibt es in den Care-Wochen?
Der Landfrauenverein Germerode stellt sich und die hessenweite Petition am morgigen Mittwoch, 26. August, und am Donnerstag, 3. September, am Dorfladen in Germerode vor. Am Samstag, 29. August, sendet der Rundfunk Meißner von 13 Uhr bis 15 Uhr einen Beitrag zu den Care-Wochen in Germerode. Dabei spricht Thekla Rotermund-Capar mit Bürgern der Gemeinde Germerode. Am Samstag, 5. September, findet ab 16 Uhr im Klostergarten in Germerode ein Gottesdienst mit Pfarrerin Elisa Schneider und mit Liedern von und mit Anke Conrad aus Witzenhausen statt.

Von Maurice Morth

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