Ort nimmt an europäischem Dorferneuerungspreis teil

Europa blickt nach Germerode

Zugpferd. Die Mohnblüte hat Germerode bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Foto:  Lenarduzzi / Archiv

Germerode. Wettbewerbserfahren ist er mittlerweile: Der Meißner-Ortsteil Germerode nimmt im kommenden Jahr an dem europäischen Dorferneuerungspreis teil. Angefragt worden ist das Dorf von keinem Geringeren als dem Land Hessen.

Die Ruhe ist gerade eingekehrt in den Straßen von Germerode, da geht es gleich schon wieder los mit den nächsten Vorbereitungen: Für Ortsvorsteherin Ulrike Zindel flatterte Ende September überraschend ein Schreiben vom hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ins Haus, in dem vom europäischen Dorferneuerungspreis die Rede war. Ob Germerode nicht an dieser 15. Auflage teilnehmen wolle? Die Gedanken begannen zu kreisen – und führten jetzt zu dem Ergebnis, dass man es noch einmal wagen wolle mit einem Kontest, dieses Mal auf europäischer Ebene.

Die Erfahrenheit

Grundsätzlich kennt man sich aus mit Wettbewerben in Germerode. Schon 2002 hat er an dem auf Europaebene teilgenommen. 2015 hat der Meißner-Ortsteil dann den Landesentscheid bei dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen, qualifizierte sich dafür ein Jahr zuvor beim Regionalentscheid. Mit dem Titel des Landessiegers im Gepäck präsentierten sich Einwohner, Vereine und Institutionen dann im vergangenen Jahr auf Bundesebene, und auch da war man überzeugt von Germerodes Zukunftsfähigkeit: Mit der Silbermedaille im Gepäck kehrte man von der Preisverleihung in Berlin zurück nach Hause.

Der europäische Dorferneuerungswettbewerb ist davon jedoch unabhängig und steht im Gegensatz zu „Unser Dorf hat Zukunft“ jedes Mal unter einem neuen Motto und nicht unter den immer gleichen Kriterien.

Die Argumente

„Aufgrund der bisherigen Darstellung in den Wettbewerben entspricht Germerode am besten den Kriterien des Mottos des aktuellen europäischen Aufrufs“, heißt es vonseiten des Landwirtschaftsministeriums, warum Germerode zur Teilnahme angefragt worden ist. Das lautet „Weiter Denken“.

Das wird jetzt auch im Ort getan: „Die Vereine haben sich bereits zusammengesetzt und überlegt, wie sie sich aufstellen können“, sagt Matthias Schulze, Vorsitzender des Vereins Dorfzentrum Germerode. Entwickelt werden sollen nun Visionen, wie sich Germerode in den nächsten zehn Jahren sieht. „Dabei bauen wir natürlich auch auf der Präsentation auf, die wir beim Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft’ gezeigt haben“, sagt Schulze.

Gezeigt wurden darin unter anderem, was sich seit dem Jahr 2000, als das Dorferneuerungsprogramm abgeschlossen wurde, getan hat: die bereits gut laufenden Tourismus-Strategien, der Aufbau der Mohnblüte, die Förderung der Jugend in den Vereinen sowie die Entwicklung der Dorfmitte zu einem Zentrum. Ein Lädchen gibt es bereits seit mehreren Jahren, barrierefreie Wohnungen sollen nun als nächstes entstehen. „Eine Rolle wird jetzt sicherlich auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes vor Ort spielen“, sagt Schulze.

Damit alle Vorschläge gut gebündelt werden können, wurde bereits ein Gremium gebildet, dem unter anderem auch Ortsvorsteherin Ulrike Zindel angehört. „Eng zusammenarbeiten werden wir natürlich auch mit der Gemeinde.“

Der Ablauf

Bis Mitte Februar hat das Gremium Zeit, die entwickelten Ideen und Ausarbeitungen einzureichen. Anhand dieser Unterlagen kommt es dann zu einer ersten Bewertung durch eine Jury, die aus Teilnehmern der europäischen Mitgliedsstaaten besteht. Dieser schließt sich dann eine Bereisung aller Teilnehmerorte im Frühsommer an; nach dieser zweiten Bewertung erfolgt dann die Entscheidung voraussichtlich im Juli des kommenden Jahres. Um Geldpreise geht es dabei nicht, dafür aber um Ruhm und Ehre – „und unser Ort drängt ins Bewusstsein der Menschen“, freut sich Zindel.

Die Unterstützung

Zwar angefragt, aber nicht weiter zuständig ist das Land Hessen. Das möchte Germerode aber dennoch unterstützen: Nach Auskunft des zuständigen Ministeriums wird die Teilnehmergebühr übernommen, zudem werde auch bei der Kommunikation mit anderen Stellen geholfen, sofern das gewünscht ist. Gleiches gelte für eine Unterstützung im Prozess.

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