Gasthaus ist ab sofort täglich geöffnet

Vom Zechenhaus zur Gastwirtschaft: Das Gasthaus Höllental ist das Lebenswerk von Emilia Sennhenn 

+
Das Gasthaus Höllental ist das Lebenswerk von Emilia Sennhenn. Unser Foto zeigt sie auf dem kleinen Balkon neben der Pension. Ihr Sohn hat ihn einst für sie gebaut, als sie viele Jahre lang selbst in der heutigen Ferienwohnung gelebt hat.

Abterode – Wenn Emilia Sennhenn auf das große Haus unweit der Grube Gustav blickt, strahlt sie über das ganze Gesicht. „Das Haus hat mein Schicksal bestimmt“, sagt die 68-Jährige.

Vor elf Jahren hat sie das Gebäude gekauft und es mit viel Herzblut zu dem heutigen Gasthaus Höllental gemacht – nicht ahnend, dass das ihr Leben völlig verändern sollte.

Bei einem Wellness-Urlaub in Bad Sooden-Allendorf hat die gebürtige Rumänin das Haus 2007 zum ersten Mal gesehen – auf einem Foto im Schaufenster eines Maklers. „Ich habe mich sofort verliebt. Das Haus hat mich an meine Kindheit erinnert“, erzählt Sennhenn. Denn ihre Großeltern haben in den rumänischen Karpaten in einem ähnlichen Haus gewohnt. Der Anblick des Hauses habe sie fortan nicht mehr losgelassen. „Ich musste es kaufen – ohne in dem Moment zu wissen, was daraus werden soll“, sagt Sennhenn.

Sobald die Sonne scheint, tummeln sich die Gäste auf der Terrasse. Aufgrund der Nähe zur Grube Gustav hat sich das Gasthaus zu einem beliebten Ausflugslokal entwickelt.

Einst war die heutige Gaststätte das Zechenhaus der Grube Gustav. Dort waren die Verwaltung sowie die Wasch- und Umkleideräume der Bergleute untergebracht, zum Teil haben die Kumpel auch dort übernachtet. Als das Bergwerk 1968 stillgelegt wurde, haben die Eheleute Anneliese und Klaus Becker das Haus gekauft und eine kleine Pension mit Frühstücksmöglichkeiten eingerichtet. Nach dem Tod der Beckers wollten deren Töchter das Gasthaus nicht weiter führen. Stattdessen verpachteten sie die verschiedenen Wohnräume im Gebäude. „Viele Mieter sind über die Jahre ein- und ausgezogen – jeder hat seine Spuren hinterlassen“, sagt Sennhenn.

Bevor sie das Haus gekauft hat, stand es fünf Jahre lang leer. „Im Innenbereich sah es sehr trostlos aus“, beschreibt die Gastwirtin. Gemeinsam mit ihrem Sohn Adrian Strava, der eine Firma für Garten- und Landschaftsbau hat, begann sie, das Haus zu sanieren. Drei Jahre sollte das dauern, bis sie sich entschied, eine Pension einzurichten.

Noch bevor die ersten Gäste dort übernachten konnten, wurde das Geld knapp. Um den weiteren Ausbau finanzieren zu können, eröffnete Sennhenn das Gasthaus als Café. Zunächst gab es nur Kaffee und Kuchen, doch schnell häuften sich die Reservierungen, sodass Sennhenn eine kleine Auswahl warmer Speisen anbot – am Wochenende, denn bis 2017 war die heute 68-Jährige noch berufstätig.

Zechenhaus der Grube Gustav: So sah das Haus aus, bevor es zur Gaststätte wurde. Die Aufnahme ist im Januar 1951 entstanden. Foto: Privat

Ursprünglich war es gar nicht ihr Wunsch, eine Gastwirtschaft zu eröffnen. „Es war das Haus. Es hat alles selbst bestimmt“, sagt Senhenn. 40 Jahre lang hat sie als Erzieherin in Deutschland und Rumänien gearbeitet, 16 Jahre davon als Leiterin eines Kindergartens in Uschlag. Um sich etwas dazuzuverdienen, hat die alleinerziehende Mutter in verschiedenen Gaststätten in Kassel gejobbt.

Auch ihr Privatleben habe das Gasthaus positiv verändert: Ihr heutiger Ehemann Rolf Sennhenn kam viele Jahre lang als Gast in ihr Café. Nun hat das Haus ein weiteres Kapitel in seiner Geschichte aufgeschlagen: Aufgrund der hohen Nachfrage der Gäste übergibt Sennhenn die Küche heute an das Gastronomenpaar Binar. Sie selbst bleibt dem Gasthaus als Leiterin der Pension erhalten. 

Hintergrund: Gasthaus ist ab sofort täglich geöffnet

Ab heute übernimmt das Ehepaar Lilia und Boris Binar die Küche des Gasthauses Höllental. Statt wie bisher nur am Wochenende ist das Restaurant nun bis auf mittwochs täglich ab 14 Uhr geöffnet. Neben warmen Speisen sind auch Kaffee und Kuchen im Angebot. Jeden ersten Sonntag im Monat wird ein Brunch angeboten. Reservierungen sind möglich unter Telefon 0 56 57/91 91 39.

Die Pension mit 22 Betten ist unter der Leitung von Emilia Sennhenn ab heute ebenfalls täglich und durchgehend geöffnet. Zimmer können online über das Portal www.fewo-direkt.de oder telefonisch bei Emilia Sennhenn unter 0151/ 51 19 55 37 reserviert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare