Von Geistern, Göring und Gespielinnen: Geheimnisvolle Geschichten umranken ein Jägerhaus bei Germerode

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Einsam am Waldrand: Das Jagdhaus bei Germerode, das nach wie vor genutzt wird, umgeben zahlreiche Geschichten.

Germerode. Es soll dort spuken und Hermann Göring soll einst zu Besuch gewesen sein: Um ein Jagdhaus bei Germerode ranken sich viele Geschichten. Wir haben mal nachgefragt.

Atemberaubend ist der Blick, der sich einem auf das Jägerhäuschen erschließt, lässt man die letzte Kurve hinter sich; genauso beeindruckend ist die Aussicht aus dem auf Sandstein errichteten Haus heraus, ist man erst einmal drinnen. Und beide Male wird man sofort von der etwas märchen- und auch irgendwie geheimnisvollen Atmosphäre vollständig umhüllt, die das direkt am Waldrand gelegene Haus bei Germerode ausstrahlt.

Das kommt nicht von ungefähr: Erst 1936 von dem Hannoveraner Kurt Krause als Jagddomizil errichtet, ranken sich so viele Geschichten um den einsam stehenden Bau am Ortsrand von Germerode in Richtung Vierbach, dass es mindestens doppelt so lange dort stehen könnte.

Prominenteste Geschichte um das Jagdhaus: Hermann Göring war zu Besuch

Die wohl prominenteste und sich hartnäckig haltende ist die um Hermann Göring: „Der soll auf jeden Fall dort gewesen sein“, erzählt der heute 86-jährige Hans Rohmund und sein Blick wird verschwörerisch; damals war er noch ein kleiner Bub und hat den führenden deutschen nationalsozialistischen Politiker nie selbst gesehen, wie viele andere Germeröder nur von dem Gerücht gehört – das durchaus auf wahren Begebenheiten beruht: Kurt Krause, seinerzeit Architekt, hat neben vielen Industriebauten auch Luftschutzbunker entworfen, hatte so guten Kontakt zu den Ministerien während der Zeit des Nationalsozialismus. „Einige Beamte waren deshalb auch sicherlich mal hier, Göring aber definitiv nicht“, sagt Gerd Krause, Enkel des Häuslebauers.

Bekannt ist das Jagdhaus auch als Spukhaus

Nur das Dach wurde erneuert: Ansonsten ist an dem Haus noch alles erhalten.

Er kann auch von einer anderen Geschichte erzählen, die je nach Vortragendem variiert: Rund um das Haus herum soll es, bedingt durch die Waldnähe, gespukt haben. „Das stimmt auch fast“, sagt Krause, dessen Lippen sich bei der Erinnerung zu einem feinen Lächeln verziehen und dessen Blick in die Ferne schweift. Sein Großvater nämlich, der das Haus deshalb hat bauen lassen, weil er das dortige Jagdrecht erworben hatte, war der Frauenwelt nicht ganz abgeneigt; schon zu Zeiten seiner Ehe, die später geschieden wurde, habe er das ein oder andere Mal eine Frau mit in sein Jagdhaus gebracht. „Und da haben sich die drei Kinder meines Großvaters, also mein Vater, mein Onkel und meine Tante, als Geister verkleidet und wollten den Frauen so Angst einjagen und sie so vertreiben.“

Von den Frauen weiß auch Hans Rohmund zu berichten. „Mein Vater hatte unweit des Grundstückes von Kurt Krause ebenfalls ein Areal und wenn wir von dort zurückkamen, haben wir dort halt gemacht“, erinnert sich der Senior lebhaft an die Ereignisse aus seiner Kindheit. „Und einmal kam dann eine Schauspielerin heraus und hatte eine ganze Tüte voll mit Zuckersteinen dabei, von denen ich einen bekommen habe. Das war damals natürlich etwas ganz Besonderes.“

Geänderte Besitzverhältnisse seit 1955

Wunderschön hergerichtet: die ehemalige Garage mit einstigem Atelier.

Von Kurt Krause 1936 zunächst als reines Jagdhaus gebaut, zog der gebürtige Hannoveraner während des Zweiten Weltkrieges (1939 - 1945) mit seiner Frau und den drei Kindern ganz nach Germerode. 

Nach Ende des Krieges besetzten die Amerikaner das damals teuer eingerichtete Haus , die Krauses zogen in den Ort und verkauften nach einer kurzen Zeit der Rückkehr in das Jagddomizil 1955 alles an die Familie Senger aus Göttingen, die heute noch Besitzer ist und das Haus regelmäßig zur Jagd nutzt. Mit zum Haupthaus gehört auch noch ein etwas unterhalb stehender Bau, der zu Krauses Zeiten als Garage sowie als Atelier für die Architekturzeichnungen genutzt wurde.

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