Blickpunkt Werra-Meißner

In der Werkstatt ist Weihnachten: Lothar Kistner ist passionierter Krippenbauer

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Je länger man die Krippen Lothar Kistners betrachtet, desto mehr Details springen ins Auge – etwa der Ast, der zu einem Zaun „umfunktioniert“ worden ist. Der Boden der Krippe ist eine Kirchenbank.

Krippen gehören zur weihnachtlichen Grundausstattung. Lothar Kistner aus dem Meißner-Ortsteil Germerode ist ein passionierter Krippenbauer; an die 100 Modelle hat er bereits gefertigt.

In seinem Keller ist für Lothar Kistner Weihnachten – das ganze Jahr lang. Dort, wo Holzspäne und duftendes Moos auf dem Boden liegen, wo knorrige Apfelbaum-Äste auf den richtigen Zuschnitt warten, dort, wo der Geruch von Lack in die Nase steigt, ist der Germeröder glücklich. Das Krippenbauen ist seine Leidenschaft, und das seit Jahren.

An die 100 Krippen hat der 72-Jährige in seinem Leben schon gebaut. Liebe zum Tun, reichlich Fantasie, Geschick und Geduld braucht es, um immer wieder Unikate zu fertigen, die so weit weg sind von der Massenware aus Sperrholz wie Weihnachten vom Unfrieden.

Im heimischen Wohnzimmer in Germerode ist selbstverständlich auch eine von Lothar Kistner gefertigte Krippe aufgebaut.

In urig-groben Zügen geschnitzt und filigran ausgearbeitet sind die Krippen Lothar Kistners. In keiner einzigen fehlen dürfen die Figuren: Das Jesuskind in einem schlichten Futtertrog, Maria kniend, Joseph mit träumend-fernem Blick daneben. Die Tiere umrunden die Szene, Esel, Ochse und Schafe, dazwischen Hirte und Hund, die drei Weisen aus dem Morgenland sind postiert am Rand. „Gegossen werden sie aus Keramin“, erläutert der Germeröder. Geübt ist er durch seine jahrelange Erfahrung inzwischen auch in der speziellen Auftragetechnik, durch welche seine Figuren ihren charakteristischen Farbverlauf erhalten.

Am wichtigsten beim Krippenbau aber seien die Materialien, seine Arbeitsgrundlage, sagt Lothar Kistner. Die Augen offen zu halten beim Gang durch die Natur gelte es; überall gebe es Inspirationen. Den gebogenen Ast beispielsweise, der einen idealen Zaun abgeben würde; die extra-großen Eicheln, gesammelt im Kurpark Bad Orbs, die geradezu prädestiniert sind für Schalen.

Holz des Kaffeebaums aus Bolivien

Oder auch Exotisches, wie das Holz des Kaffeebaums aus Bolivien, das Lothar Kistner dank seines freiwilligen Engagements für den Bergwildpark Germerode bekommen konnte. Noch älter als das Weihnachtsfest etwa ist das Material, aus dem seine jüngste Krippe gefertigt worden ist – Mooreiche nämlich, gefunden in der Kiesgrube in Schwebda, geschätzt 15 000 Jahre alt.

Alle Figuren sind selbst gegossen.

Die ganze Familie ist mittlerweile gern involviert in den Krippenbau – „wer etwas findet, der bringt es mir ganz selbstverständlich mit“, sagt der Germeröder mit einem Lächeln. Treibgut aus dem Holland-Urlaub von den Enkeln zum Beispiel, und zum Geburtstag gibt es schon einmal einen außergewöhnlich geformten Stein als Geschenk.

Wie man zum Hobby Krippenbauen kommt? So recht erklären kann es Lothar Kistner nicht. An einer vor 25 Jahren im Südtirolurlaub gekauften Krippe jedenfalls hätten er und seine Ehefrau sich irgendwann „sattgesehen“ – eine neue musste her, am liebsten selbst gefertigt. „Seitdem lässt mich die Leidenschaft nicht mehr los“, schmunzelt der 72-Jährige. Elf Krippen baut er, zunächst für den reinen Hausgebrauch. Seine wichtigsten Werkzeuge werden Stecheisen und Elektrotacker; mehr als 40 Stunden an reiner Bauzeit investiert der Germeröder pro Krippe.

Freunde und Familie aber sind so begeistert von den Modellen, dass Lothar Kistner sein Engagement schließlich ausweitet: Auf diversen Weihnachtsmärkten der Region ist der Ruheständler seit rund sechs Jahren vertreten; gebaut hat er für diesen Zweck rund 70 weitere Krippen – alle verschieden, alle individuell, aber alle mit viel Liebe gefertigt.

Auf Weihnachtsmärkten vertreten

Detailansicht: Das Grundgerüst inklusive Dach dieser Krippe besteht aus Mooreiche.

Den persönlichen Kontakt mit den Menschen schätze er sehr, sagt der Germeröder – in die glücklichen Gesichter der Menschen zu blicken, die er mit seiner Kunst verzaubert hat.

Lothar Kistner ist mit seinen Krippen auf folgenden Weihnachtsmärkten vertreten: Hotel Wisera (Eschwege) und dem Werraland-Weihnachtsmarkt (Eschwege), in Wanfried, Wehretal und Wellingerode.

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