Hegegemeinschaft untersucht sich verändernden Lebensraum: Rotwild im Fokus

Der Lebensraum der Rothirsche unterlag zuletzt einem dramatischen Wandel. Eine große Herausforderung für die Tiere – und den Rotwildring Meißner-Kaufunger Wald. Foto: Willi Rolfes/DJV

In diesen Tagen hat eine  Arbeitsgruppe die vierte Fortschreibung des Gebietslebensraumkonzepts für den Lebensraum des Rotwildes in den Wäldern am Meißner und im Kaufunger Wald vorgelegt.

Die Umsetzungsgruppe – bestehend aus Dr. Jörg Brauneis, Dr. Lutz Eberle, Jakob Latz und Bernd Lehmann – setzt damit die federführend von Jochen Pflüger und Rolf Becker im Jahr 2010 begonnene Arbeit fort.

„Als Rotwildring Meißner-Kaufunger Wald sind wir nach dem Hessischen Jagdgesetz auch die für die Erhaltung und nachhaltige Bejagung des Rotwildes zuständige Hegegemeinschaft“, erklärte der Vorsitzende des Rotwildrings, Ernst-Wilhelm Kalden. „Eine die Lebensinteressen des Wildes, aber auch die Interessen von Land- und Forstwirtschaft berücksichtigende Planung der Bejagung kann aber nur erfolgen, wenn ein fachlich fundiertes Gutachten über den Zustand des Lebensraums der Wildtiere vorliegt. Unser Rotwildring war seinerzeit der erste in Hessen, der ein solches Gebietslebensraumkonzept vorgelegt hat. Diese ist seitdem zu einem Modell für viele andere Rotwildringe in Hessen geworden.“

Der Lebensraum der Rothirsche unterliegt einem ständigen Wandel. Besonders dramatisch waren die Veränderungen im Lebensraum seit der Vorlage der dritten Fortschreibung im Jahr 2017. Orkanartige Stürme, gefolgt von zwei extremen Trockenjahren und einer Massenvermehrung des Borkenkäfers haben zu einem großflächigen Absterben besonders der Fichtenwälder auf mehreren Quadratkilometern geführt.

„Solchen tief greifenden Veränderungen war der Lebensraum unseres Rotwildes wohl in den vergangenen Jahrzehnten nicht unterworfen“, sagte der Sprecher der Umsetzungsgruppe, Dr. Lutz Eberle. „Dies ist eine große Herausforderung, denn es gilt nun, auf den Kahlflächen neue, klimastabile Wälder zu begründen, ohne dabei das Lebensrecht der Rothirsche zu gefährden. Leider zeichnet sich eine Tendenz ab, dass die Wildtiere – Rothirsche, Rehe und Mufflons – zu Sündenböcken in der Krise des Waldbaus gestempelt werden.“Daher habe man es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensraumveränderungen in einem Sonderkapitel zu beschreiben.

„Unser Rotwildring weist eine hessenweite Besonderheit auf: Als einziges Rotwildgebiet liegen wir fast vollständig in einem sogenannten Hotspot der biologischen Vielfalt“, sagt Dr. Lutz Eberle. Diese Hotspots sind dreißig vom Bundesamt für Naturschutz festgelegte Gebiete in ganz Deutschland, die durch eine hohe Artenvielfalt ausgezeichnet sind. Das Werratal mit dem Hohem Meißner und Kaufunger Wald gehören dazu.

„Daher war es uns als Umsetzungsgruppe wichtig, Anregungen zu geben, wie Lebensraumgestaltungen für das Rotwild auch anderen Tier- und Pflanzenarten helfen können. Dies reicht von den Orchideen, über die Libellen bis hin zu Kreuzotter und Haselmaus.“  esp

Herausforderung für Mensch und Tier

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