Lern- und Gedenkort

In der ehemaligen Synagoge Abterode erlebt man jüdische Geschichte interaktiv

Die ehemalige Frauenempore ist heute das Herz des Lern- und Gedenkortes für jüdisches Leben. Dr. Martin Arnold ist Vorsitzender des Trägervereins.
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Die ehemalige Frauenempore ist heute das Herz des Lern- und Gedenkortes für jüdisches Leben. Dr. Martin Arnold ist Vorsitzender des Trägervereins.

Der Verein der „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner“ verspricht in der ehemaligen Synagoge spannenden Einblick in das Judentum .

Abterode - Nicht als klassisches Museum, sondern als moderne, interaktive und zum Teil digitale Lernmöglichkeit. In der Region Werra-Meißner gab es in 14 Dörfern Synagogen, jüdische Friedhöfe und Schulen. Während des Nationalsozialismus wurde das jüdische Leben in der Region ausgelöscht.

Das Obergeschoss des ehemaligen Synagoge diente in der Vergangenheit unter anderem als Düngemittellager. Heute befindet sich dort eine Sitzecke mit Blick auf einen großen Bildschirm. Im Untergeschoss befindet sich seit 2011 das „Lädchen für alles“.

Führungen

Die Führungen finden entweder als Präsentation auf dem großen Bildschirm, auch mit kindgerechten Erklärvideos, statt, oder die Besucher informieren sich über Tablets, die dort zur Verfügung stehen. Die Inhalte auf den Tablets geben Einblicke in viele Bereiche wie jüdische Feste, Bildung, Orte jüdischen Lebens und Antisemitismus. Das Lösen von Rätseln hilft bei den Entdeckungstouren.

Erinnerungskultur

Zum Thema Erinnerungskultur hat der Verein Stimmen von Zeitzeugen gesammelt und präsentiert diese in einem Video. „Digitale Formate sind sicherlich interessanter für Jugendliche als Vitrinen. Wenn man all das, was wir in unserer Datenbank haben, in einem Museum ausstellen würde, wäre das Museum unvorstellbar riesig“, sagt Vereinsvorsitzender Dr. Martin Arnold.

Museum digital

Das technische Highlight dürfte wohl eine VR-Brille sein, mit der man die ehemalige Synagoge auf dem Eschweger Schulberg vor ihrer Zerstörung im Jahr 1938 besichigen kann. Der Innenraum wurde mithilfe historischer Aufnahmen virtuell rekonstruiert.

Museum analog

Aber natürlich gibt es auch „analoge“ Austellungsstücke. Die Esther-Rolle, die 2018 auf dem Dachboden in Abterode wiederentdeckt wurde, stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und enthält die Geschichte der schlauen Esther, die das jüdische Volk vor der Vernichtung durch den persischen König rettete.

Eine weitere Geschichte verbirgt sich auch hinter einem alten Fenster der Synagoge. Dort befindet sich ein Thorawimpel von 1775, der als Wickelband für die Thora bestimmt ist, bestehend aus einer Windel, die als Beschneidungswindel gedient haben könnte, in drei Teile geschnitten und zusammengenäht wurde. Der Wimpel ist kunstvoll bestickt mit dem Geburtsdatum des Trägers, einer Thora und einer Hochzeitsszene. „Die Kinder mögen besonders solche Geschichten, denn dann fängt das Judentum an zu leben“, findet Ludger Arnold.

Antisemitismus

Aber auch das Thema Antisemitismus findet Dr. Martin Arnold sehr wichtig. Das digitale Programm zeigt unter anderem das Kinderbuch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid“ von Elvira Bauer aus dem Jahr 1936. Durch dieses Buch sollte schon kleinen Kindern ein antisemitisches geprägtes Weltbild vermittelt werden.

Im Programm werden sowohl die Folgen des Antisemitismus als auch unkompliziertes Miteinander von Juden und Christen gezeigt. „Die Botschaft dahinter soll sein, dass Juden Menschen sind wie wir alle. Juden und Christen sind eng miteinander verbunden und ihre Kulter enthält Elemente, auf die man stolz sein kann“, so Dr. Arnold.

Führungen

Der Lern- und Gedenkort jüdischen Lebens kann derzeit nur Führungen bis zehn Personen anbieten. Nähere Infos: synagoge-abterode.de

Von Anna Schellhase

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