Der Wald wurde in all seinen Facetten betrachtet

Lesung am Frau-Holle-Teich mit Stefan Becker: Das Schweigen im Walde

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Lockeres Outfit: Schauspieler Stefan Becker am Frau-Holle-Teich auf dem Hohen Meißner. Er wusste sein Publikum zu begeistern.

Für wenige Minuten herrschte am Frau-Holle-Teich Schweigen: Die Zuhörer einer Lesung Stefan Beckers hatten in einer Kunstpause Gelegenheit, dem Flüstern der Bäume zu lauschen.

Der Schauspieler Stefan Becker hatte zuvor mit Textbeispielen auf den Wald und seine Bäume eingestimmt – von der Klassik bis zur Moderne. Der Wald wurde in all seinen Facetten betrachtet. Er war in allen Epochen ein Ort, der die Literaten anzog, von den Brüdern Grimm bis zu Johann Wolfgang von Goethe.

An den Anfang stellte der 61-jährige Mime aus Kassel, der auch Regisseur und Dramaturg ist, ein Volkslied: Der Mond ist aufgegangen, in dem die Zeile „Der Wald steht schwarz und schweiget“ vorkommt. Ein Beispiel, wie der Wald in der Romantik verklärt wurde.

Der Wald war aber auch stets ein mystischer Ort. In ihm spürten die Brüder Grimm ihren Märchen nach. Frau Holle wird dem Meißner zugeschrieben, und auch Rotkäppchen war im nordhessischen Forst unterwegs. Im Wald – da kamen den Dichtern Gedanken. Von Goethe ist bekannt, dass er gerne im Wald spazieren ging.

Stefan Becker nahm Schauspielunterricht in Paris und Kassel. Der freie Schauspieler arbeitet vor allem für das Spielraum-Theater Kassel, das sich als mobiles Theater versteht und Kinder und Jugendliche erreichen will. Noch gelinge dies in der Konkurrenz zu Fernsehen und Internet – die Jüngsten wollen unmittelbar angesprochen werden, ist seine Erfahrung.

„Lassen Sie sich verzaubern“, hatte Sabine Töppel vom Kultursommer Nordhessen das Publikum zu Beginn aufgefordert. Das gelang Becker vor der wundervollen Kulisse des Teiches.

Nicht zum ersten Mal war der Kultursommer auf dem Meißner zu Gast. Kenner waren perfekt gerüstet, mit Rucksack, Decke und Picknickkorb. Und vor allem Klappstühlen.

Werner Keller

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