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Motorradsaison endet mit Gottesdienst auf dem Hohen Meißner

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Riesiger Andrang: Die Biker auf dem Weg auf den Hohen Meißner. 

Die Saison der Motorradfahrer ist traditionell mit einem Gottesdienst auf dem Hohen Meißner zu Ende gegangen. Eine Rekordzahl an Bikern beteiligte sich. 

Als Ingo Hupfeld am Samstagnachmittag auf den Parkplatz blickte und zahlreiche Motorräder in Reih und Glied aufgereiht sah, da hatte der Vizepräsident des Eschweger Motorsportclubs Unicorn allen Grund zur Freude. 1325 Motorradfahrer pilgerten in Scharen vom Eschweger Werdchen auf den Hohen Meißner – so viele wie noch nie zuvor. Aber es war weniger diese Rekordzahl, die Hupfeld imponierte: „Es war dieser ganz spezielle Gottesdienst. Er ist etwas ganz Besonderes, er ist gelebte Tradition.“

Dabei schien bei 25 Grad die Sonne auf den Asphalt, und ein sanfter Rückenwind schob eine Armada aus Zwei-, Drei- und auch Vierrädern auf den Hohen Meißner, wo mit einem Gottesdienst feierlich – und das seit 26 Jahren – das Ende der jährlichen Motorradsaison eingeläutet wird.

Begeistert: Werner Heinz aus Wichmannshausen.

Das Mekka der Motorradfreunde wollte sich Jochen Grüning nicht entgehen lassen. Die Gründe lagen für den Eschweger auf der Hand: „Die Tour auf den Meißner setzt in Verbindung mit dem Gottesdienst ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl frei. Da hat man ein Gefühl von Dankbarkeit, weil es nicht selbstverständlich ist, dabei zu sein.“ Am Hinterreifen von Jochen Grüning klebte Michael Gerloff, der auf seiner 50 Jahre alten Honda CB 750 Four den Meißner hochkurvte. Mit einem Schmunzeln blickte Gerloff (Eschwege) liebevoll auf sein goldenes Zweirad: „Ich habe das Motorrad mit 20 gekauft, und wir haben dann entschieden, miteinander alt zu werden.“

Unterdessen stellte ein paar Schritte weiter Tobias Casselmann aus Großalmerode seine 72 PS starke Kawasaki ab. „Es ist eine schöne Sache, dass wir zum Saisonabschluss noch mal zusammenkommen“, sagte Tobias Casselmann, „und dabei der verstorbenen Fahrer gedenken.“ Im Werra-Meißner-Kreis sind in diesem Kalenderjahr keine Fahrer tödlich verunglückt, 18 Fahrer sind zu Schaden gekommen.

„Jeder ist einer zu viel“, betonte Ralph Beyer unmissverständlich. Der Pfarrer aus Oetmannshausen hielt eine bewegende Predigt. Die Zuhörer hielten inne, als Beyer auf die Risiken des Motorradfahrens einging, um wenig später den Bogen zur Lebensfreude zu spannen.

Die Motorradfahrer lauschten den Worten des Pfarrer-Duos auf dem Hohen Meißner.

„Es geht uns nicht gut, wenn es auf einer Tour mal nicht gut gegangen ist“, sagte Ralph Beyer, für dessen Worte sich die Motorradfreunde mit viel Applaus bedankten. Pfarrer Gernot Hübner sorgte für die musikalische Begleitung. „Die Veranstaltung ist super organisiert, es herrscht eine lockere Stimmung“, freut sich Ottfried Eberhardt aus Waldkappel, der in diesem Jahr sein Motorrad in der Garage ließ: „Mein Vater wollte einmal mit dabei sein.“ Und der 86-jährige Theodor aus Burghofen war hellauf begeistert. Für Melina Rasch (Eschwege) war es der erste Gottesdienst auf dem Meißner. Ihr Freund Julian Schindler (Sontra) nahm Rasch auf seiner neon-gelbgrünen Yamaha MT 670 mit.

Für beide stand nach dem Gottesdienst fest: „Wir teilen alle die gleiche Leidenschaft, und deswegen kommen wir wieder.“

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