Vockeröder Otto Köhler blickt auf 100 bewegte Jahre zurück

Otto Köhler
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Otto Köhler

Auf ein bewegtes Leben blickt Otto Köhler aus Vockerode zurück: In dieser Woche feierte er seinen 100. Geburtstag.

Als jüngster von drei Söhnen wurde er am 22. August 1920 in Vockerode geboren, wuchs dort auf und begann nach der Konfirmation seine Schuhmacherlehre in Niederhone, wobei er die Strecke zur Ausbildung mit dem Fahrrad zurücklegte. Nachdem er in Eltmannshausen arbeitete, begann er aufgrund der geringen Entlohnung als Barackenbauer in Bischhausen, verdiente hier einen Stundenlohn von 28 Pfennig, bevor er mit 18 Jahren zum Arbeitsdienst in die Rhön kam. Im folgenden Jahr wurde er von der Wehrmacht eingezogen und musste zur Infanterie nach Holland sowie auf die Kanalinseln Guernsey, Jersey und Sark. Im April 1941 wurde er mit der Eisenbahn von Frankreich aus zum Einsatz an der Front von Kharkov/Moldau gebracht. Seine Fähigkeiten als Schuhmacher halfen dem heute 100-Jährigen als er an seinem 24. Geburtstag in Rumänien in Gefangenschaft genommen und in ein Arbeitslager am Schwarzen Meer gebracht wurde. Nach einer durch das Essen von Steinsalz selbst verursachten Gelbsucht gelang es Otto Köhler, im November 1945 nach Vockerode zurückzukehren. Er war der einzige der drei Brüder, der den Zweiten Weltkrieg überlebte.

Ab 1947 arbeitete er wieder in seinem Beruf, lernte seine künftige Ehefrau Marie kennen, die ein Jahr nach Kriegsende aus Dittersdorf (Tschechien) nach Vockerode gekommen war und dort bei einer Familie in der Landwirtschaft arbeitete. Nachdem es zwischen den beiden bei einem Tanzabend gefunkt hatte, heiratete das Paar am 11. September 1948. Im November kam Tochter Sieglinde zur Welt und jeweils im Abstand von zwei Jahren machten Gudrun und Rainer die Familie komplett. Sowohl bei einer Bohrfirma, die auf dem Meißner arbeitete, als auch im Bergwerk war er in den folgenden Jahren tätig, legte gemeinsam mit den Bergleuten anderthalb Jahre lang einen zirka einstündigen Marsch zu Fuß zurück, bevor er später mit dem Fahrrad fahren konnte und schließlich ein Bergmannsbus eingesetzt wurde.

Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau an einer Lungenembolie 1979, musste er auch die kleine Landwirtschaft aufgeben. Auf einen Anbau an das Elternhaus 1960, in den die Familie seines Bruders einzog, folgte ein erneuter Umbau 1981, sodass sein Sohn und dessen Ehefrau über ihm wohnen konnten. Als Rentner gab Otto Köhler seine Berufung nicht auf, begann damit, Schuhe für Bekannte im Meißner-Vorland zu reparieren und half bis zu seinem 92. Lebensjahr in der Landwirtschaft mit.

Anstatt mit Fahrrad oder Moped war er später mit dem Trecker unterwegs, besuchte seine Familie, zu der sechs Enkel- und zehn Urenkelkinder gehören. Lange fieberte er bei den Spielen des SV Adler Weidenhausen mit, besuchte auch einige Auswärtsspiele der Mannschaften in Nordhessen, was er jedoch mit 90 Jahren aufgeben musste. Heute lebt der Jubilar im Seniorenheim in Eschwege und eines darf für ihn bei keinem Essen fehlen: die Ahle Wurscht.

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