Montagsinterview

Lenarduzzi: „Die Region wird durch einen Naturpark attraktiver und aufgewertet“

Geo-Naturpark Frau-Holle-LandDie Mohnfee übergibt den Zauberstab an Frau HolleFrau Holle und Mohnfee an Frau Holles Blumenwiese in GermerodeFoto Marco Lenarduzzi
+
Mohnfee und Frau Holle bei Germerode.

Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land hat Vorbildcharakter in unserer Region. Seit 1962 hat sich einiges entwickelt. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Naturpark?

Ein Gespräch mit Geschäftsführer Marco Lenarduzzi über Vorteile, Nachteile und wie sich der Wald seit Ernennung zum Naturpark 1962 verändert hat. 

Herr Lenarduzzi, was genau ist ein Naturpark? Also: Was steckt ganz praktisch hinter dem Begriff?

Ein Naturpark ist ein Großschutzgebiet. Naturschutz und Landschaftspflege, Umweltbildung, Naherholung – also Tourismus – und nachhaltige Regionalentwicklung sind dabei die vier Bereiche, um die es geht. Es bedeutet aber nicht, was oft befürchtet wird, dass es zu Einschränkungen kommt und man zum Beispiel keine Baugebiete mehr ausweisen kann.

Marco Lenarduzzi, Geschäftsführer Geo-Naturpark Frau-Holle-Land

Was sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Wald zum Naturpark erklärt werden kann?

Dafür gibt es klare Regeln, es kann und soll ja nicht an jeder Ecke ein Naturpark entstehen. Der Wald muss zu vierzig Prozent aus Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebieten bestehen. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann man einen Naturpark gründen. Es geht um Nachhaltigkeit und um naturverträglichen Tourismus.

Welche Vorteile bringt der Naturpark-Status für die jeweilige Region mit sich?

Naturparke sind hauptsächlich für die Regionalentwicklung wichtig. Es geht in erster Linie um einen naturverträglichen Tourismus. Und ein Naturpark kann zum Aushängeschild für eine Region werden. Man kann mit der besonderen Natur werben. Die Natur wird also zum Werbeträger und genau das ist derzeit ein Mega-Trend. Die Menschen entfernen sich immer weiter von der Natur und haben gleichzeitig den Bedarf, sie zu erleben. Sie steuern die Wälder direkt an.

Wie hat sich der Wald seit der Ernennung zum Naturpark 1962 verändert?

Er hat sich langsam, aber stetig entwickelt. Bei uns gibt es jetzt 24 neue Premiumwanderwege, die die Touristen dazu einladen, sie zu nutzen. Und tatsächlich begeben sich 100 Prozent unserer Besucher auch auf diese Pfade. Wir schaffen Erlebnisse für die Wanderer und lenken zudem durch unsere Beschilderungen und Wege die Besucherströme. So entsteht ein ausgewogenes Maß und wir behalten alles im Blick: Natur, Tourismus, Naturschutz. Nicht zuletzt die Umweltbildung – 5000 Kinder aus den Schulen des Werra-Meißner-Kreises kommen zu uns.

Und was haben die Menschen, die in der Region wohnen, von einem Naturpark vor ihrer Haustür?

Sie erhalten einen Mehrwert, weil ihre Region attraktiver und aufgewertet wird. Menschen sind Teil der Natur.

Gibt es Einschränkungen für Wanderer und Co.?

Es gibt keine Einschränkungen, denn es gibt keine Verordnung, die besagt, was man darf und was nicht. Es soll sich ein sanfter Tourismus entwickeln, dafür wollen wir die Wanderer in den Wald holen. Die Natur ist ein Reiseziel, es geht darum, sie zu nutzen und zu erhalten.

Gibt es durch den Naturpark-Status spezielle Schutzzonen für Tiere und Pflanzen?

Auch das nicht, allerdings muss man sich in einem Naturpark an die bestehenden Regelungen für Vogelschutzgebiete, FFH-Schutzgebiete und Naturschutzgebiete halten. Aber: Ein Naturpark ist kein besonderes Naturschutzgebiet, deswegen werden über die bestehenden Schutzzonen keine weiteren Gebiete eingerichtet.

Wofür wird Fördergeld eingesetzt?

Wir haben viele spezielle Projekte. Es gibt zum Beispiel Barfußwege, es wurden neue Fahrrad- und Wanderwege bei uns angelegt. Auch bei der Umweltbildung wird viel getan. Wir bieten für Erwachsene und Kinder geführte Wanderungen an. Unser Ziel ist, die Besucher für die Region feinfühlig zu machen. Aushängeschilder sind die Kirschblüte und die Mohnblütenfelder, die zahlreiche Touristen zu uns bringen – aber auch sie werden gelenkt.

Sehen Sie nach all der Zeit auch Nachteile, die ein Naturpark mit sich bringt?

Nachteile gibt es keine. Es muss aber ein ganzheitliches Konzept bestehen, damit man aus der Marke Naturpark das Beste herausholen kann. Deshalb sind auch eine kommunenübergreifende Zusammenarbeit sowie die Kooperation der Akteure vor Ort wichtig. Obwohl, einen Nachteil gibt es: viel Bürokratie und die macht viel Arbeit.

Das bietet der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land

Zur Person

Marco Lenarduzzi (53), Italiener und in Schwaben aufgewachsen, wohnt seit 1999 in Germerode. Lenarduzzi war Waldarbeiter, absolvierte ein Forstwirtschaftsstudium und kam in den Werra-Meißner-Kreis. Der Forstamtsrat leitet den Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und auch die Werratal-Tourismus-Marketinggesellschaft, die Teil des Naturparks geworden ist. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare