Störung des Winterschlafs kann für Fledermäuse tödlich enden

Mausohrwochenstube

Hoher Meißner. Der für die Fledermäuse so wichtige Winterschlaf wird am Hohen Meißner derzeit  vermehrt von Unbekannten gestört. Für die Tiere kann das tödlich enden.

Hoher Meißner. Einst war der Hohe Meißner von den Bergmännern bevölkert, heute haben sich andere die Stollen zu ihrem Zuhause gemacht: die Fledermäuse. „Glücklicherweise haben die den Grubenbau angenommen“, freut sich der 90-jährige Frankershäuser Bergmann Harry Träger. Denn so hätten die Stollen, die einst in den Hohen Meißner getrieben wurden, um Braunkohle abzubauen, eine zweite Nutzung gefunden.

Der Osthang in der Abenddämmerung: Der Laudenbacher Gerhard Hilwig arbeitet derzeit in den letzten Zügen an einer Ansicht des Hohen Meißners mit den Stolleneingängen, die sich die Fledermäuse als ihre Winterquartiere zu eigen gemacht haben. 

Für die Fledermäuse – gut 120 gibt es am Hohen Meißner – sind sie wegen der Dunkelheit und Kälte als Winterschlaf-Quartier ideal. Und auch die vorhandene Luftfeuchtigkeit schützt die Säugetiere vor dem Austrocknen während des Winterschlafs, erzählt Gerhard Hilwig, bekennender Naturfreund aus Großalmerode-Laudenbach. Um die Besucher des Hohen Meißners auf das Vorkommen der Tiere hinzuweisen, malt er diese gerade auf Anregung von Harry Träger mit Acrylfarbe auf eine gut 1,20 Meter mal 80 Zentimeter große Siebdruckplatte, die im Frühjahr nach Möglichkeit einen geeigneten Platz auf dem Bergmassiv finden soll. „Ein kleiner Ausschnitt wird auch das Stolleninnere mit der Überwinterungssituation zeigen“, erklärt der Hobbykünstler.

Schutzgitter aufgebrochen

Der für die Fledermäuse so wichtige Winterschlaf wird derzeit aber vermehrt von Unbekannten gestört, was für die Tiere tödlich enden kann: „Immer wieder werden die Gitter, die zum Schutz der Säugetiere angebracht worden sind, aufgebrochen“, erzählt Stefan Zaenker vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen, der zugleich für die Arbeitsgemeinschaft für den Fledermausschutz Fulda tätig ist. Erst im Frühjahr des vergangenen Jahres hätten Ehrenamtliche die Gitter an den gut 15 Stollen erneuert – nur um vor wenigen Wochen festzustellen, dass schon wieder welche durchgesägt worden seien.

„Wir verstehen das nicht, weil es dort nass, kalt und sehr sauerstoffarm ist und es auch nichts zu klauen gibt“, ist Zaenker ratlos. Denn in jedem der Stollen, in denen die Fledermäuse vereinzelt oder in Kleingruppen hängen, befinden sich nach wenigen 100 Metern Brandschutzmauern, die ein Eindringen von Sauerstoff in das Innere des Bergmassivs verhindern sollen, damit der dortige Schwelbrand nicht weiter entfacht wird.

Für die Säugetiere aber sei dieses Endringen in ihr Winterquartier, das eigentlich nur mit einer Ausnahmeregelung einmal im Winter zur Zählung betreten werden darf, lebensgefährlich: „Sie reagieren auf Licht und Wärme und wachen dann auf. Das dauert aber eine dreiviertel Stunde“, erklärt Zaenker.

Verbraucht werde dafür Energie, die eigentlich gebraucht werde, um den Winter zu überstehen und den Körper nicht auskühlen zu lassen. „Werden sie aber mehrmals geweckt, sterben sie.“ Das stelle bei dem ohnehin dezimierten Bestand durch den Rückgang der Futterquellen, den Insekten, ein Problem dar. Zaenker appelliert deshalb an das Verantwortungsbewusstsein aller, nicht in die Stollen einzubrechen.

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