Vom Teufel versucht zu zerstören: Die Marienkirche in Wolfterode

Inmitten bunter Bäume steht die Dorfkirche in Wolfterode. Der Bau des Gotteshauses hat wahrscheinlich um das Jahr 1330 begonnen.

Als der Teufel sah, dass in Wolfterode eine Kirche gebaut wird, wurde er zornig und schleuderte ein gewaltiges Felsstück vom Meißner hinab, um das Werk zu zerstören, das behauptet die Sage.

Der Stein flog weit über das Ziel hinaus und fiel auf eine Wiese, wo sich alsbald der Mühlenteich bildete. Auch ein zweiter Stein verfehlte die Kirche und landete wie ein Frosch auf einer Wiese nahe der Mühle, weshalb er den Namen Mühlstein bekam. Weil der Stein höhlenartig den Daumenabdruck des Teufels heute noch erkennen lässt, wird er auch „Teufelsstein“ genannt. 

Das Innere der Marienkirche in Wolfterode verschafft dem Gotteshaus die Besonderheit: Der dreiseitig geschlossene Chor, 1515 geweiht, überrascht mit Maßwerkfenstern, einem Sternengewölbe und figürlichen Schlusssteinen, die Szenen der Johannesapokalypse thematisieren.

Die erste urkundliche Erwähnung der evangelischen Pfarrkirche von Wolfterode datiert in das Jahr 1334, der Bau der Kirche hat wahrscheinlich um das Jahr 1330 begonnen. Aus dieser Zeit stammt das Kirchenschiff, dessen Mauerwerk aus Feldsteinen besteht. Geweiht wurde die Kirche dem Schutzheiligen Apostel Paulus, den man auf einem der Schlusssteine in Gold verfasst, versehen mit einem Schwert in der rechten und einem Buch in der linken Hand, bewundern kann. Der große Schlussstein in der Mitte zeigt Maria mit dem Jesuskind, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. Doch die Kirche fällt durch weitere besondere Malereien mit geschichtlichen Hintergründen auf.

Die zwei Konsolensteine im Chor sollen Abbildungen der Landgräfin Anna von Hessen und ihres Sohnes Philipp sein. Die Landgrafen waren einst die Grundherren der ehemaligen Grafschaft Bilstein, zu der auch Wolfterode gehörte. Die Skulptur in der Mitte des Chorbogens ist wahrscheinlich eine Darstellung des Baumeisters. „Ich habe selten eine Kirche gesehen, die so schön gestaltet wurde mit Steinen und Kunstwerken“, sagt Pfarrerin Iris Hocke. Doch die Wandmalereien im Chorraum waren nicht immer zu sehen. 1962 wurden sie bei der Restaurierung entdeckt unter dem Putz und danach wieder freigelegt.

Eine weitere grundlegende Renovierung der Kirche folgte 1987 und 1988. Dabei wurden der Fußboden, die Bänke, Wände und Fenster erneuert, und der Chorraum und die Orgel wurden restauriert. Ebenso bemerkenswert in der Kirche sind der gothische Taufstein aus dem Jahre 1510, die Kanzel mit vier Kanzelfüßen, der Altar aus Sandstein, Kreuz und Kerzenhalter aus Bronze und die 1825 gebaute Orgel.

Auf dieser Orgel spielt der 82-jährige Gustav Hildebrand seit 55 Jahren. Jeden zweiten Sonntag findet ein Gottesdienst in der Marienkirche statt. Darauf bereitet sich der leidenschaftliche Musiker sehr gut vor. „Gustav übt jeden Tag auf der Orgel“, erzählt Heidrun Schindewolf. Auch sei die Kirche recht gut gefüllt mit durchschnittlich 20 Leuten, die an einem herkömmlichen Sonntag diese Kirche besuchen.

„Für ein kleines Dorf mit 160 Einwohnern wie Wolfterode, kommen wirklich viele in die Kirche“, erklärt Silke Becker. Heilig Abend würden die 100 Sitzplätze in der Kirche besetzt sein. Dann führen Erwachsene und Jugendliche aus Wolfterode ein Krippenspiel auf. Traditionell wird nach dem Festgottesdienst ein Glühwein unterhalb der Kirche getrunken. Dort befindet sich der ummauerte Anger mit einem erhaltenen Steintisch von der früheren Gerichtsstätte.

Von Carolin Eberth

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