Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag liegen die Raunächte

Die Wäsche liegenlassen: Woher der Aberglaube aus der Zeit zwischen den Jahren stammt

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Zwischen den Jahren soll man keine Wäsche waschen und aufhängen, heißt ein Aberglaube.

Die Zeit zwischen den Jahren ist mystisch gesehen eine ganz besondere. Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag liegen die Raunächte.

In dieser Zeit geht es zur Sache – und das hat mit Wotan zu tun. Der Hauptgott in der nordischen Mythologie soll zwischen den Jahren besonders wüten.

So haben sich die Menschen früher zumindest erklärt, warum es zum Jahreswechsel oftmals besonders stürmisch ist. Wotan soll es sein, der diesem Wäsche-Mythos bis heute Nahrung gibt. Wotan – der nordische Gott, der mit seinem achtbeinigen Hengst Sleipnir in der Zeit zwischen Weihnachten und dem sechsten Januar unterwegs ist. In jenen Raunächte, in denen die Gesetze der Natur früher als aufgehoben galten. Und wehe, wenn sich Wotan draußen in den Wäscheleinen verheddert: Dann droht Verderben.

Keine Wäsche waschen 

Der im vergangenen Jahr verstorbene Karlheinz Giesen hat sich seit seiner Kindheit mit Heimatkunde und Mythologie befasst. Die Raunächte – zu denen er viele Vorträge in der Region hielt – haben es ihm dabei besonders angetan. Denn neben Wotan spielt auch die Frau Holle, die ja der Sage nach auf dem Hohen Meißner beheimatet ist, hier eine besondere Rolle. Wotan sei in diesen Tagen auf der Suche nach Frau Holle, habe man sich früher erzählt. Bis sich beide finden, gehe es stürmisch und rau zur Sache. In der Zeit nach Weihnachten solle man sich deshalb besser zurückziehen und nichts tun – erst recht keine Wäsche waschen.

Dass Weihnachten in den Dezember fällt, hielt Giesen in einem seiner Aufsätze übrigens für einen frühzeitlichen Marketing-Trick. Denn wann Jesus genau geboren wurde, sei nicht bewiesen. „Im Winter, wenn die Nächte besonders lang waren und es nur wenig zu tun gab, hatte man aber Zeit sich zu besinnen und Weihnachten zu feiern.“

Der Aberglaube hält sich seit Jahrhunderten

Vielleicht ist die Nachricht hinter dem Wäsche-Mythos auch viel profaner. Bis zum Weihnachtsfest sollten einfach alle Arbeiten erledigt sein. Um mehr Druck auf die Frauen des Altertums auszuüben, wurde die Geschichte mit Wotan aufgetischt – sicherlich von einem Mann. Der Aberglaube hält sich aber seit Jahrhunderten. „Trotz aller Aufgeklärtheit: Man hält sich gerne an Bräuchen fest“, schrieb Giesen.

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