Wasser rauscht bis nach Eschwege

Meißner-Verbandswasserwerk: Errungenschaft, die Jahrhundert überdauert

Die Quellen am Fuße des Hohen Meißners – hier ein Foto von der Ostseite her aufgenommen, Standort ist das Naturschutzgebiet Hie- und Kripplöcher – zeichnen sich durch ihr weiches Wasser aus.
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Die Quellen am Fuße des Hohen Meißners – hier ein Foto von der Ostseite her aufgenommen, Standort ist das Naturschutzgebiet Hie- und Kripplöcher – zeichnen sich durch ihr weiches Wasser aus.

In Meißner profitieren bis zum heutigen Tag  die Menschen des Kreises von der Errichtung eines gemeinsamen Wasserwerks.

Weitsicht: Nichts weniger als das haben die Akteure der Gemeinden rund um den Hohen Meißner zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts bewiesen. 

Intensiv mit der Geschichte des heutigen Meißner-Verbandswasserwerks auseinandergesetzt hat sich Ulrich Meiner aus Eschwege. 

„Kontakte in jede Ecke des Kreises“ habe er dank seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für die Wasserbehörde geknüpft; detailliert hat er sein Wissen niedergeschrieben und bewahrt. Für uns blickt Ulrich Meiner zurück in die Historie.

Die Anfänge

Um die anhaltende Wassernot zu beenden, fassten einige Meißner-Gemeinden unter der Führung von Abterode und Alberode vor rund 120 Jahren den Plan, ein gemeinsames Wasserwerk zu errichten. Es war der königliche Landrat Kammerherr Alexander von Keudell, der dieses Vorhaben aufgriff und förderte. 

Er stieß die Gründung eines Zweckverbands an und beauftragte den Kasseler Civilingenieur Leithäuser mit der Planung, Abterode, Alberode, Germerode, Weidenhausen und Niederhone mit Wasser zu versorgen. 

Im Laufe der Jahre wuchs das Einzugsgebiet um Oberhone, Vockerode, Wolfterode, Wellingerode, Vierbach, Niddawitzhausen, Eltmannshausen, Reichensachsen, Rodebach und die Stadt Eschwege.

Die Dampferzeugung

Die seinerzeit selbstständige Gemeinde Niederhone wurde früh mit einbezogen, weil im damals wichtigen Bahnhof Eschwege-West Kesselspeisewasser für Dampflokomotiven benötigt wurde – immerhin bis zu 600 Kubikmeter pro Tag. 

Später waren mehr als 900 Kubikmeter erforderlich, nicht zuletzt wegen der Militärtransporte im Ersten Weltkrieg. Die Reichsbahn profitierte von dem extrem weichen Meißnerwasser, ideal zur Dampferzeugung. Und für einen noch zu gründenden Verband stand eine üppig sprudelnde Einnahmequelle in Aussicht.

Die Quellen

Zur Wasserversorgung war der Ausbau zahlreicher Quellen vorgesehen, meist am Fuß des Meißners gelegen, zum Beispiel oberhalb von Vockerode und Alberode, die Germeröder Wiesenquellen, die Seesteinquellen und die Mühlbornquelle, um nur einige stellvertretend zu nennen. Auch alte Bergwerkstollen wurden herangezogen.

Die Gründung

Die Gründung des Zweckverbands Meißner-Verbandswasserwerk schließlich erfolgte im Jahr 1912. Neben der Wassererschließung war die Herstellung von Verbindungswasserleitungen bis zu den Hochbehältern der einzelnen Gemeinden eine weitere Aufgabe, um eine stabile Versorgung im Meißnervorland zu gewährleisten.

Meißnerwasser

Für die Stadt Eschwege ist der Bezug von Meißnerwasser, in mehreren Schritten gesteigert, ein Segen: Weiches Wasser ist in der Kreisstadt sehr willkommen, weil dadurch der Bezug stark mineralisierten Wassers aus der Werra-Aue reduziert werden kann. Wegen der anhaltenden Trockenheit aber war es in der jüngsten Vergangenheit nicht möglich, Meißnerwasser nach Eschwege zu leiten. Die Quellen müssen sich erst erholen.

Erst einmalig, im Herbst 1929, wurde angeordnet, Wasser wegen der extremen Trockenheit nur zu bestimmten Tageszeiten zu entnehmen.

Braunkohleabbau

In den 1980er-Jahren war geplant, den Braunkohleabbau auf dem Meißner-Plateau wieder aufzunehmen. „Man mag sich nicht vorstellen, welch schlimmer Zustand gedroht hätte, wenn der Meißner als bedeutender Wasserlieferant weiter zerstört worden wäre“, bewertet Ulrich Meiner das Vorhaben. 

Es folgte ein langer, zäher Kampf der Abbau-Gegner unter Federführung des Werra-Meißner-Kreises mit Landrat Eitel O. Höhne gegen die mächtige Preag, vereint mit dem Bergamt Kassel. Am Ende gab die Preag ihr Vorhaben auf.

Die Zukunft

„Alle Weitsichtigkeit zur Gründungszeit des Verbands kann Schaden nehmen, wenn sich das Wasseraufkommen durch lange Trockenheit wie zuletzt immer weniger zufriedenstellend entwickelt und der Mensch weiter negativ auf das Klimageschehen einwirkt“, mahnt Ulrich Meiner. Und die Folgen einer solchen Veränderung würde nicht nur das Meißnervorland zu spüren bekommen.

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