Milder Winter bereitet auch Sorgen

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Vertrautes Bild: Eisesser wie Amelie (5) und ihre Oma Gabi Nitschke trifft man zurzeit häufig in der Innenstadt an.

Hoher Meißner. Kein Schnee, dafür Temperaturen im zweistelligen Bereich. Der Winter in der Region verdient in diesem Jahr seinen Namen nicht. Geschäftsleute blasen Trübsal, Naturschützer sehen kein Problem.

Nicht nur die Stimmung passt sich dem grauen Wetter an, auch , die von Schnee und Kälte abhängig sind, .

Auf dem Hohen Meißner bleiben in diesen Wochen die Besucher aus. Außer an zwei Tagen Anfang Dezember hat es auch auf rund 750 Meter Höhe in diesem Winter nicht geschneit. „Langlauf war bisher noch nicht möglich“, sagt Marco Lenarduzzi, Geschäftsführer des Naturparks Meißner-Kaufunger Wald. Dabei hat der Naturpark im Herbst noch kräftig investiert. Neben dem Vorbereiten der bisherigen Langlauf-Anlage wurde zusätzlich eine Skating-Strecke angelegt. Die sei anspruchsvoller und von vielen Sportlern gewünscht, sagt Lenarduzzi. Dafür habe man zwar Geld in die Hand genommen, „unser Konzept an der Loipe ist aber nicht so aufgestellt, dass wir große Einnahmen voraussetzen“. Jeder Langläufer zahlt am Start einen Euro für die Benutzung der Loipe, die in normalen Wintern mehrere zehntausend Sportler auf den Meißner lockt.

Gastronomie leidet

Mehr zu leiden hat die Gastronomie auf dem Meißner. „Gerade Ferien ohne Schnee ist problematisch“, sagt Rolf Fahrenbach vom Naturfreundehaus (Meißnerhaus). Wenn sich sonst viele Kinder auf Schlitten, Skiern und Snowboards an dem kleinen Lift tummelten, herrsche in diesem Jahr gähnende Leere. Außer einigen Hausgästen sei im Moment nichts los, sagt Fahrenbach, der mit finanziellen Einbußen in diesem Jahr rechnet. Denn selbst, wenn der Schnee noch kommt: „Im März hat hier keiner mehr Interesse am Skifahren“, sagt Fahrenbach aus Erfahrung. Auch im Berggasthof von Hans-Peter Gröling ist in diesen Tagen nicht viel los. Einige Wanderer, die auf den matschigen Winterwanderwegen unterwegs sind, kehren ein. „Die Wanderer können das Geschäft im Schnee nicht auffangen“, sagt ein Mitarbeiter.

Naturschützer halten den milden Winter nicht für dramatisch. Das habe es immer schon gegeben, die Natur könne sich darauf einstellen, sagt beispielsweise Ornithologe Wolfram Brauneis. Er hat gestern beobachtet, dass der Hasel bereits blühte. „8. Januar, das ist so früh wie noch nie seit 1978“, sagt Brauneis, der ebenso lange pflanzenphänologischer Beobachter des Wetteramts in Offenbach ist. Naturparkführer Bernd Hiddemann hat vereinzelt Knospen entdeckt. „Sollte noch ein Wintereinbruch kommen, können die Pflanzen das verkraften“, sagt Hiddemann. Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus Eschwege, befürchtet, dass durch den milden Winter die Schwarzwild-Population steigen werde. Viele Frischlinge überleben einen harten Winter nicht. Steigt die Population, könnten die Tiere im Sommer mehr Schäden anrichten.

Von Tobias Stück

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