Robert Griess liefert im Frankershäuser ÖX Comedy mit Verstand

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Mit Comedy hat Griess seine Berufung gefunden: Als Mullah, Regisseur oder Hartz-IV-Empfänger verkleidet bringt er das Publikum ins Schwitzen.

Robert Griess versucht bei seinem Auftritt im Frankershäuser Öx den Spagat zwischen Kabarett und Comedy. Dabei hat er Stärken und Schwächen gleichermaßen.

Lebensfroh, ungezwungen, mit einem Lächeln auf dem Gesicht und sympathischer Stimme: Robert Griess erschafft mit einem schauspielerisch-wortwitzigen Jahresrückblick zwischen exzentrischem Kabarett und scharfsinniger Comedy sein eigenes Genre.

„Comedy ist es, wenn die Großen über die Kleinen lachen. Aber Kabarett ist es, wenn die Kleinen über die Großen lachen“, stellt Griess direkt seine Definitionen klar. „Ich befinde mich daher in einem Gewissenskonflikt: Darf man als Kabarettist noch über die SPD lachen?“ Mit politischen Pointen schießt er zu Beginn seines Auftritts gegen das politische Tagesgeschehen im vergangenen Jahr, um dem Element des klassischen Jahresrückblicks gerecht zu werden.

„Friedrich Merz schwimmt immer als weißer Hai los und kommt als Seepferdchen an“, fasst er den Parteitag der CDU zusammen. Mit Populismus, Meinungsfreiheit, den USA, Umweltschutz und Co. grast er alle Klassiker ab; mit Merkel, Merz, Habeck, Nahles und Lindner bekommt jede Partei ihr Fett weg. „Wussten Sie, welche Fraktion im Bundestag am meisten fliegt? Die Grünen! Aber ein Wegweiser geht ja auch nicht den Weg, den er weist.“

Mit Sympathie und Wortwitz bietet Griess jede Menge Potenzial für kurzweilige Lachfalten. Inhaltlich bleibt er für einen reinen Kabarettisten jedoch zu oberflächlich; stellenweise kommt er einer populistischen Stammtisch-Atmosphäre gefährlich nahe. Die Regierung mache nichts, es ändere sich nichts. Verglichen mit seinem Talent, Kleinigkeiten bühnengerecht zu kauen, vermittelt er dem Zuhörer schnell den Eindruck, Deutschland gehe es zu gut – vielleicht mit Absicht. Schließlich lautet sein Fazit: „Wir regen uns wegen so vielem auf. In Zukunft genügt es, sich neue Blumenkübel zu kaufen, um mit dem Nachbarn in Streit zu geraten!“

Im Verlauf des Programms beweist der Kölner zunehmend, was ihm besser liegt: Comedy, die im Unterschied zur Fernsehkost einen gewissen Verstand, gepaart mit Niveau nicht entbehrt. „Ich wollte schon immer mal die Plätze mit einem Theaterregisseur tauschen, auch wenn ich euch das nicht wünsche“, leitet er das Highlight des Abends ein. Die Finanzkrise, Flüchtlingsboote und die Grenzöffnung finden in seinem talentierten Drama Platz. Als Kölner Hartz-4-Empfänger erzählt er Geschichten aus der Waldorfschule, vom Wahlkampf und dem Leben: „Das Grundgesetz sagt ja ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘. Merkste was: ‚Würde‘ – Konjunktiv!“. Jeder Satz bringt das Publikum mehr ins Schwitzen. Mit scharfsinniger Comedy hat Griess seine Berufung gefunden. Von Lorenz Schöggl

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