Start der diesjährigen Führungen durch die Kripp- und Hielöcher

Heute. Auch jetzt noch, Jahrzehnte nach dem Unglück, fasziniert das Kuhloch, dass sich noch viel weiter nach links erstreckt, als auf dem Bild zu sehen ist. Besichtigt wird das Loch aus sicherer Entfernung. Fotos:  privat

Frankershausen. Am kommenden Freitag gibt es die erste Führung in diesem Jahr durch die Kripp- und Hielöcher bei Frankershausen. Die wohl bekannteste Stelle: das Kuhloch. Naturparkführer Fritz Schindewolf erklärt, wie das Loch zu seinem Namen kam.

Beeindruckend. Die Karstlandschaft des Naturschutzgebietes Kripp- und Hielöcher.

Es war eine Geschichte, die sich wie ein Lauffeuer im Ort verbreitet hat: als sich am 1. Juli 1958 plötzlich die Erde auftat und die beiden einzigen Kühe des Frankershäuser Landwirts Heinrich Schill zwei Meter tief fielen. Jahrelang ist er auf den Feldern, die heute zum Naturpark Meißner-Kaufunger Wald gehören und als Kripp- und Hielöcher bekannt sind, unterwegs gewesen und hat diese bewirtschaftet - bis zu jenem schicksalhaften Tag. „Erst ist nur eine Kuh in das sich plötzlich auftuende Loch gefallen, mit der anderen wollte er sie noch retten“, erzählt Fritz Schindewolf, der einer der Naturparkführer ist und zum Zeitpunkt des Unglücks 16 Jahre alt war. Er wird es auch sein, der am Karfreitag, 25. März, die erste der Führungen durch das sagenumwobene Gelände führt - und damit auch auf die vielen weiteren Angebote des Naturparks aufmerksam macht, die in diesem Jahr noch folgen werden.

Auf das Schicksal der beiden Kühe, die letztendlich beide von dem Loch verschluckt wurden und starben, folgte eine wahre Flut an Schaulustigen: Rund um das Loch versammelten sich immer wieder nicht nur Frankershäuser, sondern Menschen aus dem ganzen Kreis, um zu sehen, was es mit der Geschichte auf sich hat. Die wurde nämlich nicht von allen geglaubt: So stiegen die Brüder Ackermann 1960 mit einer Strickleiter in das Loch hinab, um sich auf die Suche nach Beweisen zu machen - und diese mit nach oben brachten.

Heute ist das Gelände rund um die Kripp- und Hielöcher, die aufgrund des Vorfalls auch Kuhloch heißen, für den freien Besucherverkehr gesperrt und nur mit Naturparkführern zugänglich. Das liegt daran, dass „nicht auszuschließen ist, dass es nach wie vor zu Absackungen kommen kann“, erklärt Schindewolf. Er und seine Kollegen wissen aber um die Pfade, auf denen es sicher ist.

Dass sich das Loch überhaupt aufgetan hat, liegt an den geologischen Gegebenheiten des Gebietes: Einst bestand der Boden aus Bittererde und Kalk. Erstere wurde durch Wasser aus dem Gestein gespült, sodass nur noch das Kalkgerippe übrig blieb Das konnte im Falle des Kuhlochs dem Druck der darüberliegenden Erdschichten irgendwann nicht mehr standhalten und brach ein - was heute auch noch passieren kann.

Neben dem Kuhloch hat das Naturschutzgebiet Kripp- und Hielöcher noch mehr zu bieten. So wachsen in der Karstlandschaft, die vor 280 bis 240 Millionen Jahren entstanden ist, elf verschiedene Arten der wilden Orchidee, zudem gibt es viele weitere Pflanzen wie Wacholder und Wildkräuter, zudem können seltene Schmetterlingsarten bestaunt werden - und Schafe, die dreimal im Jahr über das Naturschutzgebiet geführt werden. Die sorgen dafür, dass die Pflanzen- und Tierwelt so vielfältig ist. Denn durch das Abgrasen wächst keine Pflanze flächendeckend auf dem Boden, auch lichtbedürftige Pflanzen haben so eine Chance. Zudem tragen die Schafe durch ihre Wanderung durch das Naturschutzgebietes die Samen weiter, die sich dann woanders ebenfalls ansiedeln können.

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