Aufforstung

Sturm und Dürre haben den Wald geschwächt - doch trotz Katastrophe gibt es Hoffnung

Jede Menge freie Fläche: Sturm Friederike und die Dürresommer der vergangenen Jahre haben auch im Gemeindewald Meißner und besonders bei den Fichten langfristige Schäden hinterlassen.
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Jede Menge freie Fläche: Sturm Friederike und die Dürresommer der vergangenen Jahre haben auch im Gemeindewald Meißner und besonders bei den Fichten langfristige Schäden hinterlassen.

Im Wald sterben die Fichten und hinterlassen leer gefegte Flächen. Warum das so ist und was dagegen getan werden kann, zeigt Förster Matthias Bauer im Gemeindewald Meißner.

„Es ist katastrophal“, beschreibt Matthias Bauer den Zustand des Waldes. Er steht auf einem Wirtschaftsweg im Wald der Gemeinde Meißner. Auf der einen Seite: Fichten mit grünen Nadeln an den Zweigen, die kaum einen Sonnenstrahl durchlassen. Auf der anderen Seite: eine weite, freie, lichtdurchflutete Fläche. Wo sich ursprünglich mal Fichte an Fichte reihte, ragen unzählige Baumstümpfe aus dem Boden. Eine Handvoll Bäume recken noch tapfer ihre Kronen in den Himmel.

Ist es so hoffnungslos, wie es aussieht? „Nein“, lautet die klare Antwort des Försters, „wir können etwas dagegen tun.“

Bauer ist Revierleiter im Forstamt Hessisch Lichtenau. Sein Revier liegt im Osten. Er betreut seit 2009 die kommunalen Wälder der Gemeinden Meißner und Berkatal und außerdem einige Waldflächen von Privatleuten.

Douglasie, Eiche und Elsbeere: Revierförster Matthias Bauer plant unter anderem die Aufforstung des Gemeindewaldes Meißner.

Die abgestorbenen Fichten habe er erwartet – hier einpaar hundert Meter entfernt von der Landstraße, die nach Vockerode führt. „Das ist ein Fichtenrisikogebiet. Dieser Standort ist für die Baumart nicht zukunftsträchtig.“

Zu wenig Feuchtigkeit in der Luft und im Boden, erklärt Bauer. Je niedriger der Standort der Fichte sei, desto schwieriger werde es für den Baum zu überleben: „Unter 550 Höhenmetern hat sie fast keine Chance.“

Das sei schon länger bekannt gewesen. Deshalb habe er schon vor einiger Zeit mit der Gemeinde Meißner vereinbart, diesen Teil des Waldes sukzessive zu einem Mischwald umzustrukturieren. Doch die Ereignisse der vergangenen Jahre hätten seine Kollegen und ihn überrannt, erzählt der Forstmitarbeiter. Sturm Friederike, die Dürresommer und die Borkenkäfer, alles Ereignisse, die den Fichten den Rest gegeben haben.

„Schockierend war die Schnelligkeit, in der das passiert ist“, so der 52-Jährige. Dadurch habe sich die Dynamik verändert. „Die Fichte hat hier keine Zukunft mehr. Zumindest keine dominierende.“

Nur ein Stück den Weg hinab in Richtung Wolfterode – und das Bild des Waldes verändert sich. Hier stehen Eichen, Buchen und Hainbuchen. Sonnenstrahlen blitzen durch das Blätterdach und heruntergefallene Äste und Zweige liegen zwischen den Stämmen und verrotten auf sowie unter den orangen und braunen Blättern. So solle der Wald in Zukunft aussehen.

Standort Meißner - Die Zukunft für den Gemeindewald

Meißner – Wie ein Hauseigentümer ohne Versicherung nach einem Brand, so stehen Waldbesitzer aktuell da, sagt Revierförster Matthias Bauer. Das sei für Gemeinden und private Waldbesitzer gleich. Nun stelle sich für die Gemeinde Meißner hier im Gemeindewald die Frage, was man machen könne. „Als Forstwirt kann ich Varianten aufzeigen, was möglich ist, was nötig ist und was keinen Sinn macht“, erklärt Bauer.

Für den Gemeindewald, in dem ein 60 Jahre alter Fichtenbestand abgestorben ist, sei es zum Teil sinnvoll, einen Mischwald mit mindestens fünf verschiedenen Baumarten anzulegen. Unter anderem mit Douglasie, Eiche und Elsbeere. „Damit wird das Risiko gestreut. Die Baumarten sind außerdem robuster und besser für diesen Standort geeignet als die Fichte“, erklärt Bauer. Sie sind zukunftsträchtig.

Vor 60 Jahren habe man sich die Frage nach der Zukunft in dieser Form, wie es heute geschehe, nicht gestellt. „Nach damaliger Ansicht war die Fichte ertragreich und mit der heutigen Extremsituation hat niemand gerechnet.“

Der Wandel habe sich erst in den letzten 15 bis 20 Jahren ergeben und sei 2018 mit dem Sturm Friederike und den folgenden Dürresommern enorm beschleunigt worden. „Die Fichten haben den kurzen Zeitraum nicht überstanden“, so Bauer.

Zu wenig Feuchtigkeit habe dazu geführt, dass die Baumart eindringende Käfer nicht zur Genüge mit Baumharz ersticken konnte. Im Gemeindewald und an vielen anderen Orten auch hätte sich die erste Generation der Buchdrucker um Ostern herum vermehrt und die zweite Generation hatte dann nach sechs bis acht Wochen ebenfalls leichtes Spiel.

Private Waldbesitzer stünden nun zum Teil vor dem Ruin. Für öffentliche Haushalte sehe die Situation anders aus. Oft würden diese die Aufforstung einfach als gesellschaftliche Verantwortung betrachten.

Die Pläne für den Wald - Forstwirtschaft formuliert Entwicklungsziele für die Bäume

Meißner – „Holz ist ein wichtiger Rohstoff“, sagt Revierförster Matthias Bauer. Schon jetzt sei er knapp, obwohl der Markt mit Fichtenholz überschwemmt werde und sich die Preise damit im Keller befänden. Doch nicht jedes Holz kann für alles genutzt werden, erklärt der Förster: „Papierholz wird zum Beispiel aus jungen Fichten gewonnen.“

Die Baumkronen sollen sich möglichst nicht gegenseitig im Wachstum behindern.

Doch warum müssen Bäume verarbeitet werden? Es ist ein langlebiger und beliebter Rohstoff, der außerdem nachhaltig ist, sagt Bauer. Um Importen aus Ländern vorzubeugen, die das Holz nicht so schonend aus dem Wald holen könnten, wie es in Deutschland der Fall sei, plädiert der Förster für die nachhaltige Produktion mithilfe der Forstwirtschaft.

„Wir fällen die Bäume per Hand und setzen Maschinen nur auf Rückegassen ein“, sagt er. Klar sei aber auch, dass der Wald die Menschen nicht brauche. „Er kann sich selbst regulieren“, so Bauer. Doch das dauere Jahrhunderte. Um den Wald aktiv gestalten zu können, stellen Forstarbeiter deshalb Waldentwicklungsziele – kurz WEZ – auf.

Diese berücksichtigen unter anderem die klimatischen Voraussetzungen und die Beschaffenheit des Bodens. Dem angepasst werden die Baumarten ausgewählt. Doch die Pflege fordert auch Opfer.

Damit vielversprechende Bäume wachsen können, müssen andere weichen, erklärt Bauer. Er begutachtet regelmäßig die Bäume im Wald und teilt sie ungefähr alle fünf Jahre in Zukunfts-Bäume – blauer Punkt – und Bedränger – orangener Strich – ein.

Punkt und Strich: Markierungen zeigen an, was mit den Bäumen in Zukunft passieren soll.

Mindestens zehn Meter Entfernung muss zwischen den Baumstämmen sein, damit sich die Kronen frei entfalten können. Zu viel Platz ist jedoch auch nicht gut: „Das Risiko, dass sie im Wind umfallen, steigt.“ Bei übermäßigem Licht würden sich außerdem zu viele Äste im Stamm bilden und auch ein explosionsartiger Wachstumsschub wirke sich negativ auf die spätere Verarbeitung des Holzes aus. Es reißt dann schneller. (Von Hanna Maiterth)

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