Jungtier hatte sich in einem Stromzaun verfangen

Dem Todeskampf entkommen: Tierfreunde retten verletzten Rehbock

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Weidenhausen/Vockerode. Indem sie einen schwer verletzten Rehbock rechtzeitig entdeckt und ihn aus einer für ihn ausweglosen Lage befreit haben, rettete eine Gruppe von Tierfreunden dem Bock das Leben. 

Wie schwer der junge Rehbock ums Überleben gekämpft hat, zeigen mehrere blutige Schürfwunden, die er sich im Todeskampf zugefügt haben muss. Dass er überlebt hat, ist Schnauzermischling Malte zu verdanken. Der Hund und dessen Besitzer Harald Kothe hatten das verletzte und dehydrierte Tier Anfang April während eines Spaziergangs oberhalb von Vockerode gefunden und sofort gehandelt. 

Zum Ort des Geschehens wurde Weidenhausens Tierärztin Michaela Seifert gerufen. Sie sagt: „Der Bock hatte sich hoffnungslos in der Litze eines Elektrozauns verfangen, der dort scheinbar zurückgelassen wurde.“ Vor Ort verabreichte sie dem Rehbock zunächst eine Narkosespritze. Ebenfalls zur Hilfe eilte einer der Jagdpächter aus dem Nachbarrevier Germerode, Heinz Zindel. Gemeinsam mit Seiferts Sohn Finn konnte das zuvor ruhiggestellte Tier aus der lebensgefährlichen Situation befreit werden. 

Litze wickelte sich 15-mal um Kopf des Tieres

Zindel erinnert sich: „Die Litze hatte sich bestimmt 15-mal um das Gehörn des Bocks gewickelt. Mit vereinten Kräften und einer Zange konnten wir den armen Kerl befreien.“ Nach nur fünf Minuten sei das Tier, anfangs noch etwas unsicher auf den Beinen, davongesprungen. Die Retter gehen davon aus, dass der Rehbock sich inzwischen erholt hat und in dem Gebiet unterhalb des Meißners lebt. 

Seifert und Zindel machen nach diesem prägenden Erlebnis auf die Gefahren aufmerksam, die für Tiere durch ausrangierte Stromzäune und Stacheldraht entstehen. „Für die Tiere geht es da offensichtlich um Leben und Tod“, so Seifert. 

Verletzter Rehbock ist kein Einzelfall 

Die Tierärztin erinnert sich an eine ähnliche Situation vor drei Jahren: Damals fand Michaela Seifert schon einmal einen Bock, der zu dem Zeitpunkt schon mehrere Monate nicht mehr lebte – „ein wirklich schrecklicher Tod und kein schöner Anblick“. 

Derzeit markieren die jungen Rehböcke ihr Revier, um sich auf die bevorstehende Paarungszeit Mitte Juli vorzubereiten. Indem eine Duftmarke über Drüsen zwischen dem Gehörn abgesondert wird, sollen mögliche Rivalen ferngehalten werden. Beim Verteilen des Sekrets auf dem Boden oder an Sträuchern verfangen sich die Tiere leicht in den zurückgelassenen Gefahrenquellen. 

Zindel weist darauf hin, dass ausrangierte Zäune vor allem nicht über den Winter und das Frühjahr unachtsam oder gar bewusst in der Natur zurückgelassen werden sollten. Er hofft, dass der verletzte Rehbock, der kürzlich gefunden wurde, als abschreckendes Beispiel für Zaunbesitzer dient. 

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