Bauarbeiten an Brücke in Berkatal unterbrochen

Turmfalke legt Baustelle lahm

Frankershausen.  Eigentlich soll die Berkabrücke in Frankershausen von April bis Ende September erneuert werden. Derzeit aber ruhen die Bauarbeiten: Ein Turmfalke hat sich in ein Gebäude neben der Brücke eingenistet und ist dort am brüten. Deshalb darf nicht weitergebaut werden.

Eines Morgens war es auf einmal still. Was generell nicht ungewöhnlich ist in kleineren Orten wie Frankershausen, sorgte dann aber plötzlich für Diskussionen: Denn eigentlich soll die Berkabrücke nahe des neuen Tegut-Lädchens erneuert werden, Bagger sollten rollen und die Abrissarbeiten Lärm verursachen.

„Von heute auf morgen wurden die Arbeiten einfach eingestellt“, beschwert sich Bürgermeister Friedel Lenze. Erst nach hartnäckigem Nachfragen bei Hessen Mobil, die die Bauarbeiten in Auftrag gegeben haben und auch bezahlen, und bei der Oberen Naturschutzbehörde erfährt er den Grund: Ein Turmfalke soll Schuld für die Unterbrechung sein.

Denn der hat sich in einem Haus direkt neben der Brücke eingenistet und ist am brüten. Vom Lärm der Baustelle werde er dabei gar nicht gestört, sagt Arno Schütz von der Oberen Naturschutzbehörde mit Sitz in Kassel, aber: „Durch die Erschütterungen durch die Bauarbeiten kann es sein, dass sich an dem Haus, in dem der Falke sitzt, oben Schindeln lösen.“ Damit das nicht passiert, soll das Haus mit einer Balkenkonstruktion gesichert werden - und diese Arbeiten am Haus würden den Falken verscheuchen. „Es ist artenschutzrechtlich verboten, während der Brutphase an dem Haus zu arbeiten“, erklärt Schütz weiter. Ohne eine Abstützung des Hauses können die Bauarbeiten aber nicht weitergehen - sie liegen jetzt still.

Weitergehen können die erst, wenn die Jungen geschlüpft sind und die Mutter sie trotz aller Widrigkeiten drum herum nicht mehr verlassen wird. „Die Jungen sind kurz vorm Schlüpfen“, sagt Schütz. „Angeblich sollen die Bauarbeiten Ende Mai weitergehen“, sagt Lenze, der sich wie auch viele der Gemeindevertreter über das Vorgehen aufregt: Bis auf eine mündliche Auskunft habe man noch keine Mitteilung von der Oberen Naturschutzbehörde vorliegen, niemand erkläre einem das weitere Vorgehen.

Bei Hessen Mobil ist man um eine Klärung bemüht: die Behörde ist in Gesprächen mit Schütz und dessen Kollegen, auch die Untere Naturschutzbehörde ist eingeschaltet. Bisher gibt es jedoch noch keine Lösung. „Jede Unterbrechung ist ärgerlich“, heißt es bei Hessen Mobil, „denn zum einen verlängert sich die Bauzeit, zum anderen entstehen zusätzliche Kosten.“ Wie hoch die sein werden, könne man erst abschätzen, wenn klar ist, wie lange die Unterbrechung gedauert hat. „Hätten wir vorher gewusst, dass es dort Turmfalken gibt und das Haus direkt an der Brücke ein begehrter Platz ist, hätten wir die Bauphase verlegt.“

Seit Anfang April besteht die Baustelle, ursprünglich sollte der Neubau Ende September fertiggestellt sein. Hessen Mobil investiert rund 300 000 Euro.

Von Constanze Wüstefeld

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