Ein verborgener Schatz

Dachgeschoss der ehemaligen Synagoge Abterode beherbergt Wandmalereien

Abterode.  In der ehemaligen Synagoge in Abterode sind alte Wandmalereien entdeckt worden. Die sollen nun möglichst bald restauriert werden.

Fast schon majestätisch erhebt sich das Gebäude in Abterode, in dem seit vier Jahren das Tegut-Lädchen untergebracht ist. Durch seinen quadratischen Grundriss und den Sandstein sieht es ganz anders aus als die übrigen Häuser in dem Ortsteil der Gemeinde Meißner. Man lässt den Blick zweimal dorthin schweifen, fährt man daran vorbei.

Zwar noch in ferner, aber in Zukunft sollen die Bürger des Werra-Meißner-Kreises ihren Blick auch hineinwerfen können. Denn das Gebäude ist geschichtsträchtig, wurde um 1830 als Synagoge für die jüdische Gemeinde erbaut. Davon zeugen im Obergeschoss filigrane Verzierungen an den Wänden und viele kleine Davidsterne unter der Decke, die jetzt restauriert werden sollen - wenn es nach den Wünschen von Matthäus Mihm von der Stellenwert GmbH und Dekan Martin Arnold geht. Beide haben die Wandmalereien vor gut vier Jahren entdeckt, als das Tegut-Lädchen in das alte Gemäuer einzog und haben seitdem den Wunsch, den Raum für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Wir möchten den Ort gerne würdigen“, sagt Mihm. Bislang sei das eher eine fixe Idee gewesen, jetzt wollen sich die beiden aber intensiv damit beschäftigen, wie man das Vorhaben umsetzen könne.

Die jüdische Gemeinde in Abterode galt als die größte dörfliche im nordhessischen Raum, zu Spitzenzeiten gehörten ihr laut Mihm 250 Personen an. Davon zeugt auch der jüdische Friedhof, der etwas versteckt am Waldrand liegt und mit 494 Grabstellen als der größte im Werra-Meißner-Kreis gilt. Belegt wurde er bereits Ende des 17. Jahrhunderts, die Synagoge, die im charakteristischen quadratischen Stil erbaut worden ist, kam erst später: Sie soll um 1830 erbaut worden sein, ältere Quellen sprechen von 1870/71. Beim Novemberpogrom 1938 wurde sie im Inneren vollständig zerstört.

1944 wurde das Gebäude dann von dem Spar- und Darlehensverein gekauft und als Lagerraum genutzt. Erst 1990 wurde diese Art der Nutzung eingestellt, als sie zu einer Bank umgebaut wurde.

„Jetzt dient zumindest das Obergeschoss teilweise wieder als Lager“, sagt Mihm, „das Lädchen bewahrt dort einige Sachen auf.“ Das soll auch so bleiben, wenn irgendwann einmal der restliche Raum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Von Constanze Wüstefeld

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