Weidenhäuserin Ann-Catrin Feige unterrichtet Deutsch an Schule in Chile

Typisch deutsch: ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum. Den kann Ann-Catrin Feige derzeit in Weidenhausen genießen, wo sie ihre Familie besucht. Seit Sommer 2014 wohnt die 29-Jährige in Chile, im Sommer 2017 läuft dort ihr Vertrag aus. Foto:  Wüstefeld

Weidenhausen. Seit dem Sommer 2014 lebt Ann-Catrin Feige aus Weidenhausen in Chile, fühlt sich wohl dort. Die Lehrerin unterrichtet an einer deutschen Schule, ist derzeit auf Heimatbesuch.

Es war ein ernüchternder Start, den Ann-Catrin Feige vor eineinhalb Jahren erlebt hat: Als die heute 29-Jährige aus Weidenhausen im Sommer 2014 nach Chile auswanderte, regnete es zwei Monate lang ununterbrochen. „Das ist natürlich nicht das Wetter, das man sich vorstellt, wenn man nach Südamerika geht“, sagt die junge Frau lachend, die noch bis zum 10. Januar ihre Familie in Deutschland besucht. Mittlerweile hat sich die Weidenhäuserin aber gut eingelebt in dem Land, das auf der Landkarte vor allem durch seine enorme Länge und die geringe Breite auffällt. „Ich mag das Land sehr gerne und habe dort alles, was ich brauche.“

Dass Feige überhaupt nach Chile gekommen ist, begründet sie mit der Faszination, die Südamerika auf die ausübt: „Dort wollte ich schon immer einmal hin.“ Nach ihrem Germanistik- und Französisch-Studium auf Lehramt bot sich dann die passende Chance: Über den deutschen akademischen Austauschdienst (DAAD) bekam sie die Möglichkeit, ein Jahr lang in Chile als Sprachassistentin zu arbeiten. „In der Zeit bin ich viel herumgereist, habe die DAAD und ihre Stipendien vorgestellt.“ Nach Hause wollte Feige nach dem Jahr erstmal nicht, suchte sich stattdessen eine Arbeit in dem südamerikanischen Land - und ist jetzt als Deutsch-Lehrerin tätig.

Wer deutschen Kuchen möchte, reist nach Frutillar: Dort gibt es die himmlischen Gebäckstücke zu kaufen. Foto:  privat

Die Alltagssprache ist jedoch Spanisch: Dass hat die 29-Jährige ebenfalls studiert und sich darüber einen enormen Wortschatz angeeignet - der zu Beginn aber auch nicht in jeder Lebenslage weitergeholfen hat: In ihrer derzeitigen Heimatstadt Temuco im Süden von Chile haben die Einheimischen einen starken Akzent, zudem gibt es dort eigene Wörter. „Das ist so, als ob man hochdeutsch sprechend nach Bayern kommt“, sagt Feige und lacht.

Mittlerweile kennt sie viele der von den Einheimischen erdachten Wörter, hat immer ein kleines Heftchen parat, in dem sie diese Eigenkreationen festhält. Und auch an die Gepflogenheiten hat sie sich gewöhnt: „Dort ist Vieles etwas lockerer, es ist alles weniger stressiger.“ So werde nicht immer gewartet, bis alle am perfekt gedeckten Tisch sitzen würden, um zu essen, sondern es werde angefangen. „Beliebt ist dort vor allem das Frittierte.“ Doch auch die deutsche Küche findet man in dem spanisch-sprachigen Land: „Es gibt sogar einen Kuchenladen, ich selbst backe Brot, das an meiner Schule gerne gegessen wird“, sagt Feige. Nur der Kaffee könne mit dem deutschen nicht mithalten, „aber irgendwie geht das auch“.

An was sich die 29-Jährige, die am Oberstufengymnasium 2006 ihr Abitur machte, nur schwer gewöhnen kann, sind die deutlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich: In vier Schichten teilt sich die chilenische Bevölkerung auf, vor allem die Unterschiede zwischen der unteren und der oberen seien sichtbar deutlich. „Und in jedem besseren Haushalt gibt es eine Hausfrau meist aus der unteren Schicht, die sich um alles kümmert.“ Das sei sowohl ihr als auch ihren Besuchern befremdlich gewesen.

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