Wildpark: Damhirsch verletzt eine Frau schwer 

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Drei Wochen brachte die 34-jährige Tanja Harbich im Krankenhaus zu, nachdem sie von einem Hirsch im Wildpark Germerode verletzt worden war. Gegen die Gemeinde Meißner als Betreiber des Parks macht sie jetzt Schmerzensgeld geltend. Foto

Nach den Angriffen eines weißen Damhirsches auf zwei Frauen im Bergwildpark Germerode sieht sich die Gemeinde Meißner jetzt mit Schmerzensgeldforderungen konfrontiert. Eines der beiden Opfer, die 34-jährige Tanja Harbich aus Eschwege, befindet sich seit dem Vorfall, der sich bereits am 9. September ereignet hatte, im Krankenhaus, musste mehrfach operiert werden und kann bis heute nur an Krücken gehen.

Germerode. Die zweifache Mutter war mit Mann und vier Kindern an dem Sonntag zu Besuch im Wildpark. An der Kasse kaufte die Familie Tierfutter. Am Ziegengehege zog sich ihr vierjähriger Sohn bereits eine Beule am Kopf zu, weil der weiße Hirsch eine abrupte Kopfbewegung machte. Die Familie entfernte sich, als die Frau plötzlich einen Schlag in die Beine verspürte. „Ich hab alles fallen lassen und gemerkt, wie mir das Blut die Oberschenkel runterlief“, erzählt sie. Der weiße Damhirsch hatte die Frau von hinten angegriffen und ihr sein Geweih in die Oberschenkel gerammt. An der Kasse wird sie von der Kioskbetreiberin Rosemarie Klotz erstversorgt, nachmittags sucht sie die Notaufnahme des Eschweger Krankenhauses auf. Dort werden die zunächst relativ klein erscheinenden beiden Stichwunden an der Rückseite der Oberschenkel versorgt, sie liegt zehn Tage im Krankenhaus, wird entlassen, hat aber starke Schmerzen. Zwei Tage später muss sie notoperiert werden. Das Geweih war mehr als zehn Zentimeter tief in das linke Bein eingedrungen, hatte das Gewebe zerfetzt, die Wunde hatte sich infiziert. Heute soll Tanja Harbich entlassen werden, sie geht an Krücken und muss physiotherapeutisch weiterbehandelt werden, da sich das Bein nicht strecken lässt.

Der Hirsch hatte am selben Tag zuvor bereits eine Frau im Rippenbereich verletzt. Unmittelbar nach dem Vorfall hatte der Tierpfleger Wilfried Eberhardt den aggressiven Hirsch weggesperrt. Am nächsten Tag war dem Tier das Gehörn entfernt worden.

Am Eingang zum Wildpark warnen Schilder: „Streicheln und Füttern auf eigene Gefahr“, am Eingang zum Gehege befindet sich die Warnung: „Achtung Brunft! Hirsche dürfen nicht gefüttert werden!“ Die Tiere gelten während der zirka vierwöchigen Brunft als unruhig und unberechenbar. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte die Brunft allerdings noch nicht in vollem Umfang eingesetzt.

„Das sind wilde Tiere“, sagt der Tierpfleger. „Die kann man nicht wie ein Kuscheltier behandeln.“ Trotz der Vorfälle will der Wildpark die Möglichkeit der Fütterung aufrechterhalten. „Das ist ja das Besondere hier, dass man auf diese Weise den Tieren wirklich nahe kommen kann“, sagt Bürgermeister Friedhelm Junghans. Zwar hätte es in den vergangenen Jahren immer mal wieder kleine Vorfälle gegeben, doch auch der weiße Hirsch war bis dahin völlig unauffällig gewesen.

Von Stefanie Salzmann

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