In Grube Gustav wurden zwei Kumpel nach fünf Tagen gerettet

„Jetzt möcht ich ein Bier“

Überall auf dem Titel: Die Rettung der Bergleute wurde in den regionalen Zeitungen teilweise enthusiastisch gefeiert.

Das Grubenunglück von Unterbreizbach ist das schwerste seit 1989. Erinnerungen weckt es auch an das Geschehen in der Grube Gustav bei Abterode. Dort waren am 13. November 1957 zwei Bergleute verschüttet worden. Auch damals war die mediale Aufmerksamkeit groß, die Berichterstattung über die Rettung der Kumpel Richard Kayl und Anton Plihal dominierte die Titelseiten der regionalen Zeitungen.

„Kumpels nach fünf Tagen gesund geborgen“ titelten die Hessischen Nachrichten in ihrer Ausgabe vom 18. November 1957 (Stückpreis: 20 Pfennig). In einem Minutenprotokoll wird die dramatische Rettungsaktion geschildert.

Hier einige Auszüge:

• 0.00 Uhr: Noch fehlt ein kleines Stück bis zum Durchstich in den Unglücksschacht, wo Kayl und Plihal im fünf Meter großen Geviert auf ihre Befreiung von draußen warten. Werden die Retter bald kommen?

• 1.30 Uhr: Obersteiger Kindel hat durchsickern lassen: „Wir nehmen den Schlitten“. (...) Denn wenn weiter gebohrt wird, müssen die Eingeschlossenen mindestens noch einmal 24 Stunden auf die herbeigesehnten Retter warten. Ist das zu verantworten?

• 6.10: Anton Plihal soll zuerst nach draußen. Der breitschultrige, blonde Mann verrenkt sich beinahe den Körper, um in das schmale Gerät zu kommen. Doch es glückt. (...) Meter um Meter legt er im Gang zurück. Dann ein Jubelschrei: Plihal ist draußen.

• 6.56 Uhr: Die beiden Bergleute treten aus dem Schacht heraus. Fotografen schießen Blitz auf Blitz, die Fernsehkamera surrt. Es ist noch dunkel. Nebel zieht über die Berge. Aber in den Herzen der Männer und Frauen ist es hell.

Einen Extraartikel bekam der erste Wunsch des geretteten Richard Kayl, der sich – kaum aus dem Schacht befreit – am Tisch sitzend ein „kühles Blondes“ erbat.

Die Kasseler Zeitung feierte die Rettung durch den engen Schacht am 19. November 1957 als „technisches Meisterstück“ und verwies auf die Anteilnahme der Bevölkerung, denn „die Wohnungen der beiden Geretteten konnten (...) kaum die Besucher fassen, die den Geretteten die Hand drücken wollten.“

In einem Kommentar auf der Titelseite heißt es: „Das Grubenunglück in unserer engeren Heimat hat allen wieder einmal vor Augen geführt, mit welchen Gefahren die Arbeit unter Tage verbunden ist und daß die Natur sich stärker als der Mensch erweist. Er hat ihr schon viel abgezwackt, aber im letzten Kampf wird der Mensch unterliegen müssen.“

Von Lasse Deppe

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