Zwei Beauftragte sammeln alle Anzeichen für sein Vorkommen in der Region

Dem Luchs auf der Spur

Fachleute vermuten ein halbes Dutzend Luchse in Nordhessen. Foto: Carl-Heinz Greim

Meißner. Die Hegegemeinschaft Meißner hatte bei ihrer Herbstversammlung eine umfangreiche Tagesordnung zu bewältigen:

Zum Auftakt informierte der Luchsbeauftragte vom Forstamt Hessisch Lichtenau, Forstbeamter Ralf Meusel, über Aktuelles zum Luchs in unseren Wäldern. Nachdem 1833 der letzte Luchs in Hessen erlegt worden war, war die Großkatze in unseren Breiten bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein verschwunden. Aufgrund von Beweisen wie Totfunden, Fotos und DNA-Material steht heute zweifelsfrei fest, dass der Luchs aufgrund von Auswilderung und Einwanderung bei uns wieder heimisch ist. Da ein einzelnes Tier ein großes Revier bejagt und sehr scheu ist, bekommt der Mensch dieses faszinierende Geschöpf nur äußerst selten zu Gesicht.

Man nimmt an, dass im Moment zirka sechs erwachsene Luchse durch Nordhessen streifen. Im Zuge der aktuellen Diskussion über datenschutzrechtliche Bedenken sind zur Zeit keine Fotofallen mehr in Hessen-Forst im Einsatz, was die Kontrolle des Bestandes erschwert. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, die Anwesenheit eines Luchses festzustellen:

Die Trittsiegel (Pfotenabdrücke) des Luchses sind handtellergroß und asymmetrisch, was sie eindeutig von denen eines großen Hundes unterscheidet. Der Luchs tötet seine Beute in der Regel mit einem Biss in die Kehle, was zum Erstickungstod führt. Ein abgetrennter Kopf ist ein deutlicher Hinweis auf einen Fuchs, ein Luchs trennt den Kopf nicht vom Körper. Typischerweise „verblendet“ der Luchs dann seine Beute, das heißt, er versteckt sie z.B. unter Zweigen und Blattwerk, um später zurückzukehren und weiterzufressen.

Wenn man eine Luchsfährte vermutet, auf einen frischen Riss stößt oder sogar einen Luchs erblickt, sollte man den zuständigen Luchsbeauftragten informieren, damit er den Hinweis auswerten und gegebenenfalls dokumentieren kann. Dabei ist Eile geboten: Die charakteristischen Bissspuren werden schnell durch andere Tiere wie zum Beispiel aasfressende Krähen oder einen zufällig vorbeikommenden Waschbären zerstört und eine Spur kann durch entsprechendes Wetter wie Schneefall oder Regen in kürzester Zeit wieder verschwinden. Die Luchsbeauftragten des Werra-Meißner-Kreises sind: Ralf Meusel (Tel. 0160/4 71 41 16) für den nördlichen Teil und Stephan Boschen (Tel. 01 72/9 00 03 64) für den südlichen Teil.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die aktuelle Situation des Reh- und Schwarzwildes erörtert und nach lebhafter kontroverser Diskussion einstimmig eine Neuerung beschlossen, die die Rehbejagung im Gesamtgebiet der Hegegemeinschaft flexibler und eigenverantwortlicher gestaltet. Demnach gibt es zukünftig nicht mehr einen Abschussplan für die einzelnen Reviere, sondern es wird ein revierübergreifender Abschussplan erstellt. (WR)

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