Wildkräuterschutzprojekt „100 Äcker für die Vielfalt“ mit erstem Feld am Meißner

Was wächst, darf wachsen

Dr. Thomas van Elsen (li.) will mit seinem Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“ sichern. Eine Infotafel beschreibt die schützenswerten Wildkräutersorten darauf. Helmut Herbort, Marco Lenarduzzi und Carola Hotze haben das Projekt mit vorangetrieben. Foto: Weber

Frankershausen. Der Auftrag an den Bio-Bauern Jörg Kaiser heißt: Wachsen lassen! Roter Klatschmohn, blauer Feld-Rittersporn, Acker-Goldstern in Gelb, violetter Echter Frauenspiegel - auf dem neu ausgewiesenen Schutzacker geht es bereits bunt zu. Ackerwildkräuter, die in der konventionellen Landwirtschaft selten geworden sind, weil sie heute konsequent mit Herbiziden weggespritzt werden, dürfen in Frankershausen wieder wachsen. Sollen wachsen.

Mitten in den Hie- und Kripplöchern liegt der kreisweit erste „Acker für die Vielfalt“. 100 sollen es bundesweit insgesamt werden, oder mehr. Das jedenfalls wünscht sich Projektkoodinator Dr. Thomas van Elsen von der Uni Kassel-Witzenhausen. Bereits vor 50 Jahren machte der Frankershäuser Lehrer Fritz Hotzler auf den Artenrückgang der Wildkräuter auf den Feldern des Meißnervorlandes aufmerksam: Sommer-Adonisröschen, Venuskamm, Finkensame, Ackerwachtelweizen. Die Situation hat sich seitdem nicht verbessert.

Das rundblättrige Hasenohr, die Kornrade oder der Ackerkohl sind heute hier verschwunden. „Produktive Flächen werden zusammengelegt, während viele als Grenzertragsstandorte einzustufende Kalkäcker stillgelegt oder in Grünland umgewandeltwerden“, sagt Thomas van Elsen. „Beide Tendenzen schränken die Überlebensmöglichkeiten von Ackerwildkräutern ein.“ Das Schutzprojekt, das durch die deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert wird, will deshalb für die Wiederansiedlung dieser selten gewordenen Wildkäuter sorgen.

Zusammen mit dem Getreideanbau wanderten einst die Ackerwildkräuter nach Mitteleuropa ein und bildeten seitdem zusammen mit dem Getreide den Lebensraum Acker, der vielen Tierarten eine Heimat bietet. Die Intensivnutzung der Landwirtschaft jedoch, die auf immer mehr Ertrag pro Fläche ausgelegt ist, lässt Getreidefelder zu „Nektarwüsten“ werden, die Insektenarten keinen Lebensraum mehr bieten. Den Schutzacker bestellt Bio-Landwirt Jörg Kaiser deshalb von nun an ohne chemische Unkrautbekämpfungsmittel. Das heißt, das Getreide steht weniger dicht und ist damit auch weniger ertragreich. Dafür ist das Feld durchsetzt mit unzähligen Blüten in frischen, leuchtenden Farben.

Dass der Acker für das Schutzprojekt ausgewiesen werden konnte, ist dem Engagement von Marco Lenarduzzi, dem Leiter des Naturparks Meißner-Kaufunger Wald, sowie der Biologin Carola Hotze zu verdanken, die schon 2004 die Ackerwildkräuter im Meißnervorland kartierte. So konnte der Acker durch Helmut Herbort von der Oberen Naturschutzbehörde gekauft werden, um den Schutz der Artenvielfalt hier auch längerfristig sicherzustellen.

Von Kristin Weber

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