WR-Ausflugstipp: Goldsuche in der Eder bei Mehlen / Die Ausbeute ist klein, der Spaß groß

Goldwaschen: Reich wird man nicht, aber glücklich

Das Wort „Gold“ bedeutet so viel wie „gelb, glänzend“ - und wer viel davon besitzt, für den bedeutet es reich zu sein. Seit dem Ende der Steinzeit ist Gold das Element, das mit seinem besonderen Glanz Macht und Wohlstand ausdrückt. Und obwohl wir längst aufgehört haben, mit Golddukaten zu bezahlen und unseren Reichtum heute stattdessen ganz unspektakulär virtuell verbuchen, hat das Gold als Edelmetall über die Jahrtausende hinweg seinen Wert behalten. Gold als Element ist zusammen mit diesem Planeten entstanden und kommt als Einlagerungen im Gestein vor, rund vier Gramm pro 1000 Tonnen. Und da es wasserlöslich ist und so aus dem Gestein herausgelöst werden kann, führen fast alle europäischen Flüsse Spuren von Gold mit sich.

In unserer Region ist besonders die Eder im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Quelle, um an das glänzende Metall heranzukommen. Der Geologe Veith-Enno Hoffmann und der Präparator Gerhard Stöbener haben ein besonders inniges Verhältnis zum Gold - nicht allein berufsbedingt. Sie haben es Milligramm um Milligramm aus der Eder herausgewaschen. Und das ist eine sehr, sehr mühevolle Arbeit, die mit Körperkraft und vor allem mit Durchhaltevermögen erledigt werden will. Aber wen das Goldfieber einmal gepackt hat, den lässt es so schnell nicht los. Das Tolle ist: Die beiden Gold-Experten geben ihr Wissen weiter. In Mehlen bei Edertal halten sie im Sommer an den Wochenenden Goldwaschkurse ab, zu denen interessierte Schatzsucher in die Arbeitstechnik eingeführt werden und sich selbst als Goldwäscher versuchen können. „Das meiste Gold lagert sich im Uferbereich ab“, erklärt Veith-Enno Hoffman.

„Deshalb hat es dort am meisten Sinn zu suchen.“ Aber Achtung: Der Fluss gibt seinen Schatz nicht freiwillig her! Wer an einem Kurs teilnehmen möchte, sollte als wichtigstes Arbeitsgerät Gummistiefel mitbringen, je höher die Schäfte, desto besser. Denn die Arbeit findet mitten im fließenden Wasser statt.

„Wenn das mein Orthopäde sehen würde.“

Goldsucher Peter Naumann

Gerhard Stöbener demonstriert zunächst, wie es geht. Zuerst mit der Schaufel das abgelagerte Material am Grund der Eder, die hier zum Glück eher ein Flüsschen ist, in das Sieb schaufeln. Da das Gold ein schweres Element ist, lagert es sich am Grund ab. Unter dem Sieb steht die Waschpfanne. Jedenfalls, solange sie es nicht vorzieht, wegzuschwimmen. Dem erfahrenen Goldsucher passiert das natürlich nicht. Gerhard Stöbener schüttelt unter Wasser das Sieb nun so lange, bis sich das sandige, erdige Material in der Goldpfanne angesetzt hat, dann wandern die groben Kiesel zurück in den Fluss. Schließlich heißt es die Waschpfanne zu schütteln, damit sich das schwere Gold ganz unten absetzt. „Richtig und lange genug zu schütteln ist das Wichtigste“, rät der Experte. Und es sind schon einige Kilo Erde, vermengt mit Wasser, die die angehenden Goldsucher nun in gebückter Haltung schütteln. „Wenn das mein Orthopäde sehen würde“, stöhnt der Hobby-Geologe Peter Naumann, der sich an diesem Wochenende ebenfalls im Goldwaschen versuchen möchte, und spürt schon jede einzelne Bandscheibe.

Immer wieder wird die oberste Lage Kiesel zurück in den Fluss befördert. Und wieder wird geschüttelt. Am Ende bleibt ein kleiner Rest sehr feinen, aber schweren Schlicks in der Pfanne zurück. Andere Metallablagerungen mögen sich darin befinden, doch das Gold verrät sich mit seinem ganz charakteristischen Glanz. Allerdings sind die Flitter so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge kaum erkennen kann, 0,3 bis 0,5 Millimeter groß. Mit einer Pipette schöpft Gerhard Stöbener die Flitter ab und spült sie in eine Ampulle, die in etwa so groß ist wie ein Parfüm-Pröbchen. Und selbst in diesem winzigen Gläschen kann man die Gold-Flitter kaum erkennen. Doch den Teilnehmern ist das einerlei. Es ist ihr erstes selbst gefördertes Gold. Echtes Gold!

Wer mit dieser Methode reich werden möchte, braucht jedoch nicht nur gute Bandscheiben, sondern auch ein bisschen Zeit. Aber einen Heidenspaß macht es in jedem Fall, im Fluss zu stehen und Gold zu waschen. Uwe Hohnstock aus Frankfurt ist mit seiner Lebensgefährtin Petra Klingenbiehl emsig am Sieben und Schütteln. Er hat den Kurs zum Geburtstag geschenkt bekommen und ist dafür eigens nach Nordosthessen gereist.

„Es ist ein Erlebnis, das man nur jedem empfehlen kann“, sagt er. „Es weckt den Trieb des Jägers und Sammlers im Mann.“ Auch die siebenjährige Svenja Ankel und ihr Bruder Harald, die mit ihrer ganzen Familie zum Ausflug gekommen sind, füllen Pfanne um Pfanne mit Erde und waschen diese aus. Die Ausbeute am Ende des Nachmittags, so klein sie auch sein mag, ist ein wertvoller Schatz - besonders wertvoll durch die eigene Mühe.

Von Kristin Weber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare