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265 Feldpostbriefe in die Heimat - Dokument aus Russlandfeldzug

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Von: Harald Triller

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Annemarie Bernhardt las in ihrer privaten Kulturscheune in Netra aus den Feldpostbriefen des Schwiegervaters vor.
Annemarie Bernhardt las in ihrer privaten Kulturscheune in Netra aus den Feldpostbriefen des Schwiegervaters vor. © Harald Triller

Anneliese Bernhardt hat in ihrer Kulturscheune aus den Feldpostbriefen ihres Schwiegervaters vorgelesen, die aus seiner Zeit des Russlandfeldzuges berichtet.

Netra – Direkt an der Front war er nicht im Einsatz, der aus Netra stammende Dietrich Bernhardt, sondern im Bereich Nachschub für die Versorgung der Soldaten an der Gefechtslinie zuständig. Aber auch als Wachmann von unterschiedlichen Depots sah er sich natürlich ebenfalls großen Gefahren ausgesetzt.

Nach der soldatischen Ausbildung in Siegen und Aschaffenburg zog er am 1. Mai 1941 mit schon 39 Jahren in den Zweiten Weltkrieg. Von dort war er fast ein Liveberichterstatter, denn in den vier Jahren – bis 1945 das Ende dieser Kampfhandlungen verkündet wurde – hat er 265 Feldpostbriefe in die Heimat geschickt, dabei ständig von neuen, schlimmen und immer anders gelagerten Gewalttätigkeiten berichtet und dabei nie die guten Wünsche an all die Verwandten in seiner geliebten Heimat vergessen. Auch der ständige Standortwechsel der Kompanie, die bereits vor den Toren von Moskau lag, ehe die russische Armee sie immer weiter zurückdrängte, konnte Dietrich Bernhardt nicht am Schreiben der Feldpost hindern. Er fand immer wieder Mittel und logistische Wege, dass seine Botschaften die Heimat erreichten.

Schwiegertochter Anneliese Bernhardt wusste natürlich von diesen Briefen, aber die waren in Verwahrung der Schwiegereltern. „Erst nach deren Tod habe ich mich der Schriftstücke angenommen, die für mich und meinen Ehemann Volker durchaus Dokumentenstatus hatten“, sagt Bernhardt, die bei zwei Lesungen in ihrer Kulturscheune in Netra die Feldpost näher beleuchtete.

Bernhardt hat mit großer Mühe alle 265 handgeschriebenen Originale in genauer Chronologie mit dem Computer abgeschrieben. „Ich habe die für mich bedeutungsvollen Details in fetter Schrift hervorgehoben, was mir die Zusammenstellung des Vortrages leichter gemacht hat.“ Durch die Briefe habe sie ihren Schwiegervater noch besser kennengelernt.

Die Scheune in Netra wurde früher für Ausstellungen genutzt oder auch für Malworkshops, aber nie für Lesungen. „So haben wir uns gedacht, dass Soldaten oftmals in würdelosen Behausungen wie Scheunen unterkommen mussten. Außerdem wissen wir, dass die Familie Bernhardt schon im Zweiten Weltkrieg Flüchtlingen in dieser damals kalten Scheune Obdach gewährte.“ (Harald Triller)

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