Ende nach 26 Jahren

Aus fürs Feierabendbierchen: Eberhard Sennhenn gibt Getränke-Markt in Röhrda auf

Im Schrank immer eine Tüte Gummibärchen für die Kinder: Eberhard Sennhenns kleiner Getränkemarkt in Röhrda schließt nach 26 Jahren.
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Im Schrank immer eine Tüte Gummibärchen für die Kinder: Eberhard Sennhenns kleiner Getränkemarkt in Röhrda schließt nach 26 Jahren.

Nach 26 Jahren öffnete am heutigen Samstag der kleine Getränkemarkt von Eberhard Sennhenn an der Netergasse in Röhrda ein letztes Mal seine Türen.

Das ist nicht nur das Aus für eine kleine Institution im Ringgauer Ortsteil. Mit der Schließung des Lädches macht das letzte Einzelhandelsgeschäft im Ort dicht. „Das tut schon weh“, sagt Eberhard Sennhenn, den die Röhrdaer liebevoll Ebi nennen. Auch sein Geschäft heißt Ebis Minilädchen und in seiner E-Mail-Adresse ist die Telefonnummer untergebracht – fürs unkomplizierte Bestellen von diversen Kaltgetränken.

Eberhard Sennhenns Lädchen öffnete über viele Jahre täglich um 16.30 Uhr und machte gegen 18 Uhr wieder zu. Hier konnten die Röhrdaer nicht nur Getränke holen, sondern das Lädchen mit seinen beiden kleinen Räumen war auch Treffpunkt des Dorfes.

„Viele, vor allem Männer, waren froh, dass sie hier noch ungeduscht ihr Feierabendbierchen trinken konnten“, erzählt er. Manchmal sei es regelrecht eng in dem Raum geworden, der eher einer Garage gleicht, an dessen Wänden sich aber Bier- und Wasserkisten stapeln statt Reifen und Werkzeug.

Das alles tut der Gemütlichkeit keinen Abbruch, denn ein Stapel aus feuerroten Kisten mit der Aufschrift „Bizzle“ und einige Kisten-Türme des Eschweger Klosterbräus sind mit aufgeklebten Polstern zu Sitzen umfunktioniert. Ein Stehtisch mit Aschenbecher fehlt auch nicht. Für kalte Tage gibt es ein kleines Gasöfchen, eine Spende von Kunden, inklusive der Gasflasche.

Der benachbarte Verkaufsraum scheint in den 1950er-Jahren stehen geblieben zu sein – die Registrierkasse auf dem Holztisch, und für die Kinder aus dem Dorf hat Sennhenn immer eine Tüte Gummibärchen im Regal.

Viele Menschen haben sich unterdessen bei Sennhenn für all die Jahre bedankt, so wie Julian Larbig: „Ich hatte das Glück, einer dejenigen mit den Gummibärchen und dem AKE in der Pfarrscheune gewesen zu sein“, schreibt er.

Aufgeben muss Eberhard Sennhenn, der den kleinen Getränkemarkt als eine Art Außenstelle des Eschweger Marktes Rabe betrieb, weil sein Lieferant dicht macht „Erst vor acht Tagen, habe ich erfahren, dass Rabe zum 1. August schließt und nicht, wie ursprünglich geplant, zum Ende des Jahres“, erzählt Sennhenn. Die Idee, sich selbstständig zu machen, habe er verworfen.

Sennhenn kann seinem Abschied aber auch Gutes abgewinnen. „Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl“, sagt er. Denn das Herz des 59-Jährigen, der Vollzeit bei Iwis-Antriebstechnik in Sontra arbeitet, macht Sperenzchen. „Ich ziehe jetzt einen Schlussstrich, damit ich auch noch ein paar Jahre mit meiner Frau haben kann.“ (Stefanie Salzmann)

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