Die Dorfkirche von Grandenborn: Bänke wie im Theater

Kirche Grandenborn
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Thront erhaben über dem Dorf: Die reformat orische Kirche im Ringgauer Ortsteil Grandenborn aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Deutlich älter als Kirche und der Ort selbst ist der Turm, der aus dem 12. Jahrhundert stammt, wie Pfarrerin Andrea Kaiser berichtet.  

Die Dorfkirche von Grandenborn ist ein erhabenes Gebäude, sie stammt aus dem 19. Jahrhundert, der Turm ist allerdings um die 800 Jahre alt. 

Grandenborn – Die Kirche Grandenborns ruht mächtig über dem Dorf und lässt den Blick des Besuchers großzügig über die Weiten des Ringgau-Plateaus schweifen. Ein für die Region häufig anzutreffender und typischer klassizistischer Bau aus der Feder des Architekten Johann Friedrich Matthei oder einem seiner Schüler – das ist nicht exakt dokumentiert. Nach dem Abriss der alten Grandenbörner Kirche wird das Gotteshaus 1840 nach den Plänen des Architekten errichtet.

Turm aus dem 12. Jahrhundert  

Romanisch sind die Bögen des Turmfensters.

Allerdings deutlich älter, nämlich um die 800 Jahre ist der Turm – gut zu erkennen an der rückwärtigen Seite an seinen romanischen Fenstern und Säulen. Lediglich die Turmhaube wurde 1798 neu aufgesetzt. Damit ist der aus dem 12. Jahrhundert stammende Turm sogar älter als Grandenborn selbst, das erst 1270 erstmals urkundlich erwähnt wird.

Mechanische Turmuhr

Doch der Turm birgt noch eine Rarität: ein voll mechanisches Uhrwerk, das die Turmuhr antreibt und gut sichtbar in einem Glasschrank sitzt. Der Mechanismus löst auch den Stundenschlag der Glocken aus, was allerdings etwas problematisch ist, zumal das Uhrwerk nicht ganz exakt läuft. „Wir müssen immer darauf achten, dass Stundenglocke und das Läuten nicht gleichzeitig stattfinden, davon könnten die Glocken Risse bekommen“, erzählt Pfarrerin Andrea Kaiser, die deshalb schon manchmal mit dem Start der Gottesdienste in Verzug gerät.

Von dem massig wirkenden Korpus der Kirche mit über zwei Etagen verlaufenden hohen Fenstern darf allerdings nicht auf ihr Inneres geschlossen werden. Über den Seiteneingang führen einige Stufen in den überraschend kleinen Hauptraum, wo sich wie in einem Theater die Kirchenbänke terrassenartig um den Altar gruppieren. Allerdings gibt es eine großzügige mehrreihige Empore, auf der sich auch die Orgel befindet.

Wenig Schmuck im Inneren, dafür Bibelsprüche

Wie im Theater: Die Kirchenbänke sind terrassenförmig um Altarraum angeordnet.

Wie üblich in reformatorischen Kirchen gibt es keine Bilder und wenig Zierrat. Lediglich die Kassetten der Empore sind mit Worten aus der Bibel bemalt. „Das sind alles Sprüche der Ermahnung“, sagt die Pfarrerin. Wem im Gottesdienst langweilig sei, könne dort lesen.

Während die Kanzel und deren Schalldeckel aus der Erbauungszeit der Kirche stammen, sind Taufstein und Altar schmucklose Körper, und wurden bei einer Renovierung in den 1980er-Jahren hier aufgestellt. Über dem Altar ist zu lesen: „Jesus Christus gestern und heute derselbe auch in Ewigkeit“.

Das Kirchenpatronat lag ursprünglich beim Stift Hersfeld, wurde jedoch im 16. Jahrhundert von den von Boyneburg-Bischhausen und Laudenbach dem Stift entrissen und in die eigenen Hände gebracht. Der nahegelegene Familiensitz derer von Boyneburg, die namensgleiche Boyneburg, ist heute eine Burgruine.

Jeden zweiten Sonntag wird in der Kirche von Grandenborn Gottesdienst gefeiert. Seit 2013 gehört die Kirchgemeinde zum Kirchspiel Netra/Renda. Die Gemeinde hat etwa 200 Mitglieder.

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