Eine Scheidung aus Liebe

Wilhelm Rixkens begibt sich auf Spurensuche der Familie Löbenstein

Datterode. Die Familiengeschichte des Lehrers Wilhelm Rixkens aus Bonn ist reich an Dramatik – und untrennbar mit dem Ringgauer Ortsteil Datterode verknüpft.

Dort begab sich Rixkens nun auf Spurensuche, tatkräftig unterstützt von den Mitgliedern des Heimatvereins Datterode.

„Über Jahre haben wir die Geschichten der Datteröder Juden aufgearbeitet und konnten unserem Gast so wertvolle Hinweise geben“, sagt Thomas Beck, Vorsitzender des Heimatvereins. So sei insbesondere der Name Löbenstein nach wie vor ein Begriff im Ort. Besonders interessiert zeigte sich Rixkens an Siegmund Löbenstein, Großvater seiner Ehefrau Karin.

Schutz der Familie 

„Der gebürtige Datteröder Löbenstein studierte Jura in Straßburg und ließ sich als Rechtsanwalt und Notar nieder“, weiß Beck zu berichten. Geheiratet habe er Luise Strobel, eine Christin. „Nach der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten verlor Siegmund Löbenstein alle Zulassungen und Ämter“, sagt Beck. „Er musste sich absetzen und Deutschland via Antwerpen, wo er als Arbeiter im Hafen seinen Lebensunterhalt verdiente, in Richtung USA verlassen.“

Dort traf Löbenstein die wohl schwerste Entscheidung seines Lebens: Um seine Ehefrau und die beiden gemeinsamen Kinder zu schützen, ließ er sich scheiden. „Obwohl es paradox klingt, schützte Löbenstein seine Familie so vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten“, sagt Beck. Die schlug sich nun unter widrigsten Umständen durch die Wirren der Kriegsjahre. Laut den Nachforschungen des Heimatvereins Datterode gibt es Hinweise, dass die Kinder als sogenannte „Halbjuden“ inhaftiert wurden.

Siegmund Löbenstein

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft kehrt Siegmund Löbenstein schließlich zurück nach Deutschland. Er wird vom Jewish Trust als Advokat angestellt und kümmert sich um verwaistes jüdisches Eigentum. Unter anderem ist er für Karl Pfifferling, einen immigrierten Datteröder, tätig und erwirkt eine Entschädigung für dessen Familie. „Und im Jahr 1948 heiratet er auch seine Luise wieder“, sagt Beck.

Tochter Margot schenkte ihnen eine Enkeltochter, Karin. Diese wurde als Soziologin Lehrerin und heiratete den Lehrer Wilhelm Rixkens in Bonn.

Durch den Besuch Rixkens habe sich nun der Kreis geschlossen, sagt Beck. Dass der Besucher aus Bonn überdies Fotos und Unterlagen der Familie Löbenstein mitbrachte und für das Archiv des Heimatvereins zur Verfügung stellte, sei eine große Geste. (esp)

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