Emotionen inklusive

Familie Pfifferling aus Chile besucht den Heimatort ihrer Vorfahren

Erinnern sich auf dem jüdischen Friedhof zu Netra vor den Gräbern der Vorfahren: Gonzalo Pfifferling mit seinen Söhnen Julio, Raul und Leon (großes Foto). Im Besitz der Chilenen sind immer noch alte Bilder aus Datterode – wie das des Großvaters Julius auf seinem Motorrad (kleines Foto). Fotos: HVD

Datterode. Wahre Detektivarbeit haben die Mitglieder des Heimatvereins Datterode geleistet: Im Zuge ihrer Recherchen zur jüdischen Dorfgeschichte sind sie jüngst auf die dritte Generation einstiger „Gänsekerle“ – so der Spitzname der Bewohner des Ringgauer Ortsteils – gestoßen, die nun im südamerikanischen Land Chile heimisch ist.

In dieser Woche folgte ein Besuch der weitgereisten Gäste in der Heimat ihrer Vorfahren – große Emotionen inklusive.

Die Vorgeschichte

Anfang der 1930er-Jahre lebte die sechsköpfige jüdische Familie Pfifferling in Datterode. Laut dem Melderegister der Gemeinde emigrierte die Tochter Ilse Pfifferling 1934 in die Schweiz. Ein Jahr später folgte ihr Schwester Hilde. Als Letzter verließ Julius Pfifferling 1938 das Dorf – nicht ohne vorher das Haus der Familie an der Hintergasse, heute Brunnenstraße, ordentlich zu verschließen. Er immigrierte vom französischen Boulogne mit dem Schiff über Argentinien nach Santiago de Chile. Dort heiratete er, gründete eine Familie und ließ sich nieder.

Die Recherchen

Im Zuge der Recherchen stießen die Mitglieder des Heimatvereins Datterode (HVD) auf einen „Alberto Pfifferling“ bei einem Golfclub in Santiago de Chile. Da der Vater von Julius den Vornamen Albert trug, lag die Vermutung nahe, dass ein Enkel den Namen des Großvaters, im Spanischen „Alberto“, erhalten hatte. Kurzerhand wurde der Golfclub angeschrieben, und der HVD erhielt eine Antwort des Alberto Pfifferling. Er bestätigte, dass er der Sohn des Julius Pfifferling sei. Seit dieser Zeit stehen die Mitglieder des HVD in Kontakt mit der Familie. Gonzalo Pfifferling, Sohn von Alberto, nutzte nun seinen Europa-Aufenthalt, um mit seinen Söhnen Julio, Raul und Leon den Ort der Vorfahren zu besuchen.

Der Besuch

Die Familie besuchte das Haus der Vorfahren. Für Gonzalo ein bewegender Moment – wusste er doch, dass sein Großvater, zu dem er ein inniges Verhältnis hatte, den Hof in der damaligen Hintergasse als Letzter verlassen hatte. Die Familie besitzt heute noch Fotos, die Haus und Hof zeigen. Darunter ist auch eines, das Großvater Julius auf seiner 200er DKW, dem ersten Motorrad in Datterode, samt seiner Mutter Toni als Sozia zeigt.

Das Geschenk

Als besonderes Erinnerungsstück nehmen die Pfifferlings einen Messingleuchter aus dem Bestand des HDV mit nach Chile: Diesen hatten ihre Vorfahren in den 1930er Jahren ihrer Nachbarin Elfriede Neusüß geschenkt.

 

Von Emily Spanel

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