Zeitzeuge Arthur Iba aus Grandenborn erinnert sich 

Emotionen pur bei der Grenzöffnung zwischen Rittmannshausen und Ifta 

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Menschenmassen drängen sich aneinander: Zur Grenzöffnung zwischen Rittmannshausen und Ifta spielen Musikgruppen auf, und die Menschen feiern ausgelassen gemeinsam.

Vor 30 Jahren wurde die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet. Wir blicken zurück und sprechen mit Zeitzeugen über die bewegenden Tage im Herbst 1989.

Major Lemm (DDR) überreicht einem Grenzschutzbeamten ein Stück Grenzzaun.

Die frühen Morgenstunden des 18. Novembers 1989 waren klirrend kalt. Eisige minus sechs Grad Celsius zeigte das Thermometer in der Gemeinde Ringgau; die Atemluft gefror zu kleinen Eiskristallen. Welch Kontrast zu der aufgeheizten Stimmung der Menschentraube, die sich dicht an dicht in die Flur der Ortsteile Lüderbach und Rittmannshausen drängte, aufgeregt und aufgeladen mit Emotionen.

„Die innerdeutsche Grenze sollte geöffnet werden, um Punkt sechs Uhr morgens. Diese Nachricht hatte sich in den Tagen zuvor wie ein Lauffeuer verbreitet“, erinnert sich Zeitzeuge Arthur Iba aus Grandenborn. Noch so präsent, als sei es gestern gewesen, sind seine Erinnerungen an diesen Tag – auch heute noch, 30 Jahre später. Wie könnte er auch die fast unwirklichen Szenen puren Glücks vergessen, die Freude der Menschen aus Ost und West, sich nach Jahren der Teilung wieder in den Armen zu liegen.

Das scheinbar Unmögliche wird wahr 

Grenzöffnungsfeier am ersten Abend: Auch Arthur Iba (Zweiter von rechts) und Ehefrau Renate (Dritte von rechts) sind in Ifta mit dabei. 

Auch Arthur Iba hielt es an diesem historischen Tag nicht zuhause in Grandenborn – mit seiner Kamera im Gepäck machte er sich auf in Richtung Rittmannshausen und Ifta, um das scheinbar so Unmögliche mit eigenen Augen wahr werden zu sehen. „Und tatsächlich – gegen 5.57 Uhr nährten sich der Bürgermeister aus Ifta, ein Parteisekretär sowie die Abschnittsbevollmächtigten dem Grenzübergang“, erinnert sich Arthur Iba – „und um Punkt 6 Uhr schüttelten sich Ringgaus Bürgermeister Herbert Grüneberg und Iftas Bürgermeister Neumann die Hände.“

Eine Bildplakette von allen Ortsteilen der Gemeinde Ringgau gab es als erstes Geschenk nach der Grenzöffnung – die gemeinsame Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in Eintracht war selbstverständlich.

Die Grenzöffnung, die anschließende gemeinsame Feier – diese einmaligen Ereignisse scheinen durch ihre Vorgeschichte noch wertvoller. Denn schon einmal, vier Tage zuvor, hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass die Grenze zwischen Hessen und Thüringen, Rittmannshausen und Ifta, geöffnet werden solle. „Die Ringgauer Bürger, angeführt durch Musiker und die Mitglieder des Posaunenchors, versammelten sich am 14. November am Grenzadler rund um ein Lagerfeuer“, erzählt der Grandenbörner. Auch von Thüringer Seite habe man Musik und laute Rufe aus Richtung Wolfmannsgehau wahrnehmen können. „Nach mehreren Stunden des Ausharrens aber mussten wir das Feld räumen – ohne etwas erreicht zu haben, ohne das Wunder der Grenzöffnung erlebt zu haben“, sagt Arthur Iba.

Graben zugeschüttet 

Der Grund für die vereitelte Öffnung war ein tief ausgehobener Graben auf Thüringer Seite, der ein Verlassen der DDR mit Autos oder Lastwagen unmöglich gemacht hätte. „Dieser Graben wurde in den folgenden Tagen zunächst von DDR-Lastwagen und dann von Dreiachsern aus dem Werra-Meißner-Kreis mit Schotter aufgefüllt und verdichtet.“

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