Geschreinert für die Einheit 

90-jähriger Röhrdaer baut neues Gipfelhaus für Heldrastein

Ein Mann steht unter einem hölzernen Dach, vor einer Schautafel.
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In seiner Werkstatt in Röhrda hat der 90-jährige Karl Krapf jetzt das neue Gipfelhaus für den Heldrastein gebaut, damit dort oben zur Jubiläumsfeier zur Wiedervereinigung am Samstag alles schick ist.

Wie viele Treppen Karl Krapf in seinem Leben schon gebaut hat, kann er gar nicht mehr zählen. Das sind viele, denn Karl Krapf, der Schreiner aus Röhrda, ist 90 Jahre alt. Doch seine Schreinerwerkstatt am Anger in Röhrda hat der rüstige Rentner immer noch, und jetzt hat er einen wichtigen Beitrag zur Deutschen Einheit geleistet.

Röhrda/Heldra – Damit für die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung am kommenden Samstag, 3. Oktober, auf dem Heldrastein alles tip top ist, hat der 90-Jährige ein neues Häuschen für das Gipfelbuch des Heldrasteins gebaut.

Ringgaus Bürgermeister Mario Hartmann hatte Krapf auf der Straße getroffen und gefragt, ob er nicht das alte Gipfelhaus, an dem der Zahn der Zeit schon arg genagt hatte, reparieren kann. „Aber zahlen kann ich dir nix“, hatte der Bürgermeister der klammen Gemeinde gleich dazugesagt.

„Gibt es nur Gottes Lohn für.“ Der reichte Krapf. „Aber ich habe gerade bei meinem Sohn eine Treppe gebaut, da dachte ich, die mach ich erst mal fertig“, erzählt Krapf, der über sich sagt: „Ich bin ein Tischler mit Liebe.“

Aber dann legt Krapf sich volle vier Tage ins Zeug und baut das Häuschen auf den Millimeter exakt in seiner Werkstatt nach. „Das alte war nicht mehr zu reparieren“, sagt er. Für den Neubau verwendet er Lärchenholz, denn das muss nicht versiegelt werden. Akkurat gearbeitet steht die gesamte Konstruktion in Krapf Werkstatt. Das frische Holz leuchtet und duftet.

Gestern musste Krapf noch letzte Arbeiten an dem Gipfelbuchhaus verrichten. Mithilfe eines befreundeten Dachdeckers haben die beiden Männer noch Dachpappe aufgebracht und eine Metallschiene zum Schutz angesetzt. Heute Morgen wurde das Gipfelhaus abgeholt und auf den Heldrastein gebracht.

„Vom Können her war das nix“, sagt Krapf, dennoch ist er stolz auf sein Werk. „Ich hab schon immer viel für die Gemeinde gemacht, vor allem als ich jung war“, erzählt er. Zum Beispiel baute er einen Schrank im Dorfgemeinschaftshaus von Röhrda, der von Wand zu Wand reicht und in dem jeder Verein des Dorfes sein eigenes Fach hat. Auch das Mühlrad, das auf dem Anger von Röhrda an die Geschichte des einstigen Mühlendorfes erinnert, stammt aus Krapf Werkstatt.

Wer in Ringgau den agilen Schreiner treffen möchte, muss einfach nur auf sein feuerrotes, motorisiertes Dreirad achten, dass täglich durchs Dorf rattert.

Mit dem hat sich Karl Krapf seine Mobilität auch im hohen Alter erhalten können. „Damit fahre ich nach Datterode zum Einkaufen, in meine Werkstatt oder besuche meine Verwandten im Dorf“, sagt er. Zwar fahre der rote Flitzer nur 20 Kilometer pro Stunde. „Aber das reicht mir.“ Als Krapf seinen 80. Geburtstag feierte, habe er sich geschworen, dass er mit 90 seinen Autoführerschein abgibt. Das hat er auch getan. Seine Schreinerei jedoch wird er nicht aufgeben.

(Von Stefanie Salzmann)

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