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Gesundheitsamt fordert: Ringgau muss Trinkwassernetz sanieren

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Von: Stefanie Salzmann

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Marode und baufällig: Der Hochbehälter im Ringgauer Ortsteil Lüderbach stammt aus dem Jahr 1928. Das Gesundheitsamt droht mit Stilllegung.
Marode und baufällig: Der Hochbehälter im Ringgauer Ortsteil Lüderbach stammt aus dem Jahr 1928. Das Gesundheitsamt droht mit Stilllegung. © Gier/ Rother & Partner

Die Gemeinde Ringgau muss schleunigst mit der Sanierung ihres Wasserversorgungsnetzes beginnen. Das Gesundheitsamt hat sich bereits eingeschaltet.

Ringgau – Dabei geht es vor allem um die beiden alten und maroden Hochbehälter in Rittmannshausen und Lüderbach. Für die beiden Bauwerke droht das Gesundheitsamt des Kreises eine mögliche Stilllegung zum Schutz der Einwohner an.

Beanstandungen an Hochbehältern im Ringgau

„Die Hochbehälter sind inzwischen derart marode und abgängig, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass die Befundungen und Beprobungen der Wasserkammern mikrobiologisch zu beanstanden sind“, heißt es in einem Schreiben des Kreisgesundheitsamtes an die Gemeinde. Zugleich kündigt die Behörde an, die Hochbehälter dann zum „Schutz des Gemeinwohles aus der Versorgung zu nehmen“.

Bereits 2017 war durch ein Ingenieurbüro ein Konzept zur Erneuerung der Wasserversorgung in Ringgau erstellt worden, dass dann zwei Jahre später auch dem Gesundheitsamt zuging. Auch Wasserversorger EAM hatte eigenen Angaben zufolge die Gemeinde immer wieder auf den schlechten Zustand der Hochbehälter aufmerksam gemacht, allerdings keine Handlungsanweisung von der Gemeinde bekommen. „Wir haben auch als EAM immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein Konzept gibt. Aber nichts ist passiert“, sagte Udo Wetzel von der EAM.

Nun muss das vorliegende Sanierungskonzept in die Tat umgesetzt werden. Darüber war sich auch der Bauausschuss der Gemeinde am vorigen Donnerstag einig. „Aufschub gibt es jetzt nicht mehr“, sagt Ramona Brenk von der SPD, die auch Ortsvorsteherin von Lüderbach ist. Hans Hartmann von der ÜWG sagte: „Es ist fünf vor zwölf“. Die Gemeindevertretung muss am kommenden Donnerstag darüber entscheiden, ob die Gemeinde die Mittel dafür in den Haushalt 2023 und die Folgejahre einstellt.

Die Probleme an den Hochbehältern

Die Wassergewinnungsanlagen Quellsammelschacht und Hochbehälter Lüderbach stammen beide aus dem Jahr 1928 und sind in baulich schlechtem Zustand. Ebenso der Hochbehälter in Rittmannshausen aus dem Jahr 1954, der nur als Gegenbehälter betrieben wird – mit der Folge, dass es keinen durchgängigen Wasseraustausch gibt und dadurch gefährliche Keime entstehen können. Rittmannshausen wird im Moment ausschließlich über Netra mit Trinkwasser versorgt, weil die Leitung von der Quelle Renda ebenfalls wegen baulicher Mängel außer Betrieb ist.

Doch auch im Tiefbrunnen Netra sinkt inzwischen der Wasserspiegel in Trockenphasen deutlich ab, und auch die Transportleitungen aus Renda zum Hochbehälter Renda sind marode und müssten erneuert werden.

Die Ziele der Gemeinde

Die Hochbehälter Lüderbach und das Pumpwerk Renda sollen außer Betrieb genommen werden. Für Renda und Lüderbach sollen neue Sammelbehälter sowie für Lüderbach und Rittmannshausen neue Druckerhöhungsanlagen gebaut werden. Weiterhin sieht das Konzept vor, eine Transportleitung von Pumpwerk Renda zum Pumpwerk Rittmannshausen auf einer Länge von knapp drei Kilometern zu bauen. Der Hochbehälter Rittmannshausen soll außer Betrieb genommen werden, der Tiefbrunnen Netra entlastet werden. Bei Bedarf soll das Wasser aus dem Quellgebiet Renda und Lüderbach in das Ortsnetz von Netra gespeist werden.

Die Kosten für die Sanierung

Nach jetzigen Schätzungen würden alle Baumaßnahmen etwas mehr als zwei Millionen Euro kosten. Hinzu kämen noch mal 400 000 Euro für eine Erneuerung der Wasserleitung vom Pumpwerk zum Hochbehälter Renda. Geprüft werden muss, ob sich die Sanierung auch auf die Wassergebühren auswirken wird.

Die Umsetzung

„Das ist wie eine Operation am offenen Herzen; wir sprechen hier von Wasser als Lebensmittel“, sagte Stefan Gier vom Eschweger Ingenieurbüro Rother und Partner. Die Leistungen müssen ausgeschrieben werden, Planung und Teile der Umsetzung könnten, so Gier, ab kommenden Jahr bereits parallel laufen, sodass die Sanierung des Ringgauer Trinkwassernetzes eventuell innerhalb der nächsten fünf Jahre abgeschlossen sein könnte. Rother und Partner prüft derzeit bereits im Auftrag der Gemeinde, ob das alte Konzept aus 2017 noch aktuell ist. (Stefanie Salzmann)

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