Heimatgefühl statt Hektik

Astrid und Thomas Holzapfel aus Hamburg schätzen die Lebensqualität im Ringgau

Ein Hauch von Hamburg darf nicht fehlen – hier in Form ihres liebsten Schiffsmodells: Thomas und Astrid Holzapfel auf der Treppe zur „Werft“. So bezeichnen sie liebevoll die Werkstatt, die sie sich in einem Nebengebäude ihres Fachwerkhauses eingerichtet haben. Foto: Spanel

Netra. Ein Hauch hanseatischer Kultiviertheit weht durch das urige Fachwerkhaus an der Netraer Brauhausstraße: Filigrane Schiffsmodelle finden sich hier ebenso wie schwere Sekretäre aus dunklem Holz; ausgesuchte Antiquitäten fügen sich perfekt in das sonst so traditionell-nordhessische Ambiente ein.

„Wir haben uns schließlich auch nicht gegen unsere langjähige Heimat Hamburg entschieden“, sagt Thomas Holzapfel, „sondern für Netra.“

Seit dem Jahr 2011 lebt das Ehepaar in dem Ringgauer Ortsteil – und fühlt sich angekommen. Nun „endlich alle Zeit der Welt“ zu haben, sei ein großes Geschenk, das ihnen mit dem Umzug zuteil geworden sei, sagt Astrid Holzapfel. So empfinde sie den Wechsel zwischen dem Leben in der pulsierenden Millionen-Metropole Hamburg und dem idyllischen Fachwerkort Netra auch nicht als Bruch: Entschleunigen, weg sein von der Hektik der Stadt – „das bedeutet Lebensqualität“.

„In Netra geben wir unseren Jahren mehr Leben.“

Ganz bewusst haben sich die Holzapfels dafür entschieden, ihr großes Anwesen mit parkähnlichem Grundstück in einem Hamburger Vorort aufzugeben.

Auf verwunderte Nachfragen reagiert Thomas Holzapfel, lange Zeit für ein internationales Versicherungsunternehmen tätig, mit der für ihn typischen hanseatischen Gelassenheit: „In Netra geben wir unseren Jahren mehr Leben.“

Denn arbeiten, nur um Haus und Garten zu halten, sei weder für ihn noch für Einrichtungsberaterin Astrid Holzapfel eine Option gewesen. Auch die vier Kinder des Paares, die mittlerweile im ganzen Bundesgebiet verstreut leben, müssen nicht auf die Eltern verzichten: „Der Ringgau liegt in der Mitte Deutschlands – für Besuche ist das einfach ideal“, sagt der 62-Jährige.

Die ruhige Schönheit der Gegend mit den bewaldeten Hügeln ist den Holzapfels, die in diesem Jahr ihren zehnten Hochzeitstag feiern, zudem nicht fremd. Thomas Holzapfels Vater stammt aus Rambach, dem kleinsten Ortsteil Weißenborns.

„Wirklich überrascht“, sagt Astrid Holzapfel, „hat uns aber die unverstellte Herzlichkeit, mit der wir hier aufgenommen worden sind.“ Für einen kurzen Einkauf oder den Gang mit dem Hund brauche er schon einmal etwas länger, ergänzt Thomas Holzapfel: „Gern bleibe ich auf einen Plausch stehen – und genieße es. Die Anonymität der Stadt fehlt hier komplett.“

Die Menschen seien interessiert aneinander; gute Gespräche entwickelten sich wie selbstverständlich. „Eine solche Fülle an wertvollen Sozialkontakten hatten wir noch nie“, ergänzt Astrid Holzapfel.

Von Emily Spanel

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