500 Kilo pure Sanftmut

Weißenborner Ehepaar züchtet seltenes Rätisches Grauvieh

Lassen sich die Streicheleinheiten gut gefallen: Kuh Betty (links) und Stier Nino. Ihre Besitzer Michaela und Gerhard Döring achten bei der Zucht penibel auf ein sanftes Wesen. Zurzeit stehen die insgesamt 14 Tiere auf zwei Weiden bei Weißenborn. Foto: Spanel

Weißenborn. Unterwegs wie zu alten Zeiten: Statt Pferden spannt Gerhard Döring Rinder vor seine Kutsche. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela hat sich der Weißenbörner der Zucht des handzahmen Rätischen Grauviehs verschrieben - als einer von nur sechs Züchtern in Deutschland.

Das Geläut der Schweizer Kuhglocke kündigt Zucht-Stier Nino schon an, bevor er überhaupt zu sehen ist. Mächtig und erhaben schreitet der eisengraue 500-Kilo-Koloss über die Weide, die nur einige Meter außerhalb Weißenborns gelegen ist. Nino folgt den Rufen seines Besitzers Gerhard Döring, der gemeinsam mit Ehefrau Michaela am Weidezaun lehnt. „Umgänglichkeit und Menschenbezogenheit zeichnen unser Rätisches Grauvieh aus“, sagt Döring, während er dem handzahmen Nino zu dessen höchster Zufriedenheit ausgiebig den Nacken krault.

Das Ehepaar Döring hat sich seit elf Jahren der Zucht der seltenen Schweizer Rinderrasse Rätisches Grauvieh verschrieben. Nur sechs Züchter gibt es im gesamten Bundesgebiet. Gerhard Döring hat sich im Laufe der Jahre als Experte und Ansprechpartner in Sachen Zucht und Beurteilung etabliert.

Schweizer Postkartenidyll

Von Weitem wirkt die Wiese des Weißenbörner Ehepaars wie ein Schweizer Postkartenidyll: Neben Nino weiden hier noch silbergraue Mutterkühe, um sie herum springen Kälber. „Bonsaikühe“, sagt Döring, würde das Rätische Grauvieh oft scherzhaft genannt. Grund ist die vergleichsweise geringe Widerristhöhe der Tiere: Nur 1,27 Meter hoch werden sie.

Mit der Kutsche und traditionellem Gewand unterwegs auf Mittelaltermärkten: Michaela (links, als Nonne) und Gerhard Döring (rechts, als Mönch) nutzen die Plattform, um das Grauvieh in Deutschland bekannt zu machen. Foto: privat/nh

Genau dieses Maß überzeugte die Dörings, im März 2005 eine hochtragende Kuh und ein gedecktes Rind aus der Schweiz nach Weißenborn zu importieren. Die Tiere sollten gemeinsam mit den Pferden der Familie auf einer Weide gehalten werden. „Denn das ist die beste Weidebewirtschaftung, die es gibt“, sagt der gelernte Metzger. Was die Pferde nicht abweideten, verzehrten die Rinder – und umgekehrt. Auf mittlerweile 14 Tiere ist die Döringsche Herde nun angewachsen.

Aus „reinem Blödsinn“ sei 2006 die Idee entstanden, die zahmen und genügsamen Tiere auch anzuspannen. „Doch es funktioniert hervorragend“, sagt Döring und lacht. Bis zu 16 Wochenenden im Jahr ist das Weißenborner Ehepaar nun wie zu alten Zeiten unterwegs – auf Mittelalter- und Bauernmärkten, landwirtschaftlichen Veranstaltungen und regionalen Festen.

Sogar Hochzeitspaare haben sie schon in ihrer vom Rätischen Grauvieh gezogenen Kutsche zur Trauung gefahren, und auch das jährliche Holzrücken wird mit Hilfe der belastbaren Tiere erledigt. „Das machen die Kühe mindestens genauso gut wie Pferde“, sagt Michaela Döring. Ihre Erfahrungen teilt das Ehepaar gern. „Wir sind immer ansprechbar“, sagen die Weißenbörner, die schon auf der Grünen Woche in Berlin die Werbetrommel für das Rätische Grauvieh rührten.

Weitere Informationen haben sie auf ihrer Homepage zusammengestellt: www.erlebnis-agentur.de

Von Emily Spanel

Weißenborner Familie Döring züchtet Rätisches Grauvieh

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