Michael Renke aus Röhrda steht am Freitag als Mainzer Hofsänger live auf der Bühne

Probesingen vor Millionenpublikum

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In der Faschingszeit sind die Mainzer Hofsänger rund um die Uhr gebucht - und der Ringgauer Michael Renke ist immer mit dabei (Zweiter von links).

Röhrda. Zwei Zufälle waren es, die den Handballer Michael Renke zum Singen gebracht und den Faschingsverächter Renke zum Mitglied der Mainzer Hofsänger gemacht haben. Am Freitag ist der 38-jährige Mann aus Röhrda in der Live-Sendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ auf der Bühne zu sehen.

Eine schwere Verletzung hatte ihn im Alter von 20 Jahren gezwungen, die Handballschuhe an den Nagel zu hängen. In das klaffende Hobbyloch stürmte Renkes Onkel, begeisterter Chorsänger, und nahm ihn mit zu einer Probe. Renke probierte es und kam an. „Ich habe von Natur aus eine sehr tragende Stimme“, sagt er. Mitglied wurde er im Chor „Viva la Musica“, im Männergesangverein Breitau und im Jungen Chor Herleshausen. Die klassischen, anspruchsvollen Chorsätze reizten ihn immer mehr.

1999 zog der gelernte Physiotherapeut des Berufes wegen nach Wiesbaden. Wieder durch einen Zufall landete Renke dort in einem Amateurtheater, wo der musikalische Leiter schnell seine talentierte Stimme entdeckte und ihm eine Gesanglehrerin empfahl. In seiner Freizeit begann Michael Renke eine professionelle Ausbildung in klassisch-italienischem Operngesang. Puccini, Verdi, Wagner - Renke wurde zum dramatischen Tenorsolisten. Ein Chor kam für ihn nicht mehr in Frage.

Bis ein Freund kam und ihn zu einem Konzert der Mainzer Hofsänger mitnahm. „Der Klang faszinierte mich“, erinnert sich Renke. Bei den Hofsängern hat jeder eine ausgebildete Stimme. „Und das hört man“, sagt Renke. Im Juni 2012 dufte er vorsingen. Jetzt ist er Hofsänger auf Probe, bis zum Abschluss der Faschingskampagne. Dann wird endgültig abgestimmt.

60 Faschingsauftritte hat der Chor vom 4. Januar bis Faschingssonntag, in der Spitzenzeit sieben an einem Tag. „Da lernt man, Fasching zu mögen“, sagt Renke und lacht. Es ist die Art, wie leidenschaftlich die Mainzer den Karneval leben, die ihn fasziniert. Weniger der Fasching an sich. Denn die Mainzer Hofsänger können auch anders: Das ganze Jahr über haben sie Auftritte, weltliche und kirchliche. Ganz ohne bunte Kostüme und Faschingsschlager.

Am Freitag hat er seinen ersten Auftritt vor Millionenpublikum. Doch aufgeregter als er selbst sind seine Eltern, Werner und Anita Renke. Sie wollen auf jeden Fall einschalten.

ARD, Freitag, 20.15 Uhr

Von Stefanie Müller

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