Rasenmäher auf vier Beinen

200 Ziegen leben in der Herde von Ringgaus Revierförster Ekkehard Rogée 

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Netra. Sie sind so etwas wie vierbeinige Rasenmäher – auch wenn dieser Vergleich den gewitzten Ziegen längst nicht gerecht wird.

200 Tiere zählt die Herde von Ringgaus Revierförster Ekkehard Rogée und seiner Ehefrau Ingrid Schröder zu Spitzenzeiten in den Sommermonaten. Von den Höhen des Ringgaus bis hinab nach Rotenburg, im Fuldatal bis nach Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis) sind sie unterwegs – eine Herde, die an Größe und zurückgelegter Kilometerzahl in ganz Nordhessen ihresgleichen sucht.

„Ziegen sind perfekte Landschaftspfleger“, sagt Förster Ekkehard Rogée mit einem Lächeln. Eingesetzt werden seine Tiere in der Hauptsache, um Magerrasen zu beweiden – eine Ideallösung. „In unserer Region sind die Magerrasenflächen klein, oft nur unter einem Hektar groß, und liegen bis zu fünf Kilometer voneinander entfernt“, erklärt Ekkehard Rogée. Was für Schäfer mit ihren Herden zu aufwendig und unwirtschaftlich ist, das ist für die Ziegen genau das Richtige. Denn auch an den unwirtlichsten, mit Buschwerk, Dornen und Gestrüpp bewachsenen Hängen vertilgen sie Blattwerk, Brennesseln, sogar Disteln und Rinde. Dabei gehen die Tiere selektiv vor: Sie „mähen“ die Flächen nicht komplett ab, halten den Bewuchs klein, ohne Flurschaden anzurichten.

Zugute kommt Ekkehard Rogée und Ingrid Schröder die derzeitige Witterung. Eisig-klare Temperaturen mögen die Tiere und sind deshalb noch immer putzmunter in der Gegend rund um die Gemeinden Ringgau und Herleshausen unterwegs, anstatt im Stall überwintern zu müssen.

Anstrengend und mit mühevoller Arbeit ist das Umsorgen der Herde verbunden, daraus macht das Ehepaar Rogée-Schröder keinen Hehl. Dann etwa, wenn kiloschwere Zäune getragen, aufgebaut und installiert werden müssen – immer wieder aufs Neue. Aber: Die Freude, mit den Ziegen durch die Region zu ziehen, sei durch nichts zu ersetzen. „Das ist Urlaub, der direkt an der Haustür beginnt“, sagt Ingrid Schröder.

Und auch Passanten lassen sich nur zu gern von dem urigen Bilderbuchcharme der vorbeiziehenden Ziegenherde, eifrig im Zaum gehalten von den beiden Hütehunden Kira und Alf, verzaubern. „Wo auch immer wir sind, werden Handykameras gezückt. Sogar Autofahrer, die auf unseren kurzen Landstraßen-Passagen hinter den Tieren bleiben müssen, reagieren entspannt“, sagt Ekkehard Rogée.

Begonnen hat die Leidenschaft für die Ziegenhaltung im Übrigen vor gut 30 Jahren mit zwei Tieren. Produziert werden sollte eigene Ziegenmilch. Jahr für Jahr seien dann weitere Tiere dazugekommen – „und ein Höhepunkt eines jeden Jahres“, sagt Ingrid Rogée, sei nach wie vor die Geburt der neuen Lämmer im Frühjahr. Und bald darauf geht es schon wieder los – im Ziegentempo durch die Region.

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