Mehrere Fälle bekannt

Anzeige gegen Unbekannt: Leserbriefschreiber bekommt anonyme Drohungen per Post

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Lag vorigen Samstag im Kasten: Diesen Brief erhielt der Röhrdaer Bernd Schirrmacher. Doch zuvor haben bereits andere Männer aus der Gemeinde Ringgau ähnliche Post erhalten. 

Mehrere Ringgauer haben in den vergangenen Wochen Wochen anonyme Drohbriefe erhalten. Im Visier des Autors: Personen, deren Leserbriefe in der WR veröffentlicht wurden und Kritiker.

In der Gemeinde Ringgau treibt ein anonymer Drohbriefschreiber sein Unwesen. Bereits drei Personen aus der Gemeinde haben von dem Briefeschreiber bisher je ein- bis dreimal anonyme Post erhalten mit beleidigenden, aber zum Teil auch drohenden Inhalten. Dabei richten sich die Briefe an Personen, die sich entweder in Form von in der Werra-Rundschau veröffentlichten Leserbriefen oder auf andere öffentliche Weise zu Vorgängen in der Gemeinde Ringgau kritisch geäußert haben.

Jüngstes Ziel des Briefeschreibers ist der 70-jährige Ringgauer Bernd Schirrmacher. Vorigen Samstag fand der ehemalige Krankenpfleger in seinem Postkasten einen Brief folgenden Inhaltes: „Wenn ich Fissmann wäre, würde ich Ihnen jeden Tag eins auf die Schnauze schlagen, Sie zugezogener Dummschwätzer.“ Unterschrieben sind die Briefe stets mit „Ein Röhrdaer Mitbürger“.

Schirrmacher, der 1981 von Berlin nach Röhrda gezogen ist, hat bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet, macht sich aber keine großen Hoffnungen auf Aufklärung.

Doch Bernd Schirrmacher ist nicht das erste Opfer des geheimen Briefeschreibers gewesen. Im April und Mai erhielt auch Dr. Stephan Cortis, Mitglied der ÜWG und Erster Beigeordneter der Gemeinde, mehrere Briefe. „Die Inhalte waren vor allem beleidigende Sprüche“, sagt Cortis. Einem Brief sei auch ein Zeitungsausschnitt beigelegt gewesen.

Auch Thomas Holzapfel aus dem Ringgauer Ortsteil Netra hat im Juli und Oktober vorigen Jahres zwei Briefe erhalten, die inhaltlich und optisch denen von Cortis und Schirrmacher ähneln. Auch er wurde beleidigt. „Die Menschen im Ringgau benötigen keine Belehrungen eines zugezogenen Holzapfels, sie machen nämlich das, was sie wollen an dem Tag und zu der Stunde, wo sie es für sinnvoll und notwendig halten“, heißt es in dem ersten Brief. Ein zweiter Brief an Holzapfel war in Herleshausen abgestempelt worden.

Alle Briefe sind mit einer alten Schreibmaschine getippt, die lange nicht gereinigt wurde – zu erkennen an den Verdickungen bei Satzzeichen und Serifen. Auffällig ist auch, dass das Adressfeld oben rechts auf den Umschlag getippt wird. Denn der Briefeschreiber wirft seine Schreiben nicht persönlich ein, sondern investiert jeweils in eine Briefmarke.

„Entsetzt“ über die Vorgänge in seiner Gemeinde zeigt sich auch Bürgermeister Mario Hartmann. „Diese anonymen Schreiben sind eine ganz feige Art“, sagt er. „Da wäre eine offene Kommunikation sinnvoller, in welcher das Gegenüber auch Gelegenheit zur Äußerung hat.“ „Schändlich und feige“, nennt auch Reinhard  Sennhenn, Parlamentsvorsitzender im Ringgau, das Treiben. „Wer nicht den Mut hat, Leute offen anzusprechen, ist ein Feigling“, sagt der 74-Jährige.

Schreiber nutzt alte Schreibmaschine

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