Befreundet mit den Tieren: Woid Woife berichtet aus seinem Leben im Wald

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Steckt mit seiner mitreißenden Liebe zum Wald jeden an: Woid Woife (Wald-Wolfgang) alias Wolfgang Schreil aus Bodenmais hat am Sonntag in Datterode aus seinem Leben mitten im Wald erzählt, Fotos gezeigt und wunderbare Geschichten erzählt.

Wolfgang Schreil alias Woid Woife aus Bodenmais lebt seit Jahren im Einklang mit der Natur im Wald. Über seine Erlebnisse hat er ein Buch geschrieben, das er in Datterode vorstellte.

Es ist mucksmäuschenstill und spannungsgeladen im brechend vollen Saal des Marktwert in Datterode, als „Woid Woife“, unterlegt von einem kurzen Video, einen der aufregendsten Momente seines Lebens beschreibt. Sechs Jahre hat er (zu Hochdeutsch Wald-Wolfgang) alias Wolfgang Schreil aus dem bayrischen Bodenmais auf diesen Moment gewartet. Zu sehen ist, wie an einer offenen Stelle „in seinem Wald“ ein riesiger Rothirsch aus dem Dickicht tritt, testosteronschwere Brunftschreie ausstößt, einen Kontrahenten vom Platz treibt und dann Auge in Auge mit Woid Woife steht. Beide Männer schauen sich an, dann trabt der mit dem Geweih zurück ins Dickicht.

Woid Woife war am Sonntag der Einladung des Heimatvereins Datterode gefolgt, hatte von seinem Leben im Wald erzählt, aus seinem Buch gelesen und einige seiner mehr als 50 000 einzigartigen Wildtierfotografien gezeigt, die ihm im Laufe der Jahre gelungen waren.

Obwohl in den Marktwert-Saal eigentlich keine Maus mehr passte, war Woid Woife keine Sekunde zu übersehen: eine Statur wie ein Bär, grüner Filzhut, dichter Bart, kariertes Hemd, Strickweste – Outfit Marke Waldschrat. Und genau das ist er auch, aus vollem Herzen. Sein sehnlichster Wunsch: „Lernt den Wald lieben wie ich.“

Mit 19 war Schreil Deutscher Meister im Schwergewichtheben, mehrere Schicksalsschläge lassen ihn seine Sportkarriere beenden und es zieht ihn zurück in den Wald, in die Stille der Natur.

Als er erfährt das auf das Hochzell-Plateau eine Gondelbahn gebaut werden soll, um den Berg kommerziell zu vermarkten, wird Schreil auch nach außen aktiv. Um zu beweisen, dass in dem Gebiet viele seltene Tierarten leben, beginnt er zu fotografieren, ein Hobby, das er bis heute mit großer Leidenschaft betreibt. Letztendlich wird das Gebiet als besonderer Schutzraum ausgewiesen. „Es lohnt sich immer zu kämpfen“, sagt Woid Woife zu den Ringgauern und meint Windkraftanlagen und die Südlink-Trasse.

Inzwischen gibt es mehrere Filme und Dokumentationen über Woide-Woife, darunter von Arte und dem Bayrischen Rundfunk, einige Bücher sind publiziert. Doch am berührendsten sind seine Erzählungen über Begegnungen und Freundschaften mit den Tieren des Waldes – von Rosi, dem Turmfalken, Eichhörnchen Gretel und Rehkiz Jockel, dem namenlosen Fuchs und dem scheuen Auerhahn.

Auf einen Pfiff von Woid Woife antworten die Meisen und holen sich Erdnüsse aus seiner Hand, Eichhörnchen lassen sich blicken und scheue Tiere machen es sich auf seiner riesigen Schulter bequem. Er überschreitet im Kontakt mit den Tieren nie eine Grenze, er respektiert sie. Das ist sein Geheimnis.

Wolfgang Schreil lebt übrigen nicht nur im Wald, sondern in Bodenmais mit seiner Frau Susanne und dem Hund Elsie in einer Wohnung. Tief im Wald jedoch hat er einen Bauwagen und eine kleine Auswilderungsstation. Denn gerade das Frühjahr ist Hochsaison für den Woid Woife, da zieht er verlassenen Nestlinge auf oder Jungtiere, die ihm Wanderer bringen. Tagelang streift er durch den Wald, sitzt oft einfach und beobachtet. „Irgendwas passiert immer“, sagt er. Wer einfach nur 30 Kilometer durch den Wald jogge, würde nichts davon wahrnehmen.

Thomas Beck, Vorsitzender des Heimatvereins, dankt ihm. „Das hat großen Mut gemacht für diejenigen, die für den Erhalt der Natur und des Waldes streiten.“

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