Erfolg mit Bauhaus-Keramik

Designerin Margarete Heymann-Löbenstein und ihre besondere Verbindung zu Datterode

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Ein Bild, aufgenommen um das Jahr 1927: Designerin Margarete Heymann-Löbenstein mit ihrem Ehemann, Ökonom Gustav Löbenstein, aufgewachsen in Datterode.

Eine bislang unbekannte Geschichte aus der Historie Datterodes hat der örtliche Heimatverein aufgearbeitet: Margarete Heymann-Löbenstein war einst eine bekannte Künstlerin – und hat eine besondere Beziehung zu dem Ringgauer Ortsteil

Thomas Beck, Polizeidirektor der Polizeidirektion Werra-Meißner im Ruhestand, hat eine Leidenschaft für seinen Heimatort Datterode. Als Vorsitzender des dortigen Heimatvereins behält er seit vielen Jahren akribisch die Geschichte seines Ortes im Auge, in dem vor dem Zweiten Weltkrieg auch viele jüdische Familien lebten, und trägt mit seiner ehrenamtlichen Arbeit dazu bei, dass diese nicht vergessen werden.

Querverbindung zu Datterode

Im vergangenen Jahr besuchte Thomas Beck die Ausstellung „Bauhausmädels“ in Erfurt, in der Werke der jüdischen Designerin Margarete Heymann-Löbenstein gezeigt wurden. In den 1920er-Jahren war die selbstbewusste junge Frau und Bauhausschülerin sehr erfolgreich. Thomas Beck erkannte sogleich die Verbindung zu Datterode: Die Künstlerin heiratete 1923 den in Sontra geboren Ökonom Gustav Löbenstein, dessen Familie seit 1683 in Datterode bezeugt ist. Damals, im 17. Jahrhundert, war die Familie vom Eichsfeld her in den Ringgau gezogen. Gustav Löbensteins Vater Bernhard wurde in Datterode geboren und heiratete 1887 nach Sontra, wo er zwei Söhne bekam, Gustav und Daniel.

Heute begehrte Sammlerobjekte: die Entwürfe Margarete Heymann-Löbensteins.

Nach der Hochzeit mit Margarete gründete Gustav Löbenstein zusammen mit seinem Bruder Daniel die Hael-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz in Brandenburg. Das Unternehmen produzierte in Handarbeit die Entwürfe von Margarete Heymann-Löbenstein. Diese stammte aus Köln. Sie hatte Malerei in Köln und Düsseldorf studiert und schließlich einen Studienplatz am Bauhaus in Weimar bekommen, lernte dort in der keramischen Werkstatt und besuchte unter anderem Kurse von Paul Klee.

Tee- und Kaffee-Service aus Steinzeug

Doch schon in der Ausbildung hatten es weibliche Künstlerinnen offenbar nicht leicht, Anerkennung zu erhalten. Erst als künstlerische Leiterin ihrer eigenen Werkstatt zusammen mit ihrem Ehemann kam der große Erfolg. Der mittelständische Betrieb wurde im In- und Ausland für seine hochwertigen Produkte bekannt und exportierte nach Großbritannien, Belgien, Frankreich und in die Schweiz. Die Spezialität von Margarete Heymann-Löbenstein waren Tee- und Kaffee-Service aus Steinzeug. Im Stil des Bauhaus’ wurden diese von strengen Formen und sparsamen Mustern geprägt. In der Design-Welt sind die avantgardistischen Werke der Künstlerin bis heute begehrte Sammlerobjekte, die hohe Preise erzielen.

Schreckliche Schicksalsschläge

1924 und 1927 wurden die Söhne des Paars, Michael und Stephan, geboren, doch 1928 ereilte die Familie ein Schicksalsschlag. Gustav Löbenstein und sein Bruder Daniel kamen auf dem Weg zur Leipziger Herbstmesse bei einem Verkehrsunfall ums Leben. 1933 starb auch Sohn Stephan bei einem Unfall.

Margarete Heymann-Löbenstein musste den Betrieb allein durch die Weltwirtschaftskrise bringen, doch als 1933 die Nazis die Macht ergriffen, wurde sie wie viele jüdische Geschäftsleute massiven Bedrohungen ausgesetzt und musste ihre Firma 1936 verkaufen. Sie emigrierte nach Großbritannien, wo sie bis zu ihrem Tod 1990 lebte.

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