Fragen und Antworten zum geplanten Windkraftpark in Ringgau

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Bedrohliches Szenario: Große, weiße Rotorblätter könnten bald das Ortsbild von Netra prägen.

Netra. Neben der sich anbahnenden Südlink-Stromtrasse sollen demnächst auch Windkraftanlagen im Ringgau Einzug halten.

 „Der Ringgau hat nicht viel, aber viel zu verlieren“, sagte der besorgte Marco Schäffer aus Netra mit Blick auf ein idyllisches Landschaftsbild seiner Heimatgemeinde. Seine Miene wurde düsterer, als er ein Bild weiterklickte: Große Rotorblätter dominerten das Panorama. 

Während einer Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Netra informierte die Bürgerinitiative „Für den Ultimativen Umweltschutz im Hessenland“ rund 100 interessierte Bürger über die geplanten Vorhaben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Informationsveranstaltung.

Wie kam es dazu?

Im Zuge des Klimawandels wird vom Land Hessen die Energiewende propagiert. Ziel: Die Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050. Hierzu sollen zwei Prozent der Landesflächen für Windkraft zur Verfügung gestellt werden.

Im Kern eine gute Entscheidung?

„Nein, eine Industrieanlage in einem funktionierenden Ökosystem kann kein positiver Beitrag zum Klimaschutz sein“, sagte Andrej Schindhelm (Rambach) unmissverständlich, um diese Aussage mit einige Beispielen aus dem Natur- und Artenschutz zu untermauern. Darüber hinaus wird die Gesundheitsgefährdung durch den Infraschall (Frequenz unter der menschlichen Hörfläche) nicht bedacht: „Zahlreiche Studien belegen, dass die Windkraftanlagen von einigen Kilometern Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben können.“

Was wurde noch kritisiert?

Die Sorge ist groß: Rund 100 Bürger kamen zur Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative. 

Die Feuerwehren aus dem Umkreis sind nicht für einen Einsatz gewappnet: „Im Brandfall ist nur kontrolliertes Abbrennen möglich.“ Thomas Holzapfel (Netra) von der Bürgerinitiative monierte, dass das Land Hessen keine Windkraftanlagen baut: „Es werden nur Anreize für mögliche Betriebe durch Subventionen, einen garantierten Preis und einer garantierten Stromabnahme geschaffen. Das bedeutet sagenhafte Renditen ohne unternehmerisches Risiko.“

Wer sind die Nutznießer?

Ein Riesenmarkt hat sich entwickelt. Zuletzt haben sogar Pakistanis bei Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer Interesse bekundet. Am Ende sind es laut der Bürgerinitiative die Großindustrie und die Banken, die „abschöpfen und profitieren.“ Die möglichen Gewinne für Bürger und Gemeinde sind „lächerlich gering.“

Wo sind die Windkraftanlagen geplant?

Die Errichtung und der Betrieb Windenergieanlagen sind ausschließlich in den im Teilregionalplan Energie ausgewiesenen „Vorranggebieten für Windenergienutzung“ zulässig. Neben einem Vorranggebiet in der Nähe von Rittmannshausen soll ein Windkraftpark an der Graburg, einem Höhenzug zwischen Netra und Weißenborn, entstehen. „Und wenn eine Anlage steht, dann ist es erst der Anfang“, so Holzapfel, der weiß, dass das Vorranggebiet für bis zu 30 Windkraftanlagen ausgerichtet ist.

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Die möglichen Windkraftanlagen in Zahlen:

  • 2 Jahre lang werden die Bagger rollen, um die Anlagen zu bauen. Zunächst werden Schwerlasttrassen errichtet: „Kleine Autobahnen entstehen.“ Diese und die folgenden Fakten nannte die Bürgerinitiative für den Ultimativen Umweltschutz im Hessenland im Rahmen der Infoveranstaltung in Netra.  
  • 17 Milliarden Euro erhalten die Betreiber von Windkraftanlagen für Strom, der auf dem Strommarkt nur drei Milliarden Euro Wert ist. Holzapfel: „Die verbleibenden 14 Milliarden Euro zahlen wir Bürger mit der EEG-Umlage über die Stromrechnung. Deswegen ist Strom so teuer.“ 23Prozent im Wert sind Immobilien in vergleichbaren Regionen gesunken, weil in unmittelbarer Nähe Windkraftanlagen errichtet wurden.
  • 240 Meter hoch ist eines der geplanten Windräder. Zum Vergleich: Der Kölner Dom hat eine Höhe von 157 Meter. Das größte Haus in Netra ist acht Meter hoch und somit 30 Mal kleiner.
  • 980 Meter von Netra, 1570 Meter von Rittmannshausen, 1785 Meter von Weißenborn und fast genau 2100 Meter von Rambach entfernt ist das Vorranggebiet am Höhenzug Graburg. 1472 Kubikmeter fasst ein Fundament. Folglich könnten 150 VW Polos in diesem Fundament Platz finden. Laufen die Förderungen aus, droht oftmals die Stilllegung.
  • 2400 Meter entfernt von Wohngebäuden in Gebieten mit Bebauungsplänen muss ein 240 Meter hohes Windrad in Bayern liegen, weil die Bestimmungen der Bayerischen Landesbauordnung eine sogenannte „10H-Regelung“ vorschreiben. Das bedeutet: Neu errichtete Anlagen müssen einen Mindestabstand zu Häusern haben, der zehnmal die Höhe des Windrades inklusive Rotorblatt misst.

Von Marvin Heinz

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