Herleshäuser Verein "Bürger mit Initiative" informiert

Gegenwind nimmt zu: Fragen und Antworten zum Widerstand gegen geplante Südlink-Trasse

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Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern: Möglicherweise werden solche Kabel im Werra-Meißner-Kreis verlegt, und zwar mitten durch die Gemeinde Ringgau.

Röhrda – Die Suche nach dem geeignetsten Verlauf für die Stromtrasse Suedlink vom Norden in den Süden der Republik läuft weiter.

Mächtig Gegenwind kommt nun auch aus dem Werra-Meißner-Kreis: Die „Bürger mit Initiative“ (BMI) starten eine Aufklärungsoffensive zum milliardenteuren Projekt der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Transnet-BW; zuletzt am Montagabend vor 250 Bürgern im Dorfgemeinschaftshaus von Röhrda.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen des Abends:

Inwiefern könnten die Gemeinden Ringgau und Herleshausen von den Planungen betroffen sein?

Die Firma Tennet plant, an der Nordsee gewonnenen Strom ab dem Jahr 2025 in drei möglichen Trassen Richtung Süden fließen zu lassen. Derzeit könnte der Südlink-Trassenkorridor entweder durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen – oder alternativ durch das benachbarte Thüringen. Dort aber laufen die Proteste auf Hochtouren; Klagen werden erwogen, und auch Landrat Reinhard Krebs hat sich bereits öffentlich gegen die Thüringer Trassenvariante ausgesprochen.

Welche Kritikpunkte bringen die Bürger mit Initiative vor?

Der in Herleshausen ansässige Verein, in Röhrda vertreten durch Informatiker Oliver Radel und unterstützt von Landwirt Thorsten Möller, kritisiert etwa, dass die Trasse – sollte sie durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen – zu dicht an Siedlungen vorbeiführe. Die Anwohner könnten womöglich „Versuchskaninchen einer gesundheitsgefährdenden Technologie“ werden, warnt Oliver Radel: „Gründliche Flächenstudien am Menschen, etwa Großraumuntersuchungen entlang von HGÜ-Leitungen in Siedlungsgebieten, gibt es bisher keine.“

Wird die Landschaft in Mitleidenschaft gezogen?

Ja, sagen die Bürger mit Initiative. Die Landschaft werde durchpflügt, und die Schneisen werden für immer sichtbar sein, heißt es weiter. Als Landwirt befürchte er zudem die dauerhafte Veränderung der Böden, ergänzt Thorsten Möller. Fakt ist: Grundsätzlich wird die Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung in einer offenen Grabenbauweise verlegt. Die Erde wird aufgebaggert, die Erdkabel werden in einer Tiefe von 1,80 Metern hineingelegt und wieder bedeckt. Aufgrund der geologischen und topografischen Gegebenheiten sei das aber nicht überall möglich, schränkt die Tennet ein.

Wie wird untersucht, ob der Boden für die Unterbohrungen geeignet ist?

Zum einen werden derzeit Bodenproben aus bis zu 30 Metern Tiefe entnommen. Das passiert laut Tennet an Stellen, die möglichst gut zugänglich sind. Anschließend werden die Bohrlöcher verfüllt. Zum anderen werden parallel auch Drucksondierungen gemacht: Hierbei wird ein Messkopf an einem Gestänge mit einem Durchmesser von etwa 3,5 Zentimetern bis zu 20 Meter in den Boden getrieben. Anhand der Schlagzahl, die für eine Eindringtiefe von 10 Zentimetern benötigt wird, lassen sich Rückschlüsse über Lagerungsdichte und Bodenart ziehen. Zum jetzigen Zeitpunkt werden alle Trassenkorridore in der gleichen Detailtiefe untersucht. 

Erste Entscheidung fällt im Februar

Genau jetzt sei es an der Zeit, sich gegen den Verlauf der Südlink-Trasse durch den Werra-Meißner-Kreis auszusprechen – und zwar sachlich und mit fundierten Argumenten, appelliert Oliver Radel von den Bürgern mit Initiative. Fest steht: Ende Februar will die Tennet ihre Untersuchungen zum Anschluss gebracht haben und eine Empfehlung bezüglich des geeignetsten Trassenkorridors an die Bundesnetzagentur abgeben. 

Letztgenannte wird daraufhin ein eigenes Prüfungsverfahren starten, das zum Jahresende abgeschlossen sein soll. „Alle Hinweise von Bürgern, die jetzt eingehen, werden noch Einfluss auf beide Verfahren haben“, erklärt Erster Kreisbeigeordneter Rainer Wallmann. Der Kreis selbst habe sich bereits gegen die osthessische Variante ausgesprochen und seine Meinung mit insgesamt vier Stellungnahmen untermauert. „Die Region würde in keiner Weise von Südlink profitieren“, bekräftigt Wallmann. „Die Gemeinde Ringgau will die Stromtrasse in keinem Fall haben“, ergänzt Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann. Zusammen mit dem Werra-Meißner-Kreis und Bürgerinitiativen sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Trassenkorridor zu verhindern. „Frühzeitig“, sagt Klaus Fissmann, habe die Gemeinde reagiert und etwa alle Wasser- und Naturschutz- sowie FFH-Gebiete gemeldet. Die Bürger mit Initiative indes werden ihre Aufklärungsoffensive weiter fortsetzen: Nach Wommen am gestrigen Abend ist ein weiterer Termin für Reichensachsen und Langenhain geplant. Eine Vernetzung der Bürger untereinander ist erwünscht.

Jetzt online an Detailplanung beteiligen

Bürger können sich schnell und einfach via Internet an der Planung beteiligen und sogenannte „Hinweise“ setzen, die auf geologische, kulturelle oder gesundheitliche Probleme bei einem eventuellen Trassenverlauf verweisen. Die Bürger mit Initiative rufen dazu auf, sich so zahlreich wie möglich zu beteiligen. Dazu muss zunächst die Website www.tennet.eu aufgerufen werden. Hier wird der Menüpunkt „Zu unseren Projekten“ ausgewählt. In der folgenden Übersicht „Suedlink“ anklicken und das „Online-Planungstool“ aufrufen. 

Hinweise werden hier direkt geografisch verortet. . Eine Vernetzung mit den Bürgern mit Initiative ist per E-Mail an mail@wind-in-herleshausen.de möglich

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