Für Geschichte sensibilisieren

Grandenborn wird in diesem Jahr 750 Jahre alt: eine Ortschronik zum Festjahr

+
Grandenborn vor 90 Jahren: Die Postkarte aus Grandenborn stammt aus den 1930er-Jahren und befindet sich heute in der Sammlung des Grandenbörners Arthur Iba

750 Jahre wird der Ringgauer Ortsteil Grandenborn in diesem Jahr. Der Ort will sein Jubiläum nicht nur feiern, sondern für seine Geschichte sensibilisieren.

750 Jahre sind kein Pappenstiel und geben Anlass für einen Blick auf die mehr als sieben Jahrhunderte alte Geschichte des Dorfes hoch oben auf dem Ringgau-Plateau.

Vorstellung bei Feierstunde 

Aus diesem Grund bilden den Auftakt des Festjahres, das der Förderverein Grandenborn seit vorigem Jahr mit viel Engagement organisiert, auch die nagelneue Ortschronik, die der Öffentlichkeit am 18. April in einer Feierstunde im „Teichhof“ in Grandenborn vorgestellt werden soll. An dem zirka 100-seitigen Werk haben die Historiker Hans Isenberg, York-Egbert König, Karl Kollmann sowie Dr. Thomas Diehl gearbeitet, die sich unterschiedlichen Themengebieten gewidmet haben.

Darunter werden thematisiert vor- und frühgeschichtliche Funde, die auf erste Siedler in der Jungsteinzeit hindeuten bis zur ersten urkundlichen Erwähnung und der mittelalterlichen Geschichte über den Ursprung des Ortsnamens sowie des Familiennamens sowie das Schulwesen in Grandenborn. Illustriert ist das Werk mit einer Vielzahl wunderbarer historischer Fotografien aus der Sammlung des Grandenbörners Arthur Iba.

Zur Geschichte

Auf den 4. August 1270 ist die Urkunde datiert, in der sich der Abt Heinrich von Hersfeld bekennt, dass er auf Bitten Bodos von Boyneburg, seines Vetters Sohn, und dessen Bruders Heinrich von Boyneburg-Hohenstein sowie dessen Mutter dem Kloster Kreuzberg zwei Hufen in „Graneborn“, welche ihm von den Genannten zum Seelenheil ihrer Eltern übergeben worden sind, zugeeignet hat. Die Familie der von Boyneburgs prägte den Ort über Jahrhunderte. Sind bis in das 16. Jahrhundert hinein noch Besitzungen und Rechte des Stiftes Hersfeld in Grandenborn nachweisbar, so machten sich die von Boyneburg-Bischhausen und Laudenbach offenbar die von der Besetzung durch Hessen beziehungsweise Hessen-Kassel herrührende Schwäche des Stiftes zunutze und brachten den kompletten Ort mitsamt allen Herrschaftsrechten in ihre Hände.

Spaß trotz klirrender Kälte: Die Grandenbörner vergnügen sich auf dem Dorfteich im Winter 1948/49.

Ende des 16. Jahrhunderts bestand das zum Gericht Boyneburg gehörige Grandenborn aus 60 Höfen, vor dem Dreißigjährigen Krieg aus 82. Die im Werraraum wütende Pest raffte 1626 allerdings 187 Dorfbewohner dahin, Tod und Flucht dezimierten die Zahl der besetzten Höfe bis 1639 auf 15. Bis 1681 hatte sich die Zahl der Bewohner dann wieder erholt und es existierten 64 besetzte Höfe.

Boyneburg ist heute eine Burgruine

Aus Geldnot und vermutlich fehlendem Interesse versetzte Konrad von Boyneburg seinen Anteil an Grandenborn – darunter die sich oberhalb der Weiten Gasse befindliche Meierei – an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Der landgräfliche Besitz wurde von dem 1654 gegründeten landgräflichen Amt Bischhausen verwaltet, während das Dorf an sich nach wie vor dem Gericht Boyneburg zugehörig war. (Quelle: Wikipedia.) Im Bereich Grandenborns befand sich zudem ein Hof der von Boyneburg-Hohenstein, vermutlich auf dem „Alberod“, der jedoch im Dreißigjährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Seit 1821 gehörte Grandenborn zum Kreis Eschwege, heutige Werra-Meißner-Kreis. Das Kirchenpatronat lag ursprünglich beim Stift Hersfeld, wurde jedoch im 16. Jahrhundert von den von Boyneburg-Bischhausen und Laudenbach dem Stift entrissen. Der ursprüngliche Familiensitz der Familie, die nahe gelegene Boyneburg, ist heute eine Burgruine. Seit 1971 gehört Grandenborn der Gemeinde Ringgau an. 

Grandenborn – ein Kranichrastplatz

Über den Ursprung des Namens Grandenborn gibt es verschiedene Theorien. Auffällig ist laut der Historiker, dass das „D“ erstmals im 16. Jahrhundert verwendet wird, als Folge der damals eingeführten hessischen Kanzleisprache. In der Erstnennung des Ortes heißt das Dorf Granenburnen. Mit Born ist eine Quelle gemeint, der Born, die durch den Namen „Grane“ weiter definiert wird. Eine Theorie geht davon aus, dass es sich um feines Korn oder feinen Sand beziehungsweise Kies handelt, was für die Reinheit der Quelle sprechen sollte. Eine andere Variante setzt Grane mit Kranich gleich, was laut dem Historiker Ernst Henn, durchaus Sinn ergibt – als „Kranichquelle“ oder Rastplatz für Kraniche.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare