Bürger können Einsicht nehmen

Grandenborn: Zweiter Anlauf für Mastanlage für 66.000 Hähnchen

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Mast mit Blick auf Grandenborn: In der bestehenden Hähnchenmastanlage werden aktuell 39 000 Tiere pro Mastdurchgang, der zwischen 32 und 42 Tagen liegt, in Bodenhaltung gehalten. 

Das Genehmigungsverfahren um die Erweiterung der bestehenden Hähnchenmastanlage von 39.000 auf 66.000 Tiere bei Grandenborn ist jetzt in eine neue Runde gegangen.

Noch bis zum 9. März können die Unterlagen in der Bauverwaltung der Gemeinde Ringgau in Netra von jedermann eingesehen werden.

Rund 120 Einwendungen

Gegen das Vorhaben, das im vorigen Jahr wegen Verfahrensfehlern sowie einer kurzfristigen Änderung der geplanten Tierplätze neu aufgerollt werden musste, sind beim Regierungspräsidium in Kassel rund 120 Einwendungen eingegangen.

Die „Jürgen und Linda Siebert GbR“ beabsichtigt neben der vorhandenen Stallung aus 2009 „Überm Gamstalberg“ ein 90 mal 21 Meter weiteres Gebäude, inklusive Anlagen zur Lagerung von Flüssiggas sowie zwei Getreidesilos zu bauen. Der vorhandene Stall soll von 39 000 Masthähnchen auf 33 000 reduziert werden. Pro Mastdurchgang sollen 11.050 Tiere mit einem Gewicht von 1,8 Kilo nach 32 Tagen ausgestallt werden, 21 000 Tiere sollen zehn Tage später ein Schlachtgewicht von 2,8 Kilogramm haben. Im neuen Stall sollen 33 000 Tiere gleichzeitig in der sogenannten Bodenhaltung Platz finden. Die Stallungen befinden sich im Wasserschutzgebiet der Kategorie II – ein Karstgebiet mit Verbindung zur 2,8 Kilometer entfernten großen Trinkwasserquelle „Kressensteinquelle“ bei Breitau.

Schutz des Bodens

Aus den aktuellen Planungsunterlagen geht hervor, dass zum Schutz des Bodens auf dem Baufeld Tonmehl eingefräst werden soll, das verhindern soll, dass belastete Abwässer in das Grundwasser und damit letztendlich in das Trinkwasser gelangen.

Anfallende Reinigunsgewässer sollen in Zwischenbehältern aufgefangen und extra entsorgt werden. Der Hühnermist soll komplett in der Biogasanlage Röhrda vergast werden, die sogenannten Gärreste dann wieder als Dünger in auf Felder aufgebracht werden. Das Waschwasser, so in den Unterlagen zu lesen, könne sofort auf Felder gebracht werden, da es nur geringe Kotreste und Staub enthalte.

Kein besonderes Schutzbedürfnis

Ein besonderes Schutzbedürfnis im Untersuchungsraum liege, so der Architekt Weinhold, nicht vor. Die beiden Vogelschutzgebiete „Felsenklippen“, die „Rendaer Höhe“ sowie das Naturschutzgebiet „Boyneburg und Schickeberg“ seien ausreichend weit entfernt.

Das allerdings sehen die Kritiker der Mastanlage anders: „Das ist keine Landwirtschaft, sondern eine industrielle Anlage“, sagt Harald Weisheit aus Grandenborn. Die Emissionen gefährden Wasser, Luft und Boden.“ So sei beispielsweise auch bei dem Erweiterungsbau bei der Entlüftung keine Filteranlage vorgesehen. Er rechnet vor, dass bei einem Besatz von 37 000 Tieren pro Tag Abluft von 4,6 Millionen Kubikmetern entstehe. „Multiresistente Keime, Bakterien, Antibiotikarückstände, alles was über Kot und Staub freigesetzt wird, wird als Feinstaubpartikel ungefiltert in die Luft geblasen.“ Ebenso mit der in der Biogasanlage vergasten Gärresten des Kotes, der auf Felder aufgebracht werden soll. „Die Temperaturen in den Anlagen reichen in aller Regel nicht aus, um alle Keime abzutöten“, sagt Weisheit. Dazu gäbe es reichlich Studien. Er appelliert an Bürger, weitere Einwendungen gegen das Projekt einzureichen.

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